Stadtverwaltung

Stadtverwaltung Quedlinburg: Braucht die Wirtschaftsförderung Verstärkung?

Quedlinburg - Den Antrag der Fraktion Grüne/QfW, die Ansiedlung von IT-Firmen in Quedlinburg zu unterstützen, in Verbindung bringen mit einem Industriegebiet Quarmbeck? Ulrich Thomas (CDU) sieht das nicht. „Wir sollten schon alles anbieten, was wir haben“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende in der jüngsten ...

Von Petra Korn
Blick auf das geplante Industriegebiet bei Quarmbeck Urheber: Chris Wohlfeld

Den Antrag der Fraktion Grüne/QfW, die Ansiedlung von IT-Firmen in Quedlinburg zu unterstützen, in Verbindung bringen mit einem Industriegebiet Quarmbeck? Ulrich Thomas (CDU) sieht das nicht. „Wir sollten schon alles anbieten, was wir haben“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende in der jüngsten Stadtratssitzung.

Die Stadt solle sich „bei aller Vorsicht nicht die Chance nehmen, weitere Flächen zu erschließen“, so Thomas. „Ich warne davor, nichts zu machen. Dann geraten wir im kommunalen Wettbewerb noch weiter ins Hintertreffen.“

Veränderte Fassung des Antrags wurde beschlossen

Nichts machen - das will der Stadtrat offensichtlich nicht. So beschloss er mehrheitlich eine im Wirtschafts-, Vergabe- und Liegenschaftsausschuss veränderte Fassung des Grünen/QfW-Vorschlages. Danach soll die Stadt die Ansiedlung von Firmen, insbesondere der IT-Branche, unterstützen und potenziellen Investoren bei der Suche nach geeigneten Immobilien und Flächen helfen.

Und der Stadtrat beschloss auch den von der Fraktion Grüne/QfW eingebrachten Antrag, eine personelle Verstärkung der Wirtschaftsförderung, zu prüfen. „Wenn wir merken, dass unsere Wirtschaftsförderung nicht mehr in der Lage ist, alle Aufgaben zu schaffen“, sei zu überlegen, ob sie „eine ganze oder halbe Stelle hinzubekommt“, hatte Peter Deutschbein (QfW) den Antrag begründet.

Dennoch blieb der Blick auf Quarmbeck nicht außen vor: Der Stadtrat hatte beschlossen, die Erarbeitung eines dritten Bebauungsplanes für ein Industriegebiet in Auftrag zu geben. In diesem Entwurf sollen auch die Bedenken berücksichtigt werden, die Icomos - der internationale Rat für Denkmalpflege - und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie geäußert hatten. Beide hatten den zweiten Planungsentwurf abgelehnt und das unter anderem mit erheblichen Beeinträchtigungen geschützter Sichtbeziehungen zum Stiftsberg und der Stadtsilhouette begründet. An der Erarbeitung des dritten Entwurfs sollen die Denkmalschützer schon früh beteiligt werden.

Für Reinhard Brinksmeier (SPD) blieben dabei aus einer Beratung im Wirtschaftsausschuss mit dem Planungsbüro Punkte, die offen ließen, „wann und ob wir überhaupt in Quarmbeck Industrieflächen anbieten können“. So sei beispielsweise mit zahlreichen archäologischen Funden zu rechnen, für jede Baumaßnahme eine einzelne Genehmigung einzuholen. Zudem müsse eine neue Altlastenbegutachtung erfolgen. Ein Punkt sei auch der Artenschutz, so Brinksmeier weiter. Die letzte Erfassung sei 2009 erfolgt. Weil diese aber nicht älter als fünf Jahre sein dürfe, müsse eine neue Kartierung erfolgen. Und gebraucht würden Ausgleichs- und Ersatzflächen. Für umso wichtiger halte er deshalb, dass Bemühungen nicht einseitig auf Flächenneuansiedlungen fokussieren, „sondern mehr in die Breite gehen“, erklärte Reinhard Brinksmeier. Er warb für Zustimmung zu dem Antrag, Ansiedlungen zu unterstützen, die keine größeren Flächen benötigen.

„Wir müssen ein bisschen weiter denken und suchen“, sagte Gabriele Vester (Bürgerforum). Sie verstehe IT auch als Ansiedlungen, die nicht mit der Umwelt in Konflikt kämen, bei denen keine Sichtachsen zerstört würden. Christian Amling (Bürgerforum) sprach sich dafür aus, noch einmal „auf den Prüfstand“ zu stellen, „welche wirtschaftlichen Ansiedlungen verträgt Quedlinburg insbesondere als Welterbestadt“.

Ulrich Thomas hielt es für „fatal zu sagen, wir wollen nur IT“. Der Wettbewerb im Harzkreis sei sehr stark bei Neuansiedlungen wie Erweiterungen. Da sei es wichtig zu sagen, „jedes Unternehmen ist willkommen“. Thomas erinnerte daran, dass in Quedlinburg derzeit nur 1,8 Hektar Fläche in Gewerbe- und Industriegebieten ohne Einschränkung zur Verfügung stünden. Und laut einer Saleg-Studie sei Quarmbeck mittelfristig das geeignetste Gebiet zur Schaffung neuer Flächen.

Oberbürgermeister Frank Ruch (CDU) nannte es „denkbar“, für ein Industriegebiet Quarmbeck eine Regelung hinzubekommen. Ihm sei maßgeblich, „ein starkes Unterstützungssignal für unsere Wirtschaftsförderung“ zu erhalten. Ruch sagte aber auch: „Wir haben so gut wie keine Industriebrachen, auf die wir auch Zugriff haben.“ (mz)