Schlossberg

Museen auf dem Stiftsberg in Quedlinburg: Dauerausstellungen sollen für rund 3,3 Millionen Euro umgestaltet werden

Quedlinburg - Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte haben es schwer, auf den Stiftsberg zu gelangen.

Von Rita Kunze

Sollte Fördergeld in Millionenhöhe nach Quedlinburg fließen, bekommt der Stiftsberg eine neue Baustelle: Stadt und Kirche wollen das Schlossmuseum und die Stiftskirche als eine Einheit präsentieren, inhaltlich und baulich.

Ein gemeinsames Konzept sieht unter anderem einen komplett neuen, zusammengehörigen Rundgang vor (die MZ berichtete). Dafür sollen unter anderem die Arkaden verglast, mit Glasschiebetüren ausgestattet und ein „sich ins Ensemble einfügender gläserner Anbau vor dem Alteingang zur Stiftskirche“ errichtet werden.

Stadtrat stimmte für das Konzept

Der Stadtrat hat dem Konzept zugestimmt, machte aber eine Einschränkung: Über den Glasanbau und die Verglasung der Arkaden soll ein gesonderter Beschluss gefasst werden. Das Gremium folgte damit einem Vorschlag von Stadtratsmitglied Hardy Seidel (CDU), der in der Glaskonstruktion eine deutliche Veränderung des Erscheinungsbildes des Schlossberges sieht.

Aber die ist offenbar gewollt: „Der Gast erlebt den Stiftsberg derzeitig nicht als ein seiner historischen Bedeutung gerecht werdendes geschlossenes Ensemble, welches die Geschichte als Kaiserpfalz und hochadliges reichsunmittelbares Damenstift widerspiegelt. Es gibt keinen gemeinsamen Zugangs-/Kassenbereich zur Kirche und zu den Stiftsgebäuden“, heißt es in der Projektbeschreibung.

Amling: „Sehr gut überlegen, was wir daran verändern"

Nicht nur Seidel, auch andere Stadtratsmitglieder wollen über Teile der Planung noch genauer reden: „Wir wollen so viele Besucher wie möglich, aber das ist ein angestammtes Ensemble, das bekannt und vertraut ist.

Wir müssen uns sehr gut überlegen, was wir daran verändern“, sagte Christian Amling, Fraktionschef des Bürgerforums Quedlinburg (BfQ). Er wolle keine „Disneyworld“. Die Gestaltung sei eine „sehr diffizile Frage, die noch nicht genug beachtet“ werde.

Hans Joachim Rathmann erinnert an empfindlichen Sandsttein

„Das ist so original, dass Filmteams herkommen“, sagte Hans Joachim Rathmann (SPD) über die derzeitige Erscheinung des Schlosshofs. Er gab außerdem zu bedenken, dass Sandstein - markantes Baumaterial an den Gebäuden - „extrem empfindlich“ sei und man dauerhafte Schäden, die womöglich durch eine Verglasung entstehen könnten, verhindern müsse. „Das ist ein so wichtiger Punkt, dass wir das im Stadtrat gesondert beschließen müssen“, so Rathmann.

Im Kern geht es um die Neugestaltung von rund 2.200 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Die Kosten dafür werden derzeit mit rund 3,3 Millionen Euro beziffert. Die Neuausrichtung soll helfen, die Besucherzahlen deutlich zu steigern:

Es wäre „nicht vermessen, mit einem Anstieg ... auf insgesamt 140.000 bis 150.000 rechnen zu können“, heißt es in der Projektbeschreibung der Stadt. Zahlen, von denen der Stiftsberg derzeit weit entfernt ist: 2016 wurden nach Angaben der Stadt 49.543 Besucher gezählt.

Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte haben es schwer

Vor allem Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte haben es derzeit schwer, überhaupt auf den Stiftsberg zu kommen. Abhilfe will die Stadt mit Liften und Rampen schaffen, „allerdings werden durch die historische Bausubstanz mit den unterschiedlichen Höhenniveaus dieser Absicht Grenzen aufgezeigt“, heißt es von der Verwaltung.

Aber es gebe „erste Überlegungen, den Stiftsberg mittels Aufzug direkt erreichbar zu machen, um gehbehinderten Besuchern überhaupt die Möglichkeit zu bieten, eigenständig auf den Stiftsberg zu gelangen“.

Bernd Mühlhäusler, Mitglied der Bürgerfraktion Quedlinburg, gab noch etwas anderes zu bedenken: Mit der Neuausrichtung des Stiftsberges sollen internationale Standards geschaffen werden, „aber die Gastronomie kann solchem internationalen Standard nicht Stand halten“, sagte er. Aus diesem Grund solle die „Anpassung der Präsentation des Gastronomiebetriebes“ von der Stadt unterstützt werden. (mz)