Feininger-Galerie Quedlinburg

Kreis zieht sich aus der Finanzierung zurück

Landrat einigte sich im kleinen Kreis mit OB Ruch, Kulturstaatssekretär Schellenberger und dem Generaldirektor der Kulturstiftung.

Von Rita Kunze
Ein Ausstellungsraum in der Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg. Der Landkreis will sich aus der Finanzierung der Galerie zurückziehen. Foto: Jürgen Meusel

Quedlinburg - Der Landkreis Harz wird sich in den kommenden Jahren schrittweise aus der Finanzierung der Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg zurückziehen. Landrat Thomas Balcerowski (CDU) hat den Kreistag darüber informiert, dass die Zuschüsse jährlich um 40.000 Euro reduziert werden sollen.

Steuert der Landkreis in diesem Jahr noch 200.000 Euro bei, sollen es künftig 160.000, dann 120.000, 80.000 und schließlich null Euro sein. Erwartet wird, dass die Stadt Quedlinburg in gleichem Maße einsteigt, so der Landrat. Vorausgegangen waren Gespräche mit Quedlinburgs Oberbürgermeister Frank Ruch (CDU), Kulturstaatssekretär Gunnar Schellenberger und Christian Philipsen, dem Generaldirektor der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, in deren Trägerschaft sich die Galerie befindet.

Die Stadt Quedlinburg ziehe den größten Nutzen aus der Galerie und sollte sich deswegen finanziell stärker engagieren, begründet Balcerowski das Vorgehen. Derzeit beträgt der jährliche Zuschuss Quedlinburgs für die Feininger-Galerie laut Haushaltsplan 10.000 Euro.

Die Stadt habe zudem - anders als der Landkreis - als einzige die Möglichkeit, die Kosten über die Kurtaxe - die der Landkreis nicht erheben kann - zu refinanzieren. Damit sei eine dauerhafte Tragfähigkeit gesichert, betont Balcerowski, denn Ziel sei es, aus der „Dauerschleife der Infragestellung“ herauszukommen, die immer dann erscheine, wenn neue Verträge für die Einrichtung abgeschlossen werden. Das ist derzeit jährlich der Fall, der Landkreis muss sie stets der Kommunalaufsicht zur Prüfung vorlegen.

Mit der Nutzung der Kurtaxe sieht Balcerowski zugleich eine Win-Win-Situation für die Einrichtung, deren Besucher und die Stadt, denn mit der Kurtaxe seien meist auch Rabatte verbunden. Als Beispiel nennt er aus seiner Zeit als Thalenser Bürgermeister die Bodetal-Therme, bei der Gäste, die ja die Kurtaxe gezahlt hätten, auch einen Rabatt bekamen. Sie sei ein „wunderbarer Weg“, eine tragfähige Finanzierung unabhängig von Haushaltsschwierigkeiten zu ermöglichen.

„Wir können nicht den kompletten Betrag ausgleichen.“

Frank Ruch, Oberbürgermeister von Quedlinburg

Dass der Landkreis weniger Geld für die Galerie ausgeben will, ist nicht neu. Balcerowskis Amtsvorgänger Martin Skiebe hatte dafür heftige Kritik einstecken müssen. Dass sich die Debatten jetzt wiederholen, befürchtet Thomas Balcerowski allerdings nicht: Die Dinge seien mit dem Quedlinburger Oberbürgermeister Frank Ruch vorabgestimmt.

Die Stadt hatte sich für ein stärkeres Engagement in Sachen Feininger ausgesprochen, endgültig geklärt ist die Sache aber noch nicht, macht Frank Ruch auf Nachfrage der MZ deutlich: „Wir können nicht den kompletten Betrag ausgleichen.“ Derzeit rede man von 10.000 Euro im Jahr, die die Stadt aufbringt.

Ruch bringt die Kreisbibliothek in Quedlinburg ins Spiel, für die die Stadt in den kommenden Jahren zwischen 55.000 und 60.000 Euro bereitstelle. „Da ist eine gewisse Unwucht zu sehen“, sagt er angesichts der Erwartung des Kreises, mehr Geld für die Feininger-Galerie auszugeben.

In dieser Woche will sich der Oberbürgermeister mit den Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates beraten. Ein stärkeres Engagement ja, aber „den kompletten Ausfall werden wir nicht ersetzen können“, macht er deutlich.

Er wolle sich mit den Fraktionsvorsitzenden darüber abstimmen, ob mit dem Haushalt für das Jahr 2022 eine deutliche Erhöhung der Zuschüsse, „vielleicht in der Größenordnung wie für die Kreisbibliothek“, vorgenommen wird. Ob sofort oder schrittweise, auch darüber müsse geredet werden.

Die Kurtaxe greife auch nicht komplett. Selbst wenn die 3,50?Euro betragen würde, wäre die Stadt damit bei ihren jetzigen Ausgaben unterfinanziert.

Aus Sicht des Oberbürgermeisters muss sich das Land stärker einbringen; er sehe „an allen Ecken Bewegung, ohne dass man etwas festgezurrt hat“, sagt Frank Ruch. Die Feininger-Galerie habe für den Landkreis eine andere Bedeutung als für die Stadt: „Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Kulturszene.“ (mz)