Harz

Harz: Rettungseinsatz nach Drehbuch

GÜNTERSBERGE/MZ. - Doch das, was wie eine Szene für einen Filmdreh anmutete, war Bestandteil des Landeswettbewerbes der Katastrophenschutzbereitschaften des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Bereits zum dritten Mal war das Gelände des Kinder- und Erholungszentrums (Kiez) Güntersberge Ort einer Landesmeisterschaft. An zehn Wettbewerbsstationen bewiesen acht Mannschaften mit ehrenamtlich tätigen Katastrophenschützern, wie gut sie ausgebildet sind und wie schnell sie helfen können. Beispielsweise bei einem Verkehrsunfall, bei dem ein Motorradfahrer und eine Passantin schwer verletzt ...

Von SIGRID DILLGE 15.05.2011, 17:32

Doch das, was wie eine Szene für einen Filmdreh anmutete, war Bestandteil des Landeswettbewerbes der Katastrophenschutzbereitschaften des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Bereits zum dritten Mal war das Gelände des Kinder- und Erholungszentrums (Kiez) Güntersberge Ort einer Landesmeisterschaft. An zehn Wettbewerbsstationen bewiesen acht Mannschaften mit ehrenamtlich tätigen Katastrophenschützern, wie gut sie ausgebildet sind und wie schnell sie helfen können. Beispielsweise bei einem Verkehrsunfall, bei dem ein Motorradfahrer und eine Passantin schwer verletzt wurden.

Titelverteidiger im Stress

Zu den ersten Mannschaften, die hier zeigten, wie hoch ihr Ausbildungsstand ist, gehörte der Sanitätsdienst Halle. Die vier jungen Männer um Gruppenführerin Ulrike Radtke waren die Titelverteidiger. Vor zwei Jahren - die Wettbewerbe finden in diesem Rhythmus statt - belegten sie Platz eins und als Vertreter des Landes beim Bundeswettbewerb Platz 2. Die Vizemeister von 2009, die Magdeburger, hatten Sachsen-Anhalt beim Vergleich auf Bundesebene im Jahr 2010 vertreten und einen fünften Platz belegt.

Die Hallenser setzten am Wochenende alles daran, in diesem Jahr wiederum für das Land antreten zu können. Die 28-jährige Ulrike Radtke ist übrigens seit ihrem 16. Lebensjahr beim Deutschen Roten Kreuz und dessen Sanitätsdienst dabei. Wie viele andere ihrer Mitstreiter kam sie durch Freunde zu dieser ehrenamtlichen Tätigkeit. Ähnlich war es auch bei Janin Zabel, die ständig das "Opfer" ist. Sie war in diesem Jahr die von einem Motorrad angefahrene Passantin und spielte diese Rolle ziemlich echt. Schließlich stecken jahrelange Erfahrungen dahinter und jede Menge Enthusiasmus. Die junge Frau, die eigentlich aus Dessau stammt, reiste eigens zu den Wettbewerben aus Frankfurt / Main, ihrem jetzigen Arbeitsort, an. Gemeinsam mit Freund Patrick Erdmann, den sie bei der Katastrophenschutzarbeit kennen gelernt hat.

Wie am Filmset, inklusive des Schminkens, ging es auch auf anderen Stationen des Landeswettbewerbes zu. "Wir haben etwa drei Wochen lang an dem über 80 Seiten dicken Drehbuch geschrieben", erklärte Michael Walter, Referent für Bevölkerungsschutz beim DRK-Landesverband. Manchmal wurden die angeblichen Unfallsituationen komplizierter als üblich gemacht. "Es geht hier schließlich nicht um irgendeinen Erste-Hilfe-Wettbewerb, sondern um den des Sanitätsdienstes", begründet Walter diese Maßnahme. "Wir wollen sehen, ob die Ausbildung ausreicht und wo eventuell Verbesserungen notwendig sind", sagte er, der vor allem stolz darauf ist, dass alle, die sich für die Rettung anderer einsetzen und in Güntersberge ihre Kräfte maßen, ehrenamtlich tätig sind.

Wie hoch die Leistungsfähigkeit dieser Rettungskräfte und der DRK-Kreisverbände in Sachsen-Anhalt ist, zeigen zahlreiche Einsätze. Daniela Stötzer, Landesbereitschaftsleiterin, nennt als Beispiele die Hochwassereinsätze des vergangenen Jahres an der Schwarzen Elster und der Saale und Hilfe für Verletzte bei schweren Unfällen auf den Autobahnen 9 und 14 sowie bei dem Zugunglück Anfang des Jahres in Hordorf.

Alle Daten im Auskunftsbüro

Trotz seiner Schwere musste dort ein Bereich der Katastrophenschützer zum Glück nicht zum Einsatz kommen: die Frauen um Sylvia Koller, Chefin des Auskunftsbüros. Die DRK-Frau aus dem Bördekreis und ihre Mitstreiterinnen erfassen im Katastrophenfall alle Personen, die daran beteiligt sind, Betroffene ebenso wie Helfer. "Über uns können beispielsweise Angehörige gesucht werden, ohne dass die Sucher selbst das Katastrophengebiet betreten", erklärt Frau Koller, unter deren Leitung am Wochenende in Güntersberge sämtliche Daten derer erfasst wurden, die am Landeswettbewerb teilnahmen. "Heute wird nur fantasiert", schmunzelte Ingeborg Hobohm, ebenfalls aus dem Bördekreis und im Auskunftsbüro tätig.

"Der Wettbewerb ist für uns eine sehr wichtige Veranstaltung", bekannte Erhard Ewest, Abteilungsleiter für Hilfsgesellschaften beim DRK-Landesverband. Zum einen sei dies ein Vergleich der Leistungen und ein Bestimmen des Ausbildungsstandes. Zum anderen werde der freundschaftliche Kontakt zwischen den einzelnen Mannschaften gepflegt.