Harz

Harz: Mit der «Puff-Bahn» in die weite Welt

NEUDORF/MZ. - "Onkel Scherbaum", wie Neudorfs Kinder ihren Hausmeister Werner Scherbaum nur nennen, hatte jetzt seinen großen Tag: Er durfte das neue Schild in der Kindertagesstätte anbringen. Das wurde nötig, weil sich seit dem 1. August der Träger der Einrichtung geändert hat. Bürgermeister Jürgen Bentzius, erst seit wenigen Tagen nun auch offiziell für die kleine Harzgemeinde verantwortlich, befand, dass "sich eigentlich nichts weiter ändert - außer einem neuen Chef". Statt Süßigkeiten brachte er dem Nachwuchs lieber einen Korb voll gesunder Früchte mit. Die Erzieherinnen Petra Rönsch und Sandra Brehme hatten seit Wochen für die feierliche Übernahme zusammen mit den Kindern ein kleines Lieder- und Tanzprogramm einstudiert, und das sogar in echten Harzer Trachten. Dabei durfte natürlich auch die "Puff-Bahn" nicht fehlen, mit der es in die weite Welt hinaus geht. "Das Lied hat hier schon eine ewige Tradition", kennt es selbst die Leiterin Sabine Schulz schon seit ...

Von ANDREAS BÜRKNER 10.09.2010, 14:55

"Onkel Scherbaum", wie Neudorfs Kinder ihren Hausmeister Werner Scherbaum nur nennen, hatte jetzt seinen großen Tag: Er durfte das neue Schild in der Kindertagesstätte anbringen. Das wurde nötig, weil sich seit dem 1. August der Träger der Einrichtung geändert hat. Bürgermeister Jürgen Bentzius, erst seit wenigen Tagen nun auch offiziell für die kleine Harzgemeinde verantwortlich, befand, dass "sich eigentlich nichts weiter ändert - außer einem neuen Chef". Statt Süßigkeiten brachte er dem Nachwuchs lieber einen Korb voll gesunder Früchte mit. Die Erzieherinnen Petra Rönsch und Sandra Brehme hatten seit Wochen für die feierliche Übernahme zusammen mit den Kindern ein kleines Lieder- und Tanzprogramm einstudiert, und das sogar in echten Harzer Trachten. Dabei durfte natürlich auch die "Puff-Bahn" nicht fehlen, mit der es in die weite Welt hinaus geht. "Das Lied hat hier schon eine ewige Tradition", kennt es selbst die Leiterin Sabine Schulz schon seit Jahrzehnten.

Mit der Hoffnung, dass dieses Haus noch lange bestehen möge, was natürlich auch von der Anzahl der Kinder abhänge, appellierte Schulz an die "Frauen im gebärfähigem Alter", sich doch ins Zeug zu legen. Immerhin "sind Kinder doch das wichtigste in dieser Gesellschaft". Zu den aktuell 22 Mädchen und Jungen, davon fünf im Krippenalter, könnten sich demnächst weitere gesellen. "Zwei haben sich schon angekündigt", weiß Schulz um künftige Geschwister von zwei Buben der Kita.

"Warum fehlt am Schild eine Ecke?" Nicht nur Scherbaum wunderte sich über die außergewöhnliche Form. Doch Jörg Rommelfanger, Geschäftsführer des Trägerwerks Soziale Dienste Sachsen-Anhalt mit Sitz in Halle / Saale, das die Verantwortung von der Kommune übernahm, hatte dafür eine verständliche Erklärung: "Das gehört als Gestaltungselement zu unserem Erscheinungsbild." Der Verein hat damit nach der integrativen Kita "Regenbogenland" Harzgerode (2006) und der Kita "Hasenland" Siptenfelde (2007) schon die dritte Einrichtung der Stadt Harzgerode übernommen. Allerdings fiel die Entscheidung über die Neudorfer Kita noch zu Zeiten der Eigenständigkeit, noch vor der Zwangseingemeindung seit dem 1. August. Sie spielt aber der Stadt in die Hand, welche sich im Konsolidierungsprogramm eine vollständige Übertragung der Kindertagesstätten in freie Trägerschaft zur Aufgabe gemacht hat. Noch stehen die Einrichtungen in Königerode, Güntersberge und Straßberg zur Disposition, derzeit laufen die Ausschreibungen. "Vielleicht bewerben wir uns auch noch um weitere", kündigte Rommelfanger bereits an, dessen Trägerwerk neben Kindertagesstätten auch Kinderheime sowie Pflege- und Behinderteneinrichtungen betreibt.

Silke Seifert betreut als Referentin im Auftrag des Trägers die Einrichtungen vor Ort und fand dabei nahezu ideale Voraussetzungen. Obwohl schon 1949 eröffnet, 2009 wurde 60-jähriges Bestehen gefeiert, ist das Haus am Rande des Dorfes komplett saniert und modern eingerichtet. "Da macht das Arbeiten auch richtig Spaß", hat sie binnen kürzester Zeit erkannt. Vielleicht bekommt die Kita jetzt auch noch einen eigenen Namen, den es bisher noch nicht gibt. Das würde Onkel Scherbaum sogar die Chance bieten, erneut im Mittelpunkt zu stehen.