Großes Abschiednehmen im Kiez

GÜNTERSBERGE/MZ. - Selbst Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) unterhielt sich am Freitag mit ihr. Er hatte es sich als Schirmherr des 13. Eurocamps unter dem Motto "Abenteuer Europa mit den Kindern der Welt" nicht nehmen lassen, mit den 280 Kindern aus 20 Ländern von fünf Kontinenten ins Gespräch zu kommen. Auf seiner Fahrt aus der Landeshauptstadt in den Harz übte er, wie man in all den Sprachen der kleinen Gäste "Auf Wiedersehen" sagt. Die Resonanz der Gäste aus Südafrika und Polen, der Ukraine, Estland oder Australien belegte, der Politiker war sprachlich prima ...

Von UWE KRAUS 19.07.2009, 16:31

Selbst Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) unterhielt sich am Freitag mit ihr. Er hatte es sich als Schirmherr des 13. Eurocamps unter dem Motto "Abenteuer Europa mit den Kindern der Welt" nicht nehmen lassen, mit den 280 Kindern aus 20 Ländern von fünf Kontinenten ins Gespräch zu kommen. Auf seiner Fahrt aus der Landeshauptstadt in den Harz übte er, wie man in all den Sprachen der kleinen Gäste "Auf Wiedersehen" sagt. Die Resonanz der Gäste aus Südafrika und Polen, der Ukraine, Estland oder Australien belegte, der Politiker war sprachlich prima vorbereitet.

Doch nicht allein der Regierungschef und Landtagsabgeordnete von CDU, Linke und SPD folgten der Einladung ins Kinder- und Jugenderholungszentrum. Zahlreiche hochrangige Diplomaten der Gastländer erlebten die kraftvolle Abschiedsgala mit. Ministerpräsident Böhmer hob die große Bedeutung dieser Kinderbegegnung hervor, die ein Signal um den Globus sendet: Sachsen- Anhalt ist ein weltoffenes Land. Das werde nicht einfach so behauptet, sondern die Kinder, die in Güntersberge zu Gast waren, können darüber ihren Eltern, Mitschülern und Freunden ganz plastisch berichten.

Dieser Gedanke der Völkerverständigung werde weitergetragen und weitererzählt. "Die Vielfalt der kulturellen Identitäten muss uns nicht trennen, sondern bereichert uns auf dieser Erde", so der Ministerpräsident. Klar sei, dass das Land das Projekt weiter unterstützen wird.

Er könne sich vorstellen, 2010 das Camp programmatisch etwas anders auszurichten. "Im 20. Jahr der Wiedervereinigung könnte eine Einladung an Kinder aus allen deutschen Bundesländern ein Zwischenbefund sein, wie weit die innere Wiedervereinigung vorangeschritten ist." Viele Dankesworte gab es bei der Abschlussgala: an die Kiez-Chefin Christiane Brandenburg, an die Sponsoren wie die Harzsparkasse, an ehrenamtliche Helfer und die Arbeitsverwaltung. "Die Liste derer, die uns wohlgesonnen Hilfe zukommen lassen, ist lang", so Christiane Brandenburg. Stellvertretend für sie nannte sie Charlotte Fränsel, Margit Blättermann und Angelika Brandt von der Ortsgruppe der Volkssolidarität Güntersberge, die seit mehreren Jahren als gute Geister den Küchenkräften zur Hand gehen.

Ein Signal in die Welt war in der Vorwoche die Gründung eines Weltkinderrates im Landtag von Magdeburg, der das Verständnis zwischen den Kulturen fördern soll und die Rechte der Kinder weltweit stärken will. Die 20 Ratsmitglieder wollen sich 2010 in Güntersberge wiedertreffen. Der Veteran Heinz Schundau aus Ballenstedt mahnte an, dass die Idee des Weltkinderrates in die Zukunft ausstrahlen müsse. "Darum sollte ein Konto eingerichtet werden, um diese Aktivitäten auch künftig finanziell zu sichern." Mit einer 50-Euro-Spende legte er am Freitag die Grundlage dafür. Wie der Landesverband "Kinder- und Jugenderholungszentren Sachsen-Anhalt" unterdessen der MZ mitteilte, sei die Anregung sofort aufgegriffen worden und das Konto wird vom Verband verwaltet.

Bunt wie die Camp-Tage gestalteten die Teilnehmer auch ihren Abschlussabend. Kinder aus 20 Ländern tanzten zu einem Lied, das habe Symbolwirkung, sagte eine Russin. Und Tatum Tippens, die südafrikanische Hip-Hopperin, tanzte trotz gebrochenen Zehs auf der Bühne. Traurig waren die Tanzpaare aus dem Norden. Für sie hieß es doppelt Abschied nehmen: Sie haben die Altersgrenze überschritten und können zum 14. Eurocamp nicht mehr anreisen. So widmeten sie ihre Abschieds-Choreographie Christiane Brandenburg, deren Einsatz und Enthusiasmus es zu danken sei, dass junge Leute aus der ganzen Welt sich auf dem kleinen Flecken im Harz immer wieder zusammenfinden. Wichtig war den Hamburger Kids noch etwas anderes. "Auch wenn wir hier lächelnd in schicken Klamotten Jive und Walzer tanzen, wir sind kein elitärer Tanzklub aus der Elbchaussee oder aus den Millionärsgegenden. Wir stammen aus Migrantenfamilien und deshalb finden wir die Camp-Idee besonders gut."

Das 13. Eurocamp wurde von Ministerpräsident Wolfgang Böhmer auch genutzt, um am Abschlusstag einen Naturlehrpfad zu übergeben. Er entstand in Regie des Regionalverbandes Harz und des Teutloff-Bildungswerkes. Der Nordhäuser Landrat Joachim Claus, Vorsitzender des RVH, schloss dabei den Kreis zum Eurocamp: "Der Weg wurde gemeinsam von Studenten aus Ungarn, Südafrika und Deutschland entwickelt."