Petrus-Kapelle von Alexisbad

Ein Bariton als Diakon

Warum sich Thomas Nürnberg als 50-Jähriger noch mal auf die Schulbank setzte und wie er zum Teamplayer im Unterharz wird.

Alexisbad - Wenn der Bariton Thomas Nürnberg die kleine Petrus-Kapelle von Alexisbad, die, im Jahr 1815 als Teepavillon errichtet, erst 1933 an die Ortskirche überging, mit seiner Stimme erfüllt, dann erklingt besondere Musik. Sie erinnert an die Geschichte Anhalts und des exponierten Ortes. Mit acht Jahren hatte er bereits begonnen, bei den Gottesdiensten die Liturgien zu singen.

Als ehrenamtlichen Küster und Lektor in der Region bekannt

Den 52-Jährigen kennt man seit Jahren in der Region als ehrenamtlichen Küster und Lektor in der Landeskirche, aber auch als Leiter des ökumenischen Engelschores an St. Gertruden in Hedersleben. 31 Jahre betreut er schon die Kapelle von Alexisbad, die erst seit 2008 nach Petrus benannt ist. „Weil ich mit den Harzgeröder Pfarrerskindern befreundet war, hatte ich schon vorher in St. Marien mitgeholfen.“ 2018 setzte er sich noch mal auf die „Schulbank“. Berufsbegleitend absolvierte er eine Ausbildung am Diakonischen Bildungsinstitut Johannes Falk Eisenach zum Diakon.

Mit der Einsegnung kann er Verkündigungsdienste wahrnehmen und Gottesdienste leiten. Das kann auch die Feier der Sakramente einschließen, also Taufe und Abendmahl. Insgesamt gibt es derzeit etwa 450 Diakoninnen und Diakone, die in der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland eingesegnet wurden.

Wunsch nach persönlichen Kontakten wächst

Thomas Nürnberg gehört nun fest angestellt zum Team, das eine Verbundgemeinde der Landeskirche Anhalt betreut. Dazu gehören ein Pfarrer, ein Diakon, eine Kirchenmusikerin, eine Katechetin und eine Verwaltungskraft. „Unser Gebiet erstreckt sich über den Unterharz, von Harzgerode über Schielo, Güntersberge, Siptenfelde und Mägdesprung bis zur Petrus-Kapelle am Selkeufer von Alexisbad.“

Man wolle Ansprechpartner für die Gemeindemitglieder sein, seelsorgerische Arbeit leisten, Verbindungen schaffen und den christlichen Glauben stärker in die Öffentlichkeit bringen. „Nicht leicht in Corona-Zeiten“, weiß Nürnberg. „Unsere Besuchsdienste sollen ja das machen, was uns die aktuellen Vorschriften verbieten: Den Menschen näher kommen. Ich erlebe fast täglich, wie der Wunsch nach persönlichem Kontakt in diesen schweren Zeiten wächst.“

„Dabei ist es die Musik, die Menschen anspricht“

In der Passionszeit gab es in Alexisbad einen Kreuzweg auf der Kügelgenpromenade. Draußen an den Bäumen waren Bilder befestigt. Der Diakon bat die Pfarrer der Region, für jede Station einen Meditationstext zu schreiben. „Dadurch fühlten sich die Menschen mitgenommen.“

In Güntersberge ersetzte ein Osterweg den Gottesdienst, auf dem die Besucher einzeln und mit Abstand über Grablege, Klagemauer, Taufstein zum Altar gingen, ihre Osterkerze dort entzündeten und nach dem Segensgebet die Kirche auf der anderen Seite wieder verließen. Dazu den Gesang des Bariton Nürnberg hören? Er schüttelt den Kopf. „Dabei ist es die Musik, die Menschen anspricht, auch wenn sie der Kirche nicht nahestehen.“

Durch sein Vorleben brachte der Harzgeröder einige Qualifikationen mit, die ihm in den „Blockwochen“ halfen, zu denen sich die künftigen Diakone im Augustinerkloster Erfurt, in Eisenach, in der evangelischen Stiftung Neinstedt, in Volkenroda und Bethel trafen. „Ich empfand es als gute Querschnittsausbildung, bei der die Liturgie ein großes Gewicht hatte.“

Lars Bagemihl von der Diakonie Thüringen habe ein neu strukturiertes Programm etabliert, das auf das Wirken in den Kirchengemeinden und diakonischen Einrichtungen zugeschnitten sei. Für Thomas Nürnberg erscheint das als Möglichkeit der gegenseitigen Bereicherung. „Dabei nehmen die Dozenten oft auch etwas von unseren Praxiserfahrungen für ihre Arbeit mit.“ (mz/uk)