Eil

Eichendorff-Plakette für den Zweigverein

Güntersberge/MZ. - Fasziniert vom Auftritt der Brauchtumsgruppe Selketal des Harzklub-Zweigvereins Güntersberge, gefiel Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer "besonders der flotte Hüftschwung." Der Landesvater kam persönlich ins Bürgerhaus, um im Namen des Bundespräsidenten die Eichendorff-Plakette an die Wander- und Naturfreunde zu überreichen, was selbst Bürgermeister Kurt Kipper angenehm überraschte: "Ich freue mich, dass sie diesmal nicht nur ins KiEZ, sondern auch ins Rathaus von Sachsen-Anhalts kleinster Stadt gefunden haben." Das mit der Größe könne sich mit der Gemeindereform aber ändern, fügte er ...

Von Andreas Bürkner 20.07.2008, 18:04

Fasziniert vom Auftritt der Brauchtumsgruppe Selketal des Harzklub-Zweigvereins Güntersberge, gefiel Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer "besonders der flotte Hüftschwung." Der Landesvater kam persönlich ins Bürgerhaus, um im Namen des Bundespräsidenten die Eichendorff-Plakette an die Wander- und Naturfreunde zu überreichen, was selbst Bürgermeister Kurt Kipper angenehm überraschte: "Ich freue mich, dass sie diesmal nicht nur ins KiEZ, sondern auch ins Rathaus von Sachsen-Anhalts kleinster Stadt gefunden haben." Das mit der Größe könne sich mit der Gemeindereform aber ändern, fügte er hinzu.

Plakette seit 1983

"Sie sind schon der zwölfte Zweigverein des Harzklubs, der diese Auszeichnung erhält", erklärte Böhmer in seiner Laudatio, verwies aber auch darauf, dass es erst ein Dutzend der 92 Mitglieder bisher geschafft habe, erfolgreich "Mensch und Natur in Einklang zu bringen." Die Vergabe der Eichendorff-Plakette startete 1983 Bundespräsident Karl Carstens, um damit Gebirgs- und Wandervereine zu ehren, die nicht nur mindestens 100 Jahre existieren, sondern sich zudem besondere Verdienste um die Pflege und Förderung des Wanderns, des Heimatgedankens und des Umweltbewusstseins erwarben.

Da die Gründung des Güntersberger Zweigvereins bereits 1888 erfolgte, ein Jahr später wurden 47 Mitglieder registriert, wurde eine der Bedingungen mit 120 Jahren locker übererfüllt. Auszeichnungswürdig befand Böhmer aber auch die vielen ehrenamtlichen Stunden zur Pflege und Betreuung von 26 Rund- und Zielwanderwegen von etwa 62 Kilometer Länge, vier Brücken und Stegen, je drei Orientierungstafeln und Schutzhütten, elf Sitzgruppen, 16 Bänken und vor allem 236 Wegeschildern, aber auch für die Brauchtumspflege, den Naturschutz und natürlich das Wandern und Singen.

Vorsitzender Hartmuth Kroll, Chef der heute knapp siebzig Mitglieder, war erstaunt, was von seinem Verein alles bis in die Staatskanzlei gedrungen sei und ergänzte die Historie mit weiteren Daten. So sei 1905 der Aussichtsturm eröffnet worden und 1921 die Badeanstalt im Mühlenteich. Selbst zu DDR-Zeiten, als der Harzklub verboten war, wurde unter Regie von Kulturbund und FDGB-Feriendienst die Arbeit fortgesetzt, bevor am 25. März 1990 die Wiedergründung erfolgte. Die erste Walpurgisnacht 1994 und die Gastgeberrolle zur Sternwanderung waren weitere Höhepunkte wie die Sanierung des Naturlehrpfads und die Auszeichnung mit dem Naturschutzförderpreis.

Wunsch: Verjüngung

Abschließend erwies Kroll dem Namensgeber Joseph Freiherr von Eichendorff, der 1805 / 06 während des Studiums in Halle / Saale auch den Harz besuchte, mit dessen Gedicht "Morgengebet" die Ehre. Dem Wunsch Böhmers nach Verjüngung im Verein dient auch das neue Wald- und Naturkabinett. "Damit können viele Kinder neugierig auf den Wald gemacht werden", knüpfte Böhmer selbst die Verbindung auch zu den KiEZ-Gästen. "Hörner aufgesetzt", wie befürchtet, bekam der Ministerpräsident zwar nicht, aber zur Erinnerung an seinen Besuch eine Kopfstange als Garderobenhaken.