Engagement

Die Rikschapilotinnen von Quedlinburg mit ihren roten Flitzern

13 Ehrenamtliche fahren mit Senioren Rikscha. Dafür sind sie nun geehrt worden.

Von Almut Hartung
Sabine Herforth fährt  Senioren mit der E-Riskscha an deren Wunschorte.
Sabine Herforth fährt Senioren mit der E-Riskscha an deren Wunschorte. Foto: Almut Hartung

Quedlinburg/MZ - Eine rote E-Rikscha kommt seit Anfang des vergangenen Jahres im Awo-Seniorenheim in der Gartenstraße zum Einsatz, fährt durch die Straßen und Gassen und in die Umgebung von Quedlinburg.

Insgesamt 13 Rikschapilotinnen und -piloten engagieren sich im Projekt „Radeln mit Herz“ des Landesverbandes der Arbeiterwohlfahrt (Awo)und bescheren Seniorinnen und Senioren damit eine Auszeit vom Pandemiealltag. Für ihren Einsatz sind sie jetzt ausgezeichnet worden.

Mehr Teilhabe ermöglichen

Unter den Blicken der Fahrgäste erhielten Frank Heinze, Jürgen Franke, Heimleiterin Dagmar Richter, Danny Wagner, Ronny Müller und Sabine Herforth von Ruben Herm, dem Hauptverantwortlichen des Projekts beim Landesverband der Awo, eine Urkunde, einen Fahrradsitz und Stärkung für die kommenden Touren. Die übrigen Ehrenamtlichen Tino Schober, Klaus-Dieter Resech, Birgit Nebe, Tina Stegmann, Isabell Naundorf, Jana Bachmann und Jens Bachmann waren nicht vor Ort und erhalten ihre Würdigung später. Nicht alle Rikschapiloten kommen aus der unmittelbaren Umgebung. So wie der Halberstädter Jürgen Franke, der seit dem Frühjahr E-Rikscha fährt. Er sagt: „Ich mache das für meine Frau, die hier im Heim wohnt. Damit sie ein bisschen rauskommt.“

Den Wind in den Haaren spüren - das hätten sich viele Senioren während der Coronapandemie gewünscht, erzählt Ruben Herm. Das bestätigt auch Sabine Herforth, die neben ihrer Tätigkeit als Fachassistentin der Geschäftsführung auch als ehrenamtliche Rikschapilotin unterwegs ist und gemeinsam mit den Bewohnern Ausflüge zu deren Wunschorten unternimmt. „Gerade zu Corona ist das Fahren in der Rikscha eine wahnsinnig gute Methode, um raus zu kommen“, erzählt sie. Denn geschützt durch eine durchsichtige Trennwand könnten Fahrer und Gast Abstand halten, beim Einsteigen werde eine Maske getragen, nach der Fahrt werde das Gefährt desinfiziert.

„Die Leute sind wahnsinnig gern in der Stadt, zum Beispiel um ein Eis zu essen“

Viele der Mitfahrer seien körperlich beeinträchtigt und genössen die Ausflüge mit ihren Verwandten oder den anderen Freiwilligen - gut gesichert mit einem Gurt und mit einer Decke gegen den kühlen Fahrtwind geschützt. Zwanzig Kilometer Reichweite sind dank Akku möglich, mit Muskelkraft sogar noch mehr. „Die Leute sind wahnsinnig gern in der Stadt, zum Beispiel um ein Eis zu essen“, berichtet Herforth. Zum Lehof könne man mit der E-Rikscha problemlos fahren, und auch die Strecke zum Brühl sei sehr gut zu bewältigen. Bergauf stoße das Rad allerdings an seine Grenzen und „Schlaglöcher sind der Tod.“

Kai-Gerrit Bädje, Geschäftsführer der Awo, resümierte: 38 Ausfahrten habe es seit Januar gegeben, dabei seien 400 Kilometer zurückgelegt worden. Er sei sehr stolz, so viele Pilotinnen und Piloten zu haben. „Wir können natürlich mehr gebrauchen. Wer also Lust hat, den Senioren einen Wunsch zu erfüllen, kann sich gern beteiligen.“ 55 Rikschafahrer gebe es derzeit in ganz Sachsen-Anhalt, berichtete Ruben Herm. „Mit 13 Piloten an diesem Standort ist das ein echt guter Schnitt.“

Ein Blitz fährt durch die Stadt

Verschiedene Kommunal- und Landespolitiker waren der Einladung gefolgt, und so nutzten Herm und Bädje die Gelegenheit, politischen Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen in der Pflege zu übergeben. Für die versammelten Senioren und ihre „Piloten“ gab es gleich noch einen zweiten Grund zum Feiern: Die Taufe des dreirädrigen Gefährts stand an. Der „Rote Blitz“ wurde feierlich enthüllt. Den Namen, der gut sichtbar an der Seitenverkleidung prangt, hatten die Bewohner des Seniorenheims sich selbst ausgedacht. Dass das Dreirad tatsächlich schnell wie der Blitz ist, lässt sich zwar bezweifeln. Den Fahrgästen scheint es in jedem Fall zu gefallen, in dem kleinen roten Flitzer sitzend den Wind in den Haaren zu spüren.