Nationalpark Harz

Die emotionale Verbundenheit wird bleiben

Verwaltungsleiter Andreas Pusch geht in den Ruhestand, und der Harz steht kurz davor, die internationalen Nationalpark-Voraussetzungen zu erfüllen.

Andreas Pusch, hier auf einem seiner letzten öffentlichen Termine als Nationalparkleiter, geht demnächst in den Ruhestand. Fotos: SUsanne Thon

Drei Annen Hohne - „Es ist schon ein seltsames Gefühl“, räumt Andreas Pusch ein. Er ist Leiter des Nationalparks Harz. Noch, muss man aber sagen. Denn für den 65-jährigen Forstwissenschaftler steht der Ruhestand unmittelbar bevor. Das erklärt auch das „seltsame Gefühl“. „Aber ich kann beruhigt gehen“, sagt er am Rande eines Termins bei Drei Annen Hohne, „trotz der dramatischen Situation, die wir haben. Ich sehe, dass sich der Wald regeneriert, wenn auch in einigen Bereichen durch unterstützende Pflanzungen.“

Sie werden vor allem in den an die Wirtschaftswälder angrenzenden Randbereichen vorgenommen und in den mittleren Lagen. Dadurch soll es auf den Flächen, auf denen insbesondere in den zurückliegenden drei Jahren Hitze und Trockenheit, Stürme und Käfer die Bestände gebeutelt haben, schneller wieder grün werden.

Sicherungsstreifen als „Borkenkäferbekämpfungszone“

Einen etwa 500 Meter breiten Sicherungsstreifen hat die Nationalparkverwaltung als „Borkenkäferbekämpfungszone“ deklariert. Dort werden Bäume auch gefällt und aus dem Wald geschafft, um die Ausbreitung des Käfers zu stoppen. Im vergangenen Jahr waren es, wie auch aus dem gerade erst veröffentlichten Tätigkeitsbericht der Nationalparkverwaltung hervorgeht, rund 130.000 Festmeter. Dazu kamen noch einmal knapp 31.000, die infolge von Stürmen oder aber aus Gründen der Verkehrssicherung weichen mussten.

Wo der Mensch in welchem Maß eingreifen darf, ist im Nationalpark genau festgelegt. Auf 70 Prozent der Fläche führt der Wald selbst Regie, wird der Natur freien Lauf gelassen. Der Bereich, in dem Eingriffe weitestgehend tabu sind, ist die sogenannte Naturdynamikzone. Deren Anteil an der Gesamtfläche ist ein entscheidendes Kriterium für die Klassifizierung als Nationalpark. Im Harz ist sie stetig gewachsen: „2006 waren es noch 41 Prozent. Jetzt sind es 70 und im nächsten Jahr werden wir bei 75 sein“, zeigt Pusch die Entwicklung auf.

„Die Fusion der Verwaltung war eine schwierige Aufgabe“

75 ist dabei die magische Zahl. Denn damit kann der Nationalpark Harz, der sich in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt auf einer Fläche von knapp 25.000 Hektar erstreckt und noch als Entwicklungsnationalpark gilt, den vollwertigen, international anerkannten Nationalpark-Status erreichen. Dafür müssen unter anderem mindestens drei Viertel der Fläche eines Nationalparks unberührte Natur sein. Der Harz ist auf einem guten Weg dahin. „Das verbuchen wir als großen Erfolg“, so Pusch.

Pusch, der in Bad Harzburg aufgewachsen ist, leitet den Nationalpark Harz, seit er besteht. 2006 ging dieser aus der Fusion des 1990 gegründeten Nationalparks Hochharz in Sachsen-Anhalt mit Brockenurwald und Brockenkuppe und dem seit 1994 bestehenden niedersächsischen Nationalpark mit seinen großflächigen Hochmooren hervor. Der Zusammenschluss verlief nicht ohne Probleme. Gestritten wurde über alles Mögliche, über den Namen, den Verwaltungssitz, die Leitung. „Die Fusion der Verwaltung war eine schwierige Aufgabe“, sagt Pusch, der zuvor ein gutes Jahr lang den Nationalpark im Westharz geleitet hatte und fortan nach Wernigerode ins Büro fuhr.

Nationalparkleiter Andreas Pusch (l.) pflanzt zusammen mit Wernigerodes Stadtwerke-Chef Steffen Meinicke junge Buchen.

Da gab es rechtliche Hürden - so mussten etwa Staatsverträge geschlossen werden, um die Ranger über Ländergrenzen hinweg einsetzen zu können -, aber auch noch ganz andere Baustellen: beispielsweise in den Denkweisen in Ost und West, die sich zunächst annähern mussten. Schwierig war es auch, sich auf ein einheitliches Konzept für die Entwicklungszone zu einigen.

Beide Seiten gingen es bis dahin unterschiedlich an: Im Hochharz wollte man die alten Fichten so lange wie möglich erhalten, ließ Pflanzungen von Laubgehölzen nur an wenigen Stellen zu; im niedersächsischen Harz wurde der Waldumbau hingegen vorangetrieben. Eine Strategie, die sich auch in der Gesamtheit letztlich durchsetzte: So wurden von 2008 bis jetzt weit mehr als fünf Millionen Buchen und andere Arten gepflanzt.

Von der reinen Arbeit, sagt Pusch, werde er sich gewiss lösen können. „Das Team funktioniert. Jeder weiß, was er zu tun hat“, und auch seinen Nachfolger habe er schon kennengelernt, sei mit ihm auf der Fläche unterwegs gewesen, erzählt er. Aber die emotionale Verbundenheit, da ist er sich sicher, werde bleiben. Einen Plan für die Zeit nach dem Eintritt in den Ruhestand hat der Noch-Nationalparkleiter schon gefasst: „Ich werde den Harz und den Nationalpark jetzt in Ruhe erwandern“; dazu habe ihm bisher schlichtweg die Zeit gefehlt. (mz/Susanne Thon)