Astronomie

Die Apfel-Finsternis an der Quedlinburger Sternwarte

Zahlreiche Besucher und die Mitglieder des Vereins beobachteten, wie der Mond sich vor die Sonne schiebt.

Von Ingo Kugenbuch
Sonnenfinsternis in Quedlinburg: Auch Schüler der Freien Ganztagsschule Neinstedt schauen mit ihrem Lehrer bei der Sternwarte vorbei.
Sonnenfinsternis in Quedlinburg: Auch Schüler der Freien Ganztagsschule Neinstedt schauen mit ihrem Lehrer bei der Sternwarte vorbei. (Foto: Ingo Kugenbuch)

Quedlinburg - Rund zwei Dutzend Menschen haben sich am Donnerstag an der Quedlinburger Sternwarte versammelt, um gemeinsam ein besonderes astronomisches Schauspiel zu beobachten. Die Hauptdarsteller sind allen so vertraut und gleichzeitig so weit entfernt: Rund 150 Millionen Kilometer sind es bis zur Sonne, gut 300.000 zum Mond. Um diese Entfernungen einordnen zu können, kann man sich anschauen, wie lange das Licht, das doch so unendlich schnell ist, bis dort braucht: etwas mehr als eine Sekunde zum Mond und acht Minuten bis zur Sonne.

In Quedlinburg spielen die beiden Protagonisten ohne zu zicken die Rollen, die ihnen zugedacht sind: Am Mittag schiebt sich der Mond zwischen Sternengucker und Sonne. Zwar wird es weder dunkel noch merklich kühler - schließlich sind ja nur 13 Prozent der Sonnenfläche verdunkelt. Und dennoch: Der Blick durch die vom Sternwarten-Verein aufgespannte Goldfolie oder - noch viel besser - eines der auf dem Gelände aufgebauten Teleskope zeigt ganz deutlich die partielle Verdunklung. Die Sonne sieht nun aus wie das Logo der Firma Apple: wie ein angebissener Apfel.

Bild der partiellen Sonnenfinsternis um 12.37 Uhr (Maximum). Sehr schön ist dabei die Randverdunklung sichtbar.
Bild der partiellen Sonnenfinsternis um 12.37 Uhr (Maximum). Sehr schön ist dabei die Randverdunklung sichtbar.
(Foto: Hannjo Humpsch)

„Wir können endlich mal wieder was zusammen machen“

Mit unter den Besuchern der Sternwarte sind auch Schüler der Freien Ganztagsschule in Neinstedt und der Waldorfschule Thale. „Wir können endlich mal wieder was zusammen machen“, sagt Hendrik Brücke, der Vorsitzende des Sternwartenvereins. „Zwei Jahre lang lief ja nix.“ Beide Schulen seien mittlerweile Mitglieder im Verein. Das funktioniere mit staatlichen Schulen nicht, sagt Brücke. Aber mit denen gebe es bereits Kooperationsvereinbarungen. So arbeiteten das GutsMuths-Gymnasium und die Bansi-Schule mit dem Sternwartenverein zusammen. „Und weitere Schulen können sich jederzeit melden“, sagt Brücke. Zwar sei die astronomische Beobachtung während der Schulzeit im Wesentlichen auf die Sonne beschränkt - aber auch da gebe es einiges zu entdecken. Und im Winter, wenn es später hell und früher dunkel wird, könne man dann auch andere Sterne und Planeten sehen.

Die Goldfolie ermöglicht es den Gästen, die Sonnenfinsternis ohne weiteren Schutz anzuschauen. Im Hintergrund: der Stiftsberg.
Die Goldfolie ermöglicht es den Gästen, die Sonnenfinsternis ohne weiteren Schutz anzuschauen. Im Hintergrund: der Stiftsberg.
(Foto: Kugenbuch)

Die Quedlinburger Sternengucker schauen jetzt schon gespannt auf den August in fünf Jahren. 2026 kann in Spanien eine totale Sonnenfinsternis beobachtet werden. Dort wollen sie wieder hinfahren, fotografieren, Helligkeiten messen, das astronomische Schauspiel genießen - so wie 1999 in Ungarn.

„Wir haben uns damals zu sechst am Hermsdorfer Kreuz getroffen und dort beraten, wo wir zur Beobachtung hinfahren - nach Frankreich oder Ungarn“, berichtet Stefan Kunz, der stellvertretende Vereinsvorsitzende. Die Mehrheit entschied sich für Ungarn. 100 Kilometer vor dem Balaton konnten die Sternenfreunde aus dem Harz eine Sonnenfinsternis wie aus dem Bilderbuch bestaunen. „Als es dunkel wurde“, erzählt Kunz, „sackte die Temperatur um 10 Grad ab, die Mücken kamen, und die Hunde fingen an zu jaulen.“