Der junge Stabführer

Der junge Stabführer: Bei Felix Bongorts spielt vorn die Musik

Gernrode - Alle müssen auf die Kommandos eines 20-Jährigen achten, egal wie alt sie sind. Was ihn mit seinem Vorbild verbindet.

Von Andreas Bürkner

„Es war schon früh mein Traum, den gesamten Zug anzuführen“, sagt Felix Bongort und blickt auf seine Karriere als Stabführer der Gernröder Spielleute zurück.

Obwohl er erst 20 Jahre jung ist, müssen sich alle Musiker hinter ihm - auch bei den Weltmeisterschaften in den USA ab 28. November - nach seinen Kommandos richten.

„Das ist mit Abstand der größte Auftritt meines Lebens“, sagt Felix und bekennt, „gewaltig aufgeregt, aber auch voller Vorfreude“ zu sein.

Schließlich ist ein solch weiter Flug für ihn eine Premiere. „Sonst fahre ich bestenfalls im Winter in die Alpen, um Ski zu fahren“, erzählt er. Schon als Dreijähriger habe er das erste Mal auf Brettern gestanden und könne seitdem nicht loslassen.

Spielleute Gernrode: Möglichst keine Fehler machen

Angesprochen auf die Weltmeisterschaft, gilt für ihn zunächst: Dabeisein ist alles. „Wenn es aber besser werden sollte, ist es auch gut“, geht der junge Stabführer die Aufgabe konzentriert an und nimmt sich vor, „möglichst keinen Fehler zu machen“.

Ausgerechnet am Tag seiner Einschulung spielte der Gernröder Spielmannszug auf - und schon war Bongort fasziniert: „Die Musik begeistert mich bis heute.“ Mit sechs Jahren meldeten ihn die Eltern bei den Spielleuten an, damit er Flöte und Horn spielen übt.

„Doch viel lieber wollte ich Verantwortung übernehmen und vorn marschieren“, erinnert er sich.

Es passt fast nicht zu dem eher wortkargen jungen Mann, wenn er den Grund nennt: „Dann schauen alle auf mich.“

Zwei Jahre nach dem Einstieg wurde sein Traum schon wahr, als er den Stab übernahm und den Nachwuchs zu Meistertiteln führte.

„Vielleicht lag es ja auch an der Gemeinsamkeit mit meinem Vorbild, dem damaligen Stabführer Jörg Bangnowski“, sucht er nach Erklärungen. „Schließlich haben wir am selben Tag im Juni Geburtstag.“

Spielleute Gernrode: Bei den Älteren durchsetzen

Der Aufstieg zu den Erwachsenen, bei denen er vor einem Jahr an die Spitze des Marschzuges rückte, schien nur die logische Folge. „Trotzdem musste ich mich auch bei den Älteren erst durchsetzen“, bekennt er. Andererseits habe er aber auch den Rückhalt der anderen gespürt.

Diese Unterstützung bekommt der Auszubildende auch von seinem Arbeitgeber in Hasselfelde. Denn mitten in der Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker mal für anderthalb Wochen nach Amerika zu fliegen, ist keine Selbstverständlichkeit.

„Mein Chef freut sich aber mit mir“, erzählt Felix Bongort, der in jungen Jahren auch bei der Gernröder Jugendfeuerwehr aktiv war.

„Um aber eines richtig zu machen, musste ich mich irgendwann entscheiden“, erklärt er. Dass es nicht die Florianjünger, sondern die Spielleute wurden, „habe ich bis heute nicht bereut“. Wohl kaum wäre er mit den Blauröcken nach Amerika gereist. (mz)