Tag der Streuobstwiese

Wertvolles Biotop und Paradies für alle

Flächen leisten wichtigen Beitrag für den Naturschutz. Allerdings brauchen sie auch Pflege. Ein Besuch im Sortengarten in Großwangen.

Großwangen - Es liegt ein Summen und Zwitschern in der Luft. Über dem Hang wölbt sich der blaue Himmel. Die Kirschbäume zeigen ihre weiße Pracht. Der Mensch würde jetzt eine Decke und einen Picknick-Korb aus dem Auto holen. Für viele Tierarten ist der Sortengarten, eine drei Hektar große Streuobstwiese oberhalb von Großwangen, von der der Blick in Richtung Mittelberg geht, ein wichtiger Lebens- und Rückzugsraum sowie Nahrungsquelle. Ein paradiesischer Ort der Biodiversität. „Wir finden hier eine bunte Mischung an Vögeln und Insekten sowie die typischen Waldbewohner. Sogar die Wildkatze findet sich in den Wäldern drumherum“, erzählt Matthias Henniger, Geschäftsführer des Geo-Naturparkvereins.

Wo die Schafherde grast

In den frühen 90er-Jahren einst als Gen-Ressource in Zusammenarbeit mit der Genbank Obst im sächsischen Pillnitz angelegt, wachsen hier heute Kirsch- und Walnussbäume verschiedener Sorten. „2017 und 2018 haben wir noch einmal massiv nachgepflanzt“, sagt Henniger. So stehen große Bäume der ersten Generation neben kleineren. Für die Pflege der Wiese, die für jedermann zugänglich ist, sorgt in regelmäßigen Abständen eine Schafherde. Wolle, die an den Stämmen hängenbleibt, liefert den Beweis.

Streuobstwiesen finden sich in der Region recht häufig. „Wir haben hier ein dichtes Netz“, so der Chef des Geo-Naturparks Saale-Unstrut-Triasland, der jedoch nicht ganz ohne Sorgen auf die kleinen Paradiese für Mensch und Tier blickt. Der Baumbestand sei überaltert, sowohl die Pflege als auch eine wirtschaftliche Nutzung fehle. „Es ist reiner Idealismus“, so Henniger.

Eine Streuobstwiese als Biotop funktioniert nur, wenn sie entsprechend gepflegt wird.

Pomologin Iris Hölzer

Die fehlende Pflege kritisiert auch Pomologin Iris Hölzer aus Kirchscheidungen, die alljährlich zur traditionellen Obstbestimmung des Nabu in Nebra Baumbesitzer berät, in Seminaren Hinweise zum Obstbaumschnitt gibt. „Eine Streuobstwiese als Biotop funktioniert nur, wenn sie entsprechend gepflegt wird“, erklärt die Expertin. Dazu zählen neben Mahd und Schnitt in regelmäßigen Abständen, dass unter anderem auch tote Bäume stehen gelassen werden und Strukturelemente, die als Nistmöglichkeit oder Unterschlupf dienen, bleiben. Als eher trauriges Beispiel nennt sie unter anderem die Streuobstwiese nahe dem Ortsausgang Naumburg in Richtung Henne.

„Es fehlt generell für Streuobstwiesen ein Konzept, und nur ehrenamtliches Engagement reicht nicht aus“, sagt Iris Hölzer, die bei der Anpflanzung einer neuen Streuobstwiese rät, alte Sorten zu nutzen, die teils klangvolle Namen tragen. Kaiser Wilhelm, Boskop und Landsberger Renette heißen Äpfel. Birnen sind Gräfin von Paris, Nordhäuser Winterforelle und Clapps Liebling, Kirschsorten Maibigarreau und Querfurter Königskirsche.

Fördermittel für Pflege

Der Geo-Naturpark setzt schon seit Jahren einen Fokus auf das Thema. Mit Mitteln des Artensofortförderprogramms des Landes fanden zuletzt Pflegemaßnahmen in der Streuobstwiese in Wendelstein statt, wo zudem Nisthilfen für den Wendehals und Fledermaus-Kästen angebracht wurden (wir berichteten). Nachgepflanzt wurden sieben Apfelbäume auf dem einstigen Friedhof in Memleben - einem Areal, das sich zu einer Streuobstwiese entwickeln könnte. Apropos Nutzung: Im Sortengarten in Großwangen darf gern gepflückt werden, solange die Bäume darunter nicht leiden. (Constanze Matthes)