Glasrestaurierung im Naumburger Dom abgeschlossen

Warum Fenster moderne UV-Filter erhalten

Festakt ist noch in diesem Jahr geplant. Bundesstiftung Umwelt begleitete besonderes Projekt.

Von Constanze Matthes

Naumburg - Mit einem Festakt soll die Restaurierung der Fenster im West- und Ostchor des Naumburger Doms offiziell abgeschlossen werden. „Das Projekt ist Ende Januar fertiggestellt worden. Zur Feier sind dann auch alle Förderer eingeladen“, so Sprecherin Charlotte Tennler. Der Termin steht noch nicht fest, ist aber für dieses Jahr avisiert.

Seit Dezember 2017 hatte sich ein internationales Team der Glasrestaurierungswerkstatt den Fenstern gewidmet. Für die Leitung zeichneten Ivo Rauch und Dombaumeisterin Regine Hartkopf verantwortlich. Insgesamt flossen zwei Millionen Euro in das mehrjährige Vorhaben. Zu den Förderern zählten die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Land Sachsen-Anhalt, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung mit der Sparkasse Burgenlandkreis, die Rudolf-August Oetker-Stiftung, die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung mit einem Mäzen sowie die Hermann Reemtsma Stiftung.

Vorhaben finanziell wie fachlich begleitet

Sowohl fachlich als auch finanziell in Höhe von 125.000 Euro beteiligte sich darüber hinaus die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). In einem DBU-Projekt untersuchten die Vereinigten Domstifter, wie hoch die tatsächliche Wirksamkeit der auf dem Markt verfügbaren UV-Filter ist. „Die Glasmalereien im Naumburger Dom zählen zu den herausragenden Werken gotischer Glaskunst in Europa“, sagt Constanze Fuhrmann, DBU-Referatsleiterin für Umwelt und Kulturgüter.

Die Glasmalereien im Naumburger Dom zählen zu den herausragenden Werken gotischer Glaskunst in Europa.

DBU-Referatsleiterin Constanze Fuhrmann

Verschiedene Maßnahmen hätten in der Vergangenheit zum Erhalt dieser Glaskunst beigetragen. Dafür nutzten laut Fuhrmann die Restauratoren vor allem Kunstharze und organische Bindemittel. Die Herausforderung: Die Schutzmaterialien können nicht mehr entfernt werden, ohne Schäden an den Oberflächen zu hinterlassen. Werden sie jedoch nicht beseitigt, besteht die Gefahr, dass sie sich durch stark wechselnde Klimabedingungen und UV-Licht zersetzen. So könnten sie ihre schützende Wirkung verlieren oder die Glasmalereien sogar beschädigen. „Deswegen bekamen die Malereien nicht nur eine klimastabilisierende, innenbelüftete Außenschutzverglasung. Es sollte gleichzeitig ein neuer UV-Schutz installiert werden“, sagt Stiftsdirektor Holger Kunde.

Kleinere Unterschiede bei der Haltbarkeit festgestellt

Um das optimale Filterglas auszuwählen, wurde die Wirksamkeit der auf dem Markt verfügbaren Modelle getestet. Im Ergebnis zeigte sich, dass alle getesteten Gläser die Anforderungen im Hinblick auf die Filterung erfüllen konnten. Kleinere Unterschiede bei der Haltbarkeit konnte das Team jedoch feststellen: Die laminierten Gläser zeigten im Gegensatz zu den mundgeblasenen während der künstlichen Witterung erste Anzeichen von Delaminierung - das heißt: Einzelne Schichten lösten sich ab. Allerdings könnten auch diese Gläser laut Fuhrmann sinnvoll sein, da sie in großen Abmessungen lieferbar seien. Es benötige jeweils spezifische Planungen und Materialentscheidungen. „Damit liefert das Projekt eine wichtige Grundlage für die Auswahl von geeigneten Schutzglassystemen, um die historischen Glasmalereien zu erhalten“, so die Referatsleiterin.

Das Team der Glasrestaurierungswerkstatt setzte sich aus Absolventinnen aller europäischen Hochschulen zusammen, die Glasrestaurierung als Studienfach anbieten: Das sind die Hochschulen in York, Erfurt und Antwerpen. Die insgesamt elf Fenster im Ost- und Westchor stammen aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Das älteste Glas ist im Westchor zu finden. Es wurde dort im 13. Jahrhundert eingebracht.