Enduro-Pilot Tim Apolle erst bei der Welt-, dann bei der Deutschen Meisterschaft

Vom Ausrichter ausgebremst

Motorsport: Billrodaer bewältigt ein anstrengendes Doppelprogramm - mit einer Enttäuschung.

Von Torsten Kühl
Tim Apolle belegte bei der Hard-Enduro-DM in Reisersberg den zweiten Platz im Hauptrennen.
Tim Apolle belegte bei der Hard-Enduro-DM in Reisersberg den zweiten Platz im Hauptrennen. (Foto: Baur-Gruppe)

Billroda - „Hard Enduro“ - der Name ist Programm. Steile Berge hinauf, auf Skihängen wieder hinunter, dazwischen immer wieder schier unüberwindbare Hindernisse: Die neue Weltmeisterschaftsserie in dieser Motorsport-Disziplin (Tageblatt/MZ berichtete) bietet spektakuläre Wettbewerbe, die den Piloten alles abverlangt. Und so stöhnte auch Tim Apolle nach dem offiziellen WM-Auftakt im italienischen Abetone: „Ich war unnormal kaputt nach den Rennen. Die Temperaturen und die Höhe haben das alles nicht leichter gemacht.“

Der Billrodaer war bei dieser wegen der äußeren Bedingungen „Abestone“ genannten Veranstaltung zunächst beim Prolog auf Platz 13 gefahren. „Das war gar nicht so schlecht“, sagte der angehende Lehrer für Sport und Geografie, der sein Studium in Jena inzwischen erfolgreich beendet hat. Mit den Prolog-Ergebnissen stand die Startaufstellung für die Sonderprüfung im Sprint-Enduro am nächsten Tag fest. Hier kam Apolle am Ende auf Rang 25. Dieser bescherte ihm eben jenen Startplatz für das vierstündige Hauptrennen.

„Das war schon hammerhart“, berichtet Tim Apolle, der in dieser Woche 25 Jahre alt geworden ist. „Allein die komplizierte Passage durch ein Bachbett bin ich vorher zwei Stunden abgelaufen.“ Nach den vier Stunden ertönte eine Sirene, und das Rennen war beendet. Alle Piloten, die noch nicht im Ziel waren, wurden an dem Checkpoint gewertet, an dem sie gerade waren. „Von insgesamt bei diesem Wettbewerb 600 gestarteten Fahrern hatten sich 70 für das Hauptrennen qualifiziert, davon kamen 19 im Zeitlimit ins Ziel, das ich nur um wenige Sekunden auf Position 20 verpasste“, so der Billrodaer, der die gesamte Strecke als einer von nur drei Deutschen schaffte.

Weil am darauffolgenden Wochenende in Reisersberg (Bayern) in der Nähe von Passau der zweite Wertungslauf der Deutschen Hard-Enduro-Meisterschaft ausgetragen wurde und sich eine zwischenzeitliche Heimfahrt für ihn nicht lohnte, blieb Apolle in Italien, und er trainierte dort.

Der Reisersberger Hexenkessel bot zwar nicht ganz die extremen Schwierigkeiten wie im Hochgebirge nahe Abetone, „doch es war eine coole Runde, auf der das Fahren Spaß gemacht hat“, betonte Tim Apolle. Sowohl den Prolog als auch auch das Gruppenrennen über 90 Minuten als erste Wertung gewann der Enduro-Pilot aus dem Westzipfel des Burgenlandkreises souverän. Dass er der beste Fahrer im Feld war, zeigte sich dann auch im 60-minütigen Finale mit den schnellsten 30 Teilnehmern beider Gruppen.

Der Billrodaer gewann in Reisersberg Prolog und Gruppenrennen, wurde aber im Finale von den Organisatoren dieses Wettbewerbs ausgebremst.
Der Billrodaer gewann in Reisersberg Prolog und Gruppenrennen, wurde aber im Finale von den Organisatoren dieses Wettbewerbs ausgebremst.
(Foto: Baur-Gruppe)

Apolle gewann den Start des Finalrennens, machte aber an einem neu ins Programm genommenen Hang einen kleinen Fehler, so dass er auf Rang vier zurückfiel. Bald aber übernahm er wieder die Spitzenposition und baute seine Führung aus. „In der zweiten Runde ist es dann aber an einer steilen Stelle zu einem Stau gekommen. Und weil die Organisatoren meinten, es sei nicht fair, wenn manche Fahrer den Hang nicht hochkommen, wurden wir plötzlich umgeleitet und angehalten. Über eine Minute Vorsprung war damit weg“, ärgerte sich Tim Apolle. Nach dem Neustart zog der Zweitplatzierte an ihm vorbei; wenig später war das Rennen schon zu Ende. „Es hat mich geärgert, dass ich nur Zweiter geworden bin. Das spiegelt nicht meine eigentliche Leistung wider.“

Der nächste Lauf der nationalen Hard-Enduro-Meisterschaft findet am 4. September in Neuhaus-Schierschnitz statt. Es ist jedoch fraglich, ob Apolle dann starten wird, denn er wurde für das deutsche Trophy-Team, das Ende August an den „Six Days“ zwischen der Lombardei und dem Piemont teilnehmen soll, nominiert. Die Six Days sind die offiziellen Enduro-Weltmeisterschaften für Nationalmannschaften. Tim Apolle, der seine Bewerbung für ein Referendariat in das zweite Halbjahr des kommenden Schuljahres verschoben hat, nahm bereits 2018 in Chile an diesem Wettbewerb teil.