BVVG will Flächen in Gleina verkaufen

Verlockendes Angebot hat Haken

Gemeinde will das an die Gartenstraße angrenzende Areal vorerst nicht erschließen.

Von Constanze Matthes

Gleina - Es ist eine Anzeige im Amtsblatt der Verbandsgemeinde Unstruttal, die Gleinas Bürgermeister Gerd Blankenburg zwingt, darauf zu reagieren und selbst eine Mitteilung zu veröffentlichen. In der März-Ausgabe informiert die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG), dass sie Wohnbauflächen in Gleina für 15 Euro pro Quadratmeter Bauland veräußert.

Doch das auf den ersten Blick verlockend anmutende Angebot hat einen Haken, sogar zwei. Denn das Areal, um das es sich handelt, muss noch komplett erschlossen werden. Sprich, es gibt noch keine Straße, keine Anschlüsse der Versorgungsträger. „Wir wollten das Land günstiger von der BVVG erwerben. Doch das war nicht möglich. Sie verlangte 15 Euro pro Quadratmeter. Mit den Kosten der Erschließung kämen wir auf einen Verkaufspreis von 100 Euro“, erklärt Gleinas Bürgermeister Gerd Blankenburg. Die Gemeinde sei derzeit finanziell nicht in der Lage, die Erschließungskosten zu stemmen.

Teil des Bebauungsplanes „Gartenstraße“

Die von der BVVG zu verkaufenden Flächen sind Teil des Bebauungsplanes Gartenstraße, der in den 1990er-Jahren erstellt worden war und schließlich 1996 Rechtskraft erlangt hatte. „Damals sollten zwei parallele Straßen mit Eigenheimen errichtet werden, allerdings entstand nur eine Straße mit zwölf Eigenheimen“, blickt Astrid Weide, Leiterin des Bauamtes in der Verbandsgemeinde Unstruttal, zurück. Die Flächen der BVVG befinden sich südlich der Gartenstraße und - das ist der zweite Haken - bilden einen schmalen Streifen, der, parzelliert, als Grundstück für die Errichtung eines Eigenheimes nicht ausreichen würde. „Interessenten müssten also noch weiteres Land erwerben“, erklärt die Bauamtsleiterin. Die Nachbarfläche liege allerdings in den Händen eines Privatbesitzers, mit dem man separat verhandeln müsste, so Astrid Weide. Insgesamt 16 Baugrundstücke könnten sich laut Bauplan entwickeln. Und es gebe auch Interessenten dafür, wie Gleinas Bürgermeister auf Nachfrage berichtet.

Drei Möglichkeiten gäbe es für dieses Gebiet. Die erste: Die Bauplanung wird rückabgewickelt, der Bebauungsplan reduziert. Die zweite Option: Es findet sich ein Investor, der sich dem Projekt annimmt, das Land aufkauft und die Erschließungskosten übernimmt, um schließlich die Grundstücke selbstständig zu verkaufen. Die dritte Möglichkeit: Jahre vergehen und nichts geschieht vorerst. Das wäre laut Gerd Blankenburg für die Gemeinde aktuell die bessere Alternative. Denn einen Investor gibt es derzeit nicht. „Wir werden das Gebiet nicht endgültig aufgeben. Aber eine Erschließung durch die Gemeinde sehe ich auf absehbare Zeit nicht“, so der Bürgermeister. Einst hatte die Gemeinde für die Erschließung der Gartenstraße eine 100-prozentige Förderung erhalten. Eine Pflicht zur Erschließung gibt es nicht.

Ähnlicher Fall in Nebra

Dass Bebauungspläne größere Flächen ausweisen, als in den Folgejahren in dieser Größe tatsächlich entwickelt werden können, sei der damaligen Zeit geschuldet gewesen. „Da liegen die Erfahrungen aus den Altbundesländern zugrunde. Man setzte auf Wachstum, doch das hat sich nicht so eingestellt“, erläutert die Leiterin des Bauamtes und verweist auf die Fluktuation von Ost nach West und den demografischen Wandel. Ein ähnliches Beispiel wie Gleina gebe es in Nebra mit dem B-Plan Wetzendorfer Straße.

Ganz anders liegt da der Fall in Laucha. Über Jahre zogen sich die Bemühungen der Stadt, den B-Plan „Südliches Wohngebiet“ aufzustellen, der im Februar schließlich Rechtskraft erlangte. Mit einer Wohnanalyse musste ein Eigenbedarf bei der Regionalen Planungsgemeinschaft nachgewiesen werden. Denn Laucha ist kein Grundzentrum wie Freyburg und darf seine Entwicklung nur auf diesen ausrichten.