Platane im Klosterpark Pforta erhält Pflegeschnitt

Kur für eine alte kranke Dame

Vom Pilz befallen, soll Maßnahme ihr das Leben verlängern.

Von Michael Heise
Bis zu 38 Meter fährt der Kranausleger hinauf in die Wipfel.
Bis zu 38 Meter fährt der Kranausleger hinauf in die Wipfel. (Foto: Michael Heise)

Schulpforte - Sie sieht noch ein bisschen spärlich begrünt aus, doch das dürfte sich mit steigenden Temperaturen die nächsten Tage geben. Und mit großer Wahrscheinlichkeit wird auch der Verjüngungsschnitt, den Schulpfortes Mega-Platane, immerhin Deutschlands drittgrößter Baum und 200 Jahre alt, derzeit erhält, dazu beitragen. Und bei allem schwingt die Hoffnung mit, dass das Riesengewächs Park und Besuchern noch lange erhalten bleibt. Denn nachdem im Juli ein großer Ast abgebrochen war und die Diagnose des renommierten Dresdner Baumgutachters Matthias Goede ergab, dass die Platane von einem bedrohlichen Pilz befallen ist, weiß jeder, was früher oder später passiert. Allerdings: Bis zu 25 Jahre werden dem Baum noch gegeben, regelmäßige Pflege vorausgesetzt.

Wir haben die Platane jetzt zwei bis vier Meter in Höhe und Durchmesser eingekürzt. Das soll dazu dienen, Last vom geschwächten Baum zu nehmen, ihm Licht zu geben und so die Ausbildung einer Sekundärkrone zu fördern.

Meike Specken, Baumfreunde Zeitz

Heute gehen derweil die Baumpflegearbeiten weiter. Die Zeitzer wollen nun, an Seilen gesichert, in die Platane klettern. Und genau das passiert jetzt. Die „Baumfreunde Zeitz“ bedienen sich dabei schweren Geräts, einem Kran, der sie im Korb in bis zu 38 Meter Höhe bringen kann. Am Freitagvormittag noch ein sicheres Unterfangen, ehe es am Nachmittag zu windig wurde. Doch bis dahin hatte das Zwei-Mann-Unternehmen mit Meike Specken und Christian Börner schon die wesentlichsten Arbeiten erledigt. „Wir haben die Platane jetzt zwei bis vier Meter in Höhe und Durchmesser eingekürzt. Das soll dazu dienen, Last vom geschwächten Baum zu nehmen, ihm Licht zu geben und so die Ausbildung einer Sekundärkrone zu fördern“, verdeutlicht die Gartenbauingenieurin.

Den alles zersetzenden Pilz kann sie damit nicht aufhalten, wohl aber eben die Lebenszeit der Platane verlängern: „Sie zieht sich langsam zurück, das ist angesichts des Alters und der Belastung durch den Pilz ein natürlicher Prozess.“ Der viele Regen der vergangenen Tage und Wochen wirke sich dabei positiv aus und mildere die Strapazen der trockenen Vorjahre etwas ab.

Die „Baumfreunde Zeitz“ geben der 200 Jahre alten Platane von Schulpforte einen Verjüngungsschnitt.
Die „Baumfreunde Zeitz“ geben der 200 Jahre alten Platane von Schulpforte einen Verjüngungsschnitt.
(Foto: M. Heise)

Bei Stiftung Schulpforta und Pförtner Bund waren die Baumpflegearbeiten schon sehnsüchtig erwartet worden. Für Letzteren sagt Vorsitzender Matthias Haase: „Die Platane ist ein sehr emotionales Thema. Jeder möchte sie so lange erhalten, wie es geht, weiß aber, dass die Uhr gegen sie läuft.“ Der Pförtner Bund will deshalb mit dem Pflanzen einer neuen Platane die Aussicht darauf geben, dass im Park ein würdiger Nachfolger gedeihen kann. „Wir möchten das bei einem Vor-Ort-Termin mit der Landesdenkmalpflege besprechen. Für uns wäre es logisch, an einer anderen Stelle im großen Park schon jetzt eine neue Platane zu pflanzen. Das hätte einen gewissen Symbolcharakter“, meint Haase.

Bis zur Entscheidung der Landesdenkmalpflege wollte der Pförtner Bund nicht untätig sein und hat bereits drei Sommerlinden entlang des Rundweges pflanzen lassen - und außerdem eine Spendenaktion für eine Ersatzplatane ins Leben gerufen. 5.000 Euro stehen bereits zu Buche.