Einwohner wenden sich gegen Praxispläne

Kein Bedarf an Landarzt in Leislau?

Mit einer Unterschriften-Aktion wenden sich Bürger gegen Umwidmung des früheren Gemeindehauses.

Von Andreas Löffler
Das einstige Gemeindehaus in Leislau als ?Ersatz-Standort? für die in Casekirchen geschlossene Allgemeinarztpraxis? Dagegen regt sich Widerstand.
Das einstige Gemeindehaus in Leislau als ?Ersatz-Standort? für die in Casekirchen geschlossene Allgemeinarztpraxis? Dagegen regt sich Widerstand. (Foto: Andreas Löffler)

Leislau/Osterfeld - Das Ganze wächst sich zunehmend zu einer Geschichte mit immer neuen, überraschenden Kapiteln aus: Bei den Bemühungen um eine Fortführung der im Frühjahr geschlossenen, bis dato in Casekirchen ansässigen allgemeinmedizinischen Landarztpraxis ist eine weitere Klippe aufgetaucht: Mit einer Unterschriften-Liste haben sich knapp 90 Anwohner gegen Überlegungen gewandt, eine solche Allgemeinarztpraxis womöglich im früheren Gemeindehaus in Leislau anzusiedeln.

Kurze Rückblende: Weil im Zuge der Schließung in Casekirchen auch die entsprechende Immobilie verkauft worden war, wurde für das an Einstieg und Übernahme der Patientenbetreuung interessierte Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Dr. Kielstein aus Erfurt fieberhaft nach einem Ausweichquartier gesucht. Eine diesbezügliche Nachfrage unserer Zeitung beantwortend, hatte Kerstin Beckmann, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde (VG) Wethautal, Überlegungen skizziert, das frühere Gemeindehaus in Leislau als Ersatz-Standort in Betracht zu ziehen.

Bürger verfassen Petition gegen Praxis-Pläne

Dagegen laufen nun Anwohner Sturm. „Eine Niederlassung einer Arztpraxis in Leislau ist nicht notwendig und wegen fehlender Räumlichkeiten auch nicht möglich!!!“, heißt es unmissverständlich in der Tageblatt/MZ vorliegenden Petition, deren Absenderin von der Möglichkeit, die eigene Position in einem Gespräch mit unserer Zeitung zu erläutern, keinen Gebrauch machen wollte.

In dem an VG-Bürgermeisterin Beckmann gerichteten Schreiben wird darauf verwiesen, dass „der Bedarf an einem Hausarzt hier sehr gering“ sei, da sich die Bürger der ehemaligen Gemeinde Leislau schon vor Jahren neue Hausärzte in Naumburg, Bad Kösen und Camburg gesucht hätten. Mit großem Nachdruck wird demgegenüber die Bedeutung des früheren Gemeindehauses als „einzige gemeinschaftliche Räumlichkeit der Orte Crauschwitz, Kleingestewitz und Leislau“ herausgestellt - konkret also, dass „hier seit Jahren Geburtstage, Frauentage, Polterabende, Einschulungen, Silvesterpartys, sonstige Familienfeiern und Treffen von Trauernden durchgeführt“ würden.

Erstaunen bei VG-Bürgermeisterin

Genau diese Darlegung stößt bei VG-Bürgermeisterin Kerstin Beckmann auf Erstaunen, wenn nicht gar Unverständnis, denn sie erklärt: „Da solcherart private Nutzung anzumelden und auch ein kleiner Obolus dafür zu entrichten ist, hat unsere Kämmerei einen exakten Überblick über die - zumindest offizielle - Nutzungshäufigkeit für private Feiern.“ Demnach hätten 2016 und 2017 je drei sowie 2018 und 2019 je vier solcher Zusammenkünfte stattgefunden, dazu zwei Rentnertreffs.

„Dass dies zusammengenommen für das Allgemeinwohl eine höhere Rangigkeit besitzen soll als die wohnortnahe medizinische Versorgung, leuchtet mir nicht ein“, so Beckmann. „Erst recht, weil unsere Überlegungen ausdrücklich die weiter fortbestehende Möglichkeit zur Mehrfachnutzung eines Raumes beinhalten.“

Die erwogene Nutzungsabsicht und die erhobenen Einwände, die in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates Molauer Land schon kurz angerissen wurden, sollen zur nächsten Zusammenkunft im Oktober nun ausführlich erörtert werden. „Falls es wirklich mehrheitlich nicht gewollt ist, bringt es nix, das Thema dort weiterzuverfolgen“, stellt Beckmann klar.