HCB-Männer sind im Landesderby gegen SCM-Youngsters nach guter erster Halbzeit chancenlos

Fehlwurf-Serie als Stimmungs-Killer

Handball: Chancenverwertung ist größtes Manko. Frauen siegen erneut.

Von Torsten Kühl 11.10.2021, 08:10
Die beiden besten Schützen des Drittligaspiels in Hohenmölsen auf einem Bild: U-19-Europameister Renars Uscins (l.) für die Youngsters des SCM (14 Treffer) und HCB-Kapitän Kenny Dober, der hier eines seiner 13 Tore erzielt.
Die beiden besten Schützen des Drittligaspiels in Hohenmölsen auf einem Bild: U-19-Europameister Renars Uscins (l.) für die Youngsters des SCM (14 Treffer) und HCB-Kapitän Kenny Dober, der hier eines seiner 13 Tore erzielt. (Foto: Torsten Biel)

Hohenmölsen/Plotha - Während die Bundesliga-Handballer des SC Magdeburg zur selben Zeit mehr als 5.000 Kilometer entfernt im saudi-arabischen Jeddah nach einem souveränen 33:28-Erfolg gegen den FC Barcelona den erstmaligen Gewinn der Klub-WM feierten, tanzten auch die Youngsters der Elbestädter ausgelassen im Kreis: Zeitgleich hatten sie in der Glückauf-Sporthalle in Hohenmölsen die gastgebenden Drittliga-Handballer des HC Burgenland mit einem 35:26-Sieg in die Schranken gewiesen.

13 Minute ohne Torerfolg

Danach hatte es jedoch zunächst nicht ausgesehen. Wie schon eine Woche zuvor beim verlustpunktfreien Spitzenreiter in Vinnhorst, als sie zur Pause sogar vorn gelegen hatten, spielten die Burgenländer eine gute erste Halbzeit auf Augenhöhe (beim Seitenwechsel hieß es 16:17), ehe der Einbruch kam. „Was da wieder ab der 40. Minute los war, dass wir so brachial eingebrochen sind, müssen wir in Ruhe analysieren“, sagte ein enttäuschter HCB-Coach Steffen Baumgart nach der ersten Heimniederlage seines Teams in dieser Saison gegen den Nachwuchs seines früheren Clubs (Tageblatt/MZ berichtete). „Wir können unser Potenzial einfach noch nicht über die gesamte Spielzeit abrufen. Unser Manko war dieses Mal eine Chancenverwertung, die dieser Liga unwürdig ist.“

Magdeburgs Coach Stephan Just (l.) analysiert die Partie: Der Sieg seiner Mannschaft  sei um ein paar Tore zu hoch ausgefallen. Steffen Baumgart (r.), Trainer der Burgenländer,  ist von der zweiten Halbzeit seines Teams enttäuscht.
Magdeburgs Coach Stephan Just (l.) analysiert die Partie: Der Sieg seiner Mannschaft sei um ein paar Tore zu hoch ausgefallen. Steffen Baumgart (r.), Trainer der Burgenländer, ist von der zweiten Halbzeit seines Teams enttäuscht.
(Foto: Torsten Biel)

Baumgart spielte damit vor allem auf die Phase in der zweiten Halbzeit an, als seine Schützlinge 13 Minuten (!) ohne eigenen Treffer blieben und sich Fehlwürfe in Serie leisteten, so dass die Magdeburger locker von 21:21 auf 29:21 davonziehen konnten. Da war die Partie natürlich längst gelaufen. SCM-Trainer Stephan Just fand das Ergebnis am Ende „ein paar Tore“ zu hoch. Er lobte seine Mannschaft dafür, dass sie gegen kampfstarke Burgenländer in der zweiten Halbzeit „in der Defensive einen besseren Zugriff“ bekommen hatte: „So kamen wir über viele Ballgewinne zu leichten Toren.“ Im Angriff leisteten sich die eingespielten Talente von der Elbe - angeführt vom überragenden U-19-Europameister Renars Uscins, der allein 14 Treffer erzielte - kaum einen Aussetzer.

Auf den Kapitän ist Verlass

Größter Lichtblick bei den Burgenländern, neben der guten Leistung im ersten Abschnitt, war Kapitän Kenny Dober. Der Prittitzer erreichte - im Gegensatz zu seinen Teamkollegen - eine nahezu 100-prozentige Erfolgsquote bei seinen Würfen. Bezeichnend: Nach Dobers einzigem Fehlversuch erkämpfte sich Kreisläufer Mirco Fritzsche stark den Abpraller, und der Kapitän netzte im zweiten Anlauf ein. Und ebenfalls bezeichnend der letzter Treffer der Gastgeber in dieser Partie: Tom Hanner, der wenig später wegen eines groben Fouls die Rote Karte sah, hatte Wurfpech, traf nur den Pfosten, aber dann kam Dober und vollendete.

Magdeburg mit besserem Zugriff in der zweiten Halbzeit: Florian Pfeiffer bekommt das zu spüren.
Magdeburg mit besserem Zugriff in der zweiten Halbzeit: Florian Pfeiffer bekommt das zu spüren.
(Foto: Torsten Biel)

Am kommenden Samstag muss der HCB, der mit nunmehr 5:7 Punkten auf den achten Tabellenplatz der Staffel C abgerutscht ist, beim MTV Braunschweig (Vierter mit 8:4 Zählern) antreten. Eine Woche später kommt der Northeimer HC (aktuell Sechster) nach Hohenmölsen - eine Mannschaft, die zu den direkten Konkurrenten der Burgenländer im Kampf um den Klassenerhalt gehört. Eben jener sechste Rang würde nach dem Ende der Hauptrunde den vorzeitigen Ligaverbleib bedeuten. „Es waren gegen Magdeburg auch wieder ein paar mehr Zuschauer in der Halle als in den ersten beiden Heimspielen. Die Fans haben uns super unterstützt, und ich hoffe, dass sie das in großer Zahl auch gegen Northeim machen werden“, so Trainer Steffen Baumgart.

HC Burgenland - SC Magdeburg II 26:35 (16:17). HCB: Marius Göbner, Max Neuhäuser; Kenny Dober 13/3, David Heinig 1, Marek Hnidák 2, Florian Pfeiffer, Mirco Fritzsche 3, Kevin Szep-Kis, Tom Hanner 2 (Rote Karte in der 59. Minute), Marcel Popa 5, Miloje Dolic, Philipp Große, Janko Pesic; kein Einsatz: Cornelius Lange, Sascha Meiner, Erik Stepan - Siebenmeter: HCB 3/3, SCM II 5/4; Zeitstrafen: HCB 3, SCM II 3.

Weiter spielten in der sechsten Runde der Staffel C: TSV Burgdorf II - HSV Hannover 16:15, Northeimer HC - SC DHfK Leipzig II 33:31, SV Plauen-Oberlosa - Anhalt Bernburg 34:36, Hannover-Burgwedel - MTV Braunschweig 28:29.

Frauen noch verlustpunktfrei

Ihren dritten Sieg im dritten Saisonspiel der Mitteldeutschen Oberliga bejubelten die Frauen des HCB. In Plotha bezwangen sie am Sonnabendnachmittag den SV Aufbau Altenburg mit 26:22. Zunächst liefen die Gastgeberinnen einem Rückstand hinterher. Nachdem sie das Spiel gedreht hatten (12:9), kam das Team aus Ostthüringen bis zum Seitenwechsel aber wieder heran (13:13). In der zweiten Halbzeit wechselte die Führung, ehe der HCB in der Schlussviertelstunde das Kommando übernahm und schließlich relativ ungefährdet gewann.

„So richtig gefallen hat uns das Spiel unseres Teams aber nicht“, meinte Mannschaftsleiter Danny Nas. Die Burgenländerinnen hätten im Aufbau oft sehr hektisch agiert und sich phasenweise ein wahres Fehler-Festival geleistet. Zum Glück hatte das am Ende keine Auswirkungen auf das Ergebnis. Weil Jasmin Heinz und Sandra Kube in dieser Partie nicht zur Verfügung standen, hatte der HCB Ex-Spielerin Lena Matte reaktiviert. „Sie hatte schon in der Vorbereitung einige Male mittrainiert und wäre im Notfall aufs Parkett gekommen“, so Nas. Matte musste gegen Altenburg aber nicht in Aktion treten.

HC Burgenland - Aufbau Altenburg 26:22 (13:13). HCB: Wiebke Detjen, Maria Pfüller; Jessica Stiskall 4/4, Lena Matte, Lena John, Theresa Gering, Lea Guderian 1, Michelle Paluszkiewicz 12/1, Lea Schönefeld 2, Patrizia Sturm 4, Carmen Ringler, Juliana Maul 3, Celine Knorr, Anne Löbnitz - Siebenmeter: HCB 7/5, Aufbau 9/8; Zeitstrafen: HCB 4, Aufbau 4.

Spiel in der Abwehr verloren

Eine 30:35-Niederlage kassierte am Sonnabend die zweite Männermannschaft der Burgenländer in der Sachsen-Anhalt-Liga beim HSV Haldensleben. Sebastian Enke brachte die Gäste in Front, aber es sollte die einzige Führung der HCB-Reserve im Spielverlauf bleiben. Die Gäste mussten ohne Laurenz Kröber, den spektakulären Last-Second-Siegtorschützen der letzten Partie gegen Wolfen (wir berichteten), antreten. Der 17-Jährige nahm sein Zweitspielrecht für Aue wahr, traf mit den Erzgebirglern in der A-Jugend-Bundesliga auf seinen vorherigen Verein SC DHfK Leipzig und verlor mit 28:34. Auch auf Christian Haufe, Martin Tillmann und Stefan Wallis musste die HCB-Zweite verzichten. „Wir haben in der Abwehr einfach nicht den nötigen Zugriff gefunden. 30 Auswärtstore sind völlig okay, allerdings 35 Gegentreffer natürlich zu viel“, so Kevin Lang, der das Team zusammen mit Marcus Deibicht und Sebastian Enke trainiert. Gegen die routinierten Gastgeber und vor allem den wurfstarken Linkshänder Florian Most (neun Treffer) fanden die Burgenländer nicht die geeigneten Mittel.

Paul Zänker war in Haldensleben mit neun Treffern erfolreichster Werfer der HCB-Reserve.
Paul Zänker war in Haldensleben mit neun Treffern erfolreichster Werfer der HCB-Reserve.
(Foto: Torsten Biel)

HSV Haldensleben - HC Burgenland II 35:30 (20:18). HCB II: Max Knoblauch, Marwin Richter; Marcus Deibicht 2, Tom-Erik Röhrborn, Marcus Födisch 5, Eric Emmerich 2, Alexander Nowak 1, Bastian Pohl 1, Henning Taube 6, Sebastian Enke 2, Robert Voigt 2, Jakob Aumann, Paul Zänker 9/3 - Siebenmeter: HSV 3/3, HCB II 5/3; Zeitstrafen: HSV 1, HCB II 1.