Zwölf Alpakas und ein Lama werden in Schulpforte geschert

Evi und Olaf bekommen Sommerschnitt

Tiere des Tierparks Bad Kösen werden Wolle los. Landesschule hat AG gegründet, die sich um zwei Alpakas kümmert.

Von Michael Heise
Simone Böhme aus Stadtroda schert die Alpakas des Tierparks Bad Kösen und Schulpforte auf der Wiese der Landesschule.
Simone Böhme aus Stadtroda schert die Alpakas des Tierparks Bad Kösen und Schulpforte auf der Wiese der Landesschule. (Foto: Torsten Biel)

Schulpforte - Es wäre jetzt wohl ein bisschen zu warm geworden unterm dicken Fell der zwölf Alpakas und des einen Lamas, doch Simone Böhme aus Stadtroda stand zur rechten Zeit mit der Schermaschine parat. Die große Wiese zwischen Besucherzentrum und Mauer auf dem Klostergelände in Schulpforte war für sie der richtige Ort, um den Tieren ans Fell zu gehen. Diese gehören dem Tierpark Bad Kösen, zwei wiederum, nämlich die Alpakas „Evi“ und „Olaf“, sind gewissermaßen eine Leihgabe an Landesschule und Stiftung und werden von einer eigens gegründeten Schul-AG seit vergangenem Jahr betreut. Ihren Platz gefunden haben die beiden in einem Gehege an der Klostermauer; auch den außergewöhnlichen Winter haben sie dort gut überstanden.

Die Scheraktion, so verrät Prokurator Arndt Gerber, hätte man derweil gern in einem festlichen Rahmen etwas größer aufgezogen, doch ließen das die Umstände bis heute nicht zu. „Um aber vor allem den Schülern auch diese Seite der Tierhaltung zu zeigen, haben wir uns für das Scheren hier auf dem Gelände entschieden“, klärt Gerber auf. Ähnlich sieht es Tierparkchef Marno Scherling, der die Tierparkbewohner nach Schulpforte transportiert hatte. Mit seinen Mitarbeitern half er Simone Böhme beim Scheren.

Und dazu nämlich braucht es regulierende Handgriffe, denn die Tiere müssen per Seil auf dem Scherentisch im Zaum gehalten werden. Ein Strumpf auf der Schnauze des zu scherenden Paarhufers wiederum schützt die Helfer vor Spuckattacken. Denn fühlen sich Alpakas bedrängt, könnte es schon mal eine Ladung geben. „Den Geruch wird man dann den ganzen Tag nicht los“, weiß Scherling. Der hatte sich an diesem Tag im Übrigen eine Mütze aus Alpaka-Wolle übergestülpt, ihm war’s also noch nicht zu warm.

Wir vereinen hier sozusagen ökologische Landpflege und Seelsorge.

Prokurator Arndt Gerber

Derlei Wolle und wiederum daraus Kleidungstücke wie eben Mützen, Handschuhe und Socken stellt auch Simone Böhme her, die sich nicht nur als Schererin qualifiziert, sondern auch diverse Kurse - wie Spinnen - zur Verarbeitung der Wolle besucht hat.

Das Scheren läuft in Pforte ganz routiniert - nach rund einer halben Stunde ist die Strapaze samt „Fußpflege“ für den um ein bis drei Kilogramm Fell erleichterten „Kunden“ vorbei. Trost- und Streicheleinheiten gibt’s dann bei den Tierparkhelfern oder den Schülerinnen Rebekka Thomas und Lara Hölzel aus der 12M, die sich in der Vergangenheit maßgeblich um die Pflege von „Evi“ und „Olaf“ kümmerten, den ein oder anderen Spaziergang auf dem Klostergelände inklusive.

Mit dickem Fell warten die Tiere auf die Schur.
Mit dickem Fell warten die Tiere auf die Schur.
(Foto: Torsten Biel)

Apropos: Dass die beiden Neu-Pfortenser bis auf Weiteres bleiben, ist für Marno Scherling und Arndt Gerber ausgemachte Sache. „Wir vereinen hier sozusagen ökologische Landpflege und Seelsorge. Denn die Tiere stutzen uns nicht nur auf natürliche Weise den Rasen, sie dienen auch den Schülern als wichtiger Ausgleich für den nicht gerade einfachen Schulalltag“, meint Gerber, der das Projekt sogar gern noch weiter vorantreiben möchte: „Die Alpakas passen wunderbar hierher. Aber niemand würde sie wohl mit dem Klosterleben der Zisterzienser in Verbindung bringen. Deshalb könnte ich mir vorstellen, dass Schafe und Ziegen hinzukommen.“ Geplant sind auch Schautafeln mit Erklärungen zu den zu sehenden Tieren, vorerst für „Evi“ und „Olaf“.