Wie Paar aus Allerstedt naturnahe Geschäftsidee umsetzt

Eigenes Gemüse ohne Garten

Aline und Peter Palka bepflanzen Beete für Dritte nach deren Wünschen und bewirtschaften diese.

Allerstedt - So ein kleines bisschen hat es etwas von Magie: Selbst wer keinen Garten besitzt oder wem es am Geschick, sprich dem berühmten „grünen Daumen“ oder schlicht an körperlicher Leistungsfähigkeit für eine gedeihliche Pflanzenaufzucht im Mini-Format mangelt, kann doch sein eigenes Gemüse anbauen und ernten - oder zutreffender: anbauen und ernten lassen. Ermöglicht wird dies von Aline und Peter Palka aus Allerstedt, die vor Kurzem mit ihrer originellen Unternehmung „mein-onlinegarten.de“ an den Start gegangen sind. Das Prinzip: Nach dem Motto „Quadratisch - praktisch - gut“ pachten Interessenten bei Palkas eine drei mal drei, vier mal vier oder gar fünf mal fünf Meter große Parzelle, die dann von dem jungen Paar bewirtschaftet wird - und zwar absolut „maßgeschneidert“ hinsichtlich Art und Umfang der vom Kunden gewünschten Gemüsesorten.

Bei einer Pachtgebühr von etwas mehr als zwei Euro pro Monat und Quadratmeter schlägt das für eine neun Quadratmeter große Anbaufläche mit gut 220 Euro pro Jahr zu Buche, womit sämtliche Arbeits- und Sachkosten bei Anzucht, Pflege und Ernte abgedeckt sind. Ebenso die regelmäßigen Lieferungen vom „eigenen“ Beet. „Bei der 16-Quadratmeter-Variante darf man in einem durchschnittlichen Ertragsjahr mit etwa 20 großen Gemüsekisten rechnen“, erläutert Peter Palka.

Um einen Ausgleich zu unseren Bürojobs zu finden, haben wir uns dann einen Schrebergarten zugelegt.

Aline Palka

Auch wenn er und seine Frau das innovative Konzept nicht erfunden haben, werden ihre ganz persönlichen Interessen und Neigungen in dem Projekt auf schönste Weise zusammengeführt. Der in Frankfurt/Main aufgewachsene 45-Jährige und seine ursprünglich aus Allerstedt stammende Frau hatten sich in der hessischen Metropolregion kennen- und lieben gelernt und waren auf der Flucht vor Hektik und Stress der Großstadt zunächst ins 15 Kilometer südlich gelegene und eher ländlich geprägte Dreieich gezogen. „Um einen Ausgleich zu unseren Bürojobs zu finden, haben wir uns dann einen Schrebergarten zugelegt, was Auslöser einer stetig wachsenden Leidenschaft und Wissbegier rund um dieses Thema war“, berichtet die gelernte Bankkauffrau.

Von Frankfurt/Main nach Allerstedt

So fügte es sich prächtig, dass das Paar im vorigen Jahr in Allerstedt ein nur 50 Meter von Alines Elternhaus entferntes Eigenheim mit ausgedehntem Garten erstehen konnte und samt Tochter Emilia im August 2020 „zurück an die Ursprünge“ zog. „Anfangs war es natürlich ein ganz schöner Spagat: Home-Office und Home-Schooling, Sanierung und Renovierung unseres frisch erworbenen Häuschens und dann noch der Aufbau von mein-onlinegarten.de“, gibt Peter Palka, der als administrativer Mitarbeiter einer internationalen Spedition aktuell der Hauptverdiener der Familie ist, zu. „Wir könnten schon weiter sein“, bestätigt auch seine Ehefrau Aline - und ist dennoch im Einklang mit sich. „Eigentlich passt das ja nicht zuletzt durch äußere Umstände gebremste Tempo bei der Entwicklung dieses Nebenerwerbs doch ganz gut zu uns: Wir wollen langsam wachsen, wie wir überhaupt auf maßvolles und nachhaltiges Handeln setzen“, so die 42-Jährige.

Dabei besonders im Fokus ist der völlige Verzicht auf künstliche Dünger oder gar Spritzmittel. „Wir lesen Kartoffelkäfer buchstäblich mit der Hand von unseren Knollen ab, was manchem vielleicht ein wenig verschroben vorkommen mag. Aber: Einst ausgelöst durch die Schwangerschaft meiner Frau mit Emilia, mache ich mir jede Menge Gedanken darüber, was wir mit unserer Nahrung aufnehmen. Das hat mich dazu geführt, unser Gemüse und Obst noch naturnaher produzieren zu wollen, als es die ,normale’ biozertifizierte Ware ist“, betont Peter Palka.

Überschüssiges wird zu Marmelade und Brotaufstrich

Zu den Abnehmern der angebauten Köstlichkeiten gehören ein befreundeter Hofladen, eine Catering-Unternehmerin sowie qualitätsvernarrte Privatkunden - etwa in Jena und sogar Baden-Württemberg. Und das Thema Nachhaltigkeit reicht bei Palkas noch deutlich weiter: Eventuell „überschüssiges“ Obst und Gemüse wird zu Marmeladen oder Brotaufstrichen verarbeitet. Und in Sachen Frühstücksei & Co. greift die Familie auf die eigenen Hühner zurück - acht an der Zahl und mit „Lilli“, der Lieblings-Henne ihrer Tochter, mittendrin. (Andreas Löffler)