Flammen griffen in Naumburg von Mülltonne auf Fahrzeug über

Auto von Linken-Mitglied ausgebrannt - Brandstiftung vermutet

Von Harald Boltze 17.05.2021, 13:43
Die Feuerwehr löschte in der Bürgergartenstraße in Naumburg den Wagen von Frank Mayntz.
Die Feuerwehr löschte in der Bürgergartenstraße in Naumburg den Wagen von Frank Mayntz. (Foto: Abram/Feuerwehr)

Naumburg - Gegen 2.40 Uhr stand in der Nacht zum Montag in der Naumburger Bürgergartenstraße plötzlich ein Auto in Flammen. Das Feuer war zuvor von einer nebenstehenden Papiertonne auf das Fahrzeug übergesprungen. Das Auto brannte ab, Personen wurden glücklichweise nicht verletzt, wie die Polizei bestätigte.

Abseits dieser unstrittigen Fakten gehen die Einschätzungen des Vorfalls aber weit auseinander. Polizeisprecher Thomas Ortmann sprach auf Anfrage von Tageblatt/MZ von „Pech“ und „Zufall“, dass das Auto nun mal so nahe neben der in Brand geratenen blauen Tonne stand. Weitere Zusammenhänge seien nicht erkenntlich.

Zeugin hört Stimmen und Knall

Genau solche werden aber von Zeugen sowie dem betroffenen Besitzer erkannt. So schildert die Ärztin und Anwohnerin Verena Kluge auf Facebook, dass sie die Brandstifter samt einem „dreckigen Lachen“ wahrgenommen habe. Es sei zu einem „Knall“ und zur Explosion des Hinterrads des Audis gekommen. Eine Darstellung, die Frank Mayntz, der Besitzer des Wagens, so gegenüber unserer Zeitung bestätigte. „Es waren ursprünglich drei Mülltonnen, die einige Meter entfernt standen. Irgendjemand muss eine davon dann direkt ans Auto geschoben haben.“ Die Polizei gibt die Schadenshöhe aufgrund des Alters des Fahrzeugs mit 1.000 Euro an. Frank Mayntz hingegen habe von einem Gutachter 7.500 Euro ermittelt bekommen. „Es war ein absolutes Traumauto. Top gepflegt. Ein Youngtimer.“

Drohungen habe ich in den vergangenen Jahren unzählige bekommen. Das ist für mich leider Alltag.

Frank Mayntz, Besitzer des Autos

Die am Montag auf Facebook meistdiskutierte Frage aber war die nach der Brandursache, vor allem, ob diese politischer Natur war. Dazu muss man wissen: Frank Mayntz ist Vorsitzender des Vereins „Integration Naumburg“ und kümmert sich seit vielen Jahren auch um geflüchtete Menschen. Viele dunkelhäutige Menschen hat er in dem Audi bereits mitgenommen. War es also womöglich ein gezielter Anschlag und nicht nur ein Dummer-Jungen-Streich? „Drohungen habe ich in den vergangenen Jahren unzählige bekommen. Das ist für mich leider Alltag“, sagt Mayntz. Einen konkreten Hinweis auf eine Bedrohung habe er in den vergangenen Tagen jedoch nicht wahrgenommen. Der Polizeibeamte, dem er den Zusammenhang zwischen dem brennenden Auto und seiner Hilfe für Flüchtlinge geschildert hatte, habe dies als „sehr konstruiert“ abgewiesen, so Mayntz, der Wert darauf legt, dass er und der Naumburger Verein allen Menschen in Not hilft, „egal ob schwarz oder weiß. Zuletzt haben wir zum Beispiel vier Wohnungen für Brandopfer aus der Raschstraße möblieren können.“

Steht Geschehen in Zusammenhang mit Szenelokal?

Ein weiterer politischer Zusammenhang, der von Kommentatoren auf Facebook am Montag gezogen wurde: der zum „Lokal 18“ in der Salzstraße. Dieses war zuletzt mehrfach zur Zielscheibe von Sachbeschädigungen wie Farbbeutelwürfen geworden und hatte nun online dazu geschrieben, dass man für „jede brauchbare Information über Linksextremisten“ 50 Euro zahlen werde. Mancher Beobachter sieht in diesem Kontext den brennenden Audi von Frank Mayntz, der zudem in der Linkspartei engagiert ist, nicht als zufälliges Ereignis. „Dazu kann ich aber nichts sagen. Dafür fehlen mir Beweise“, so Mayntz. Starke Angstgefühle spüre er seit der Nacht zum Montag nicht. „Aber meiner Familie ist das alles schon sehr nahe gegangen“, so der Naumburger.