Punkewitzerin erkämpft Silber bei U-19-Weltmeisterschaft

Ausloten, wie weit es geht

In Halle, wo sie ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, wandelt sie auf den Spuren großer Vorbilder.

Von Andreas Löffler 08.11.2021, 09:06
Ruderin Anne Schepinski holte Silber bei den U-19-Weltmeisterschaften.
Ruderin Anne Schepinski holte Silber bei den U-19-Weltmeisterschaften. (Foto: Andreas Löffler)

Punkewitz/Halle - Es ist schon eine Ehrfurcht gebietende „Hall of Fame“, die Anne Schepinski da im Bootshaus der Halleschen Ruder-Vereinigung (HRV) Böllberg/Nelson von 1884 betritt: Doppel-Olympiasieger mit Legenden-Status wie Thomas Lange und Andreas Hajek sind dort verewigt, zudem mit Jana Thieme und Julia Lier auch zwei Frauen, die olympisches Ruder-Gold an die Saale holten.

Klar, von derlei Top-Meriten ist die 18-jährige Punkewitzerin gewissermaßen noch ganze Galaxien entfernt; dennoch hat die Nachwuchs-Rudererin in den fünf Jahren, in denen sie die Sportart inzwischen betreibt, eine höchst beachtliche Entwicklung genommen: Im August dieses Jahres wurde Anne Schepinski mit dem deutschen Nationalmannschafts-Achter Vize-Weltmeisterin in der Altersklasse U 19.

Schneller Wechsel auf Sportschule und ins Leistungszentrum

Zum Rudern gekommen ist sie 2016 eher zufällig, als Trainerin Dagmar Ritter aus Weißenfels im Droyßiger Gymnasium, das Anne Schepinski damals besuchte, groß gewachsene Mädchen auf ein etwaiges Interesse ansprach. „Ich war neugierig, das mal auszuprobieren, und habe schnell Gefallen an der Sache gefunden. Wenn du draußen auf dem Wasser und in der Natur bist und dein Boot richtig gut ‚läuft‘, ist das ein absolut tolles Gefühl.“ Bereits ein Vierteljahr später sah sich Anne Schepinski der Möglichkeit gegenüber, auf die Sportschule nach Halle und an das HRV-Leistungszentrum wechseln zu können - „krass schnell“, wie sie selbst findet, „und was ganz Neues: Da hatte ich Lust drauf.“

U-19-Vizeweltmeisterin und „Lehrerin“: Anne Schepinski überwacht  hallesche Sportschüler der Klassenstufen 7/8 beim Training auf dem Ruder-Ergometer.
U-19-Vizeweltmeisterin und „Lehrerin“: Anne Schepinski überwacht hallesche Sportschüler der Klassenstufen 7/8 beim Training auf dem Ruder-Ergometer.
(Foto: Andreas Löffler)

Zunächst im Doppel-Vierer und damit im Skull-Bereich (also mit zwei „Knüppeln“ zum Rudern in den Händen) erfolgreich, vollzog die Punkewitzerin im vergangenen Jahr den Umstieg zum Riemenrudern, mithin zu jenen Booten, in denen jeder Aktive lediglich ein Ruder bedient. Das deswegen wesentlich schwierigere Ausbalancieren des Bootes und die Umstellung auf einen neuen Bewegungsablauf mitsamt der nun notwendigen Drehbewegung zu einer Bootsseite hin - in ihrem Fall: Steuerbord - hinzukriegen, sei nicht ohne gewesen, gibt Anne Schepinski zu.

„Aber spätestens in diesem Jahr lief es im Zweier ohne Steuerfrau für mich und meine Bootspartnerin Marie Luise Kohlbach richtig gut. Mit Rang zwei bei den Kleinbootmeisterschaften sowie dem sechsten Platz beim deutschen Ranglisten-Rennen in Hamburg konnten wir uns für den Auswahlkader qualifizieren und schafften nach diversen internen Leistungsüberprüfungen auch beide den Sprung in den Achter“, schildert sie.

Olympia als großes Ziel im Hinterkopf

Das Weltmeisterschafts-Silber beim U-19-Campionat im bulgarischen Plovdiv habe bei ihr in gewisser Weise ein „Lämpchen“ angehen lassen: „Ich war einige Zeit nämlich gar nicht so sicher, ob ich dem Leistungssport auch weiterhin die absolute Priorität einräume und hatte zunächst vor, mich nach meinem diesjährigen Abitur eigentlich auf das Thema Berufsausbildung, genauer ein Studium in Richtung Maschinenbau oder Mechatronik zu konzentrieren. Doch jetzt will ich es echt wissen und ausloten, wie weit es geht“, sagt Anne Schepinski. Seit September bei „Meistermacher“ Frank Köhler trainierend, der Julia Lier zu Gold bei den Spielen von Rio 2016 führte, hat sie dabei - natürlich - „Olympia als großes Ziel im Hinterkopf“.

Anne Schepinski (r.) beim Training im Zweier mit ihrer Teamgefährtin Marie Luise Kohlbach.
Anne Schepinski (r.) beim Training im Zweier mit ihrer Teamgefährtin Marie Luise Kohlbach.
(Foto: Andreas Löffler)

Nachdem sie die Bewerbungsfrist für die Aufnahme in eine Sportfördergruppe von Bundeswehr respektive Bundespolizei diesmal verpasste und nun im kommenden Jahr Anlauf dazu nimmt, absolviert die Punkewitzerin gegenwärtig ein Freiwilliges Soziales Jahr - passenderweise bei „ihrer“ Halleschen Ruder-Vereinigung Böllberg/Nelson von 1884. „Ich betreue beispielsweise die Sportschüler der Klassenstufen 7 und 8 beim Kraft- sowie Ergometertraining, digitalisiere Akten und packe auch beim Saubermachen im Vereinsheim mit an - was sich zeitlich alles ganz prima mit meinen eigenen Übungseinheiten verbinden lässt“, erzählt die junge Frau, die nach fünf Jahren im halleschen Sportschulinternat nun wieder in Punkewitz wohnt und täglich pendelt. „Ich genieße die gemeinsame Zeit mit meinen Eltern und unserer großen Familie dort und kann mich bei Spaziergängen mit unserem Labrador Jessie wunderbar entspannen“, verdeutlicht sie ihre Heimatverbundenheit.