Vorfälle auf Schulweg

Vorfälle auf Schulweg: Lehrer nach versuchten Entführungen alarmiert

Merseburg/Weißenfels - Im Süden Sachsen-Anhalts herrscht Verunsicherung. Innerhalb weniger Tage wurden zwei Mädchen, 14 und neun Jahre alt, in Merseburg und im Weißenfelser Ortsteil Großkorbetha von Unbekannten ...

Von Dirk Skrzypczak und Birger Zentner
Grundschüler auf dem Weg zu Schule.
Grundschüler auf dem Weg zu Schule. dpa

Im Süden Sachsen-Anhalts herrscht Verunsicherung. Innerhalb weniger Tage wurden zwei Mädchen, 14 und neun Jahre alt, in Merseburg und im Weißenfelser Ortsteil Großkorbetha von Unbekannten angesprochen.

Die Schülerinnen wollten zum Unterricht und sollten offenbar überredet werden, in einen Transporter einzusteigen. In Merseburg wurde die 14-Jährige sogar gepackt. Sie konnte sich mit Hilfe einer Zeugin losreißen. Die Polizei sieht Parallelen in beiden Fällen. Die MZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was tut die Polizei zur Aufklärung?
Die Polizei nimmt die beiden Fälle sehr ernst. Zweifel an der Glaubwürdigkeit sehen die Ermittler nicht. Die Zeugin, die der 14-Jährigen in Merseburg geholfen haben soll, hat sich bislang aber nicht gemeldet. Laut Polizei tauschen die verantwortlichen Kriminalisten in Merseburg und Weißenfels ihre Erkenntnisse derzeit aus.
Allerdings gestalten sich die Untersuchungen in den Fällen nicht einfach. Spurenlage und Beschreibung der Tatverdächtigen sind sehr vage. Dass es sich in Merseburg und Großkorbetha um dieselben Männer handelte, ist ein Verdacht, der anhand der Schilderungen nahe liegt, aber Beweise dafür hat man noch nicht. In beiden Fällen ist von einem Kleintransporter die Rede, der an den jeweiligen Tatorten war. In dem Fahrzeug sollen zudem mehrere Männer gesessen haben - mit einem südländischen Aussehen.

Wie reagieren die Schulen auf die Vorfälle?
Sehr sensibel, um die Kinder nicht noch weiter zu verunsichern. „Wir stimmen uns mit der Polizei ab. Und natürlich reden wir mit den Klassen. Das richtige Verhalten auf dem Schulweg, auch in Notsituationen, ist immer ein Thema“, sagt Steffen Rahaus, Schulleiter des Domgymnasiums in Merseburg.
Allerdings könne man Schüler nur auf Gefahren hinweisen und das richtige Verhalten üben. „Wenn es dann ernst wird, reagiert jeder anders“, weiß der Schulleiter. In Großkorbetha sind die Grundschüler von den Lehrern am Donnerstag und Freitag noch einmal ausdrücklich belehrt worden, wie sie sich Fremden gegenüber verhalten sollen, sagte Lehrerin Dagmar Kuhlert gegenüber der MZ.

Wie arbeiten Polizei und Schule zusammen?
In Merseburg ist die Polizei selbst am Domgymnasium, um mit Schülern zu reden. Schulwege zu überwachen, sei nicht möglich. „Wir wissen ja nicht, wo und wie es zu einem weiteren Vorfall kommen könnte“, sagt Jürgen Müller, Sprecher des Reviers in Merseburg. Das Landesschulamt bietet fachliche Hilfe an, sollten Schulen um Unterstützung bitten. Die für Prävention zuständige Polizeibeamtin im Weißenfelser Revier hat der Großkorbethaer Schule angeboten, zu entsprechenden Präventionskursen in die Schule zu kommen.

Was rät die Polizei den Eltern?
Jeder Schulweg ist anders. Und vor allem kommt es darauf an, ob Kinder mit Schulbussen fahren oder laufen. Generell und unabhängig von den aktuellen Fällen sollten Schüler, die zu Fuß zum Unterricht gehen, möglichst in Gruppen unterwegs sein. Eltern sollten regelmäßig mit ihren Kindern über Verhaltensregeln sprechen, aber ohne Panikmache.

Wie sollten sich die Kinder verhalten?
Beide Mädchen haben sich absolut richtig verhalten, so die Polizei. Kinder sollten keinen Versprechen von Fremden trauen, sich vor allem von den Fahrzeugen der Fremden fernhalten und einfach weitergehen. Wer bedrängt wird, sollte laut um Hilfe rufen und sich wehren. Kratzen, Beißen und Treten ist erlaubt.
Mitunter kann es sogar besser sein, „Feuer“ zu schreien, weil dadurch die Aufmerksamkeit von Passanten noch größer wird. Wichtig ist, so schnell wie möglich die Polizei zu verständigen. Das gilt vor allem für Erwachsene, die geholfen oder den Vorfall gesehen haben. Je schneller Beamte eingreifen können, umso größer ist die Chance, Täter zu stellen.  (mz)