Strukturwandel im Saalekreis

Strukturwandel im Saalekreis: Dieses Ziel verfolgt das Land bis 2038 in den Gemeinden

Merseburg - Es ist ein Satz, den man von Politikern selten hört: „Wir haben nicht das Problem, zu wenig Geld zu haben“, sprach Ministerpräsident Reiner Haseloff am Mittwoch. Er saß mit Staatssekretären, Kommunalpolitikern, Hochschul- und Wirtschaftsvertretern und Einwohnern zum virtuellen Bürgerforum Strukturwandel im Saalekreis ...

Von Robert Briest
Das Braunkohlekraftwerk Schkopau spielt beim Strukturwandel der Region eine zentrale Rolle. imago stock&people

Es ist ein Satz, den man von Politikern selten hört: „Wir haben nicht das Problem, zu wenig Geld zu haben“, sprach Ministerpräsident Reiner Haseloff am Mittwoch. Er saß mit Staatssekretären, Kommunalpolitikern, Hochschul- und Wirtschaftsvertretern und Einwohnern zum virtuellen Bürgerforum Strukturwandel im Saalekreis zusammen.

Bürgerforum soll Strukturwandel im Land helfen

Und nur auf dieses Thema, die Bewältigung der Umbrüche durch den Kohleausstieg, beschränkte sich die Aussage des CDU-Politikers zu üppigen Finanzen. Denn für den Strukturwandel fließen 4,8 Milliarden Euro ins Land, 1,68 Milliarden Euro darf es selbst ausgeben. Die Frage stand im Raum, wobei die Bürgerforen helfen sollen. Das im Saalekreis war das Fünfte und vorerst letzte.

Wirklich konkrete neue Ideen für den Kreis brachte es für jene, die die Debatte der vergangenen Monate verfolgt hatten, in deren Zuge Kreis und Stadt Halle bereits Leuchtturmprojekte, wie die Erweiterung des Chemieparks in Leuna oder den Star Park II verkündet hatten, nicht. Doch es verdeutlichte, welches Ziel das Land mit den bis 2038 auszugebenden Mitteln verfolgt. Es geht um mehr als Arbeitsplätze. Auch die Attraktivität des Reviers insgesamt soll gesteigert werden.

Strukturwandel: Leuchtturmprojekte für den Landkreis bereits in Planung

„Vor 1945 hatte die Region mehr Wertschöpfung als das Ruhrgebiet“, sagte Haseloff. Da wolle man langfristig wieder hinkommen. Das, was nun im Zuge des Strukturwandels entschieden werde, diene der Entwicklung im gesamten Jahrhundert: „Damit die Generationen nach uns nicht nur Arbeitsplätze vorfinden, sondern auch Lebensqualität.“

Neben den Leuchtturmprojekten des Kreises, hatten auch einige Kommunen bereits konkrete Projekte benannt, die sie mit Kohlegeld umsetzen wollen. Einige, wie etwa der Bau einer Therme in Bad Lauchstädt, zielten dabei in Richtung Tourismus, eine Branche, die nicht für üppige Löhne bekannt ist. Haseloff erklärte auf Nachfrage dazu: „Der Bereich ist bewusst nicht ausgeschlossen.“

„Wir wollen jetzt auch nach Projekten in den Gemeinden gucken"

Es müssten auch neue Arbeitsplätze kommen, die nicht im Hochlohnsektor liegen. An jedem Kernarbeitsplatz in Bergbau und energieintensiven Industrien, hingen drei bis vier Mal so viele etwa bei Dienstleistern wie Caterern oder Security. Auch deren Beschäftigten müsse man eine Chance geben: „Ich habe weniger Sorge, den Baggerfahrer wieder in Arbeit zu kriegen.“

Landrat Hartmut Handschak (parteilos) ergänzte: Die Leuchtturmprojekte seien schon weit gediehen. „Wir wollen jetzt auch nach Projekten in den Gemeinden gucken, die uns in der Fläche voranbringen.“ Eine Therme in Bad Lauchstädt könne eines davon sein.

Speichermöglichkeiten für erneuerbare Energie in der Region

Im Forum ging es aber auch um das große Ganze: Die Energiewende und -sicherheit. Der Kreistagsvorsitzende Andrej Haufe (CDU) wollte wissen, wie letztere für die energiebedürftige Industrie der Region gewährleistet werden soll, wenn das Kohlekraftwerk in Schkopau den Betrieb einstellt. Der Vertreter des Umweltministeriums gab das Ziel aus, dass man bis 2034 Kohlestrom komplett durch erneuerbare Energien ersetzt haben will. Das werde aber nicht nur Energie aus dem Revier sein.

Wichtig seien auch Speichermöglichkeiten verwies er auf Wasserstoffprojekte in Leuna und Bad Lauchstädt. Neue Gaskraftwerke, wie laut Handschak eines in Schkopau bereits in Planung sei, sollten nur eine Übergangslösung darstellen. In dieser Phase, räumte Haseloff ein, befinde man sich in einem Dilemma. Denn bei Engpässen müsse dann noch Strom aus Polen und Frankreich importiert werden: Das wäre oft Kohle- und Atomstrom. (mz)