Herbert Köfer bei Defa-Filmtagen

Schauspiellegende Herbert Köfer zu Gast bei Merseburger Defa-Filmtagen

Merseburg - Wegen ihm hatte sich so mancher eine Karte für die elften Merseburger Defa-Filmtage gekauft: Schauspiellegende Herbert Köfer („Rentner haben niemals Zeit“, „Nackt unter Wölfen“, „Pension Schöller“).

Von Undine Freyberg

Wegen ihm hatte sich so mancher eine Karte für die 11. Merseburger Defa-Filmtage gekauft: Schauspiellegende Herbert Köfer („Rentner haben niemals Zeit“, „Nackt unter Wölfen“, „Pension Schöller“). Der 95-Jährige erzählte im Anschluss an den Film „Jungfer, sie gefällt mir“  wie er zum Beispiel für einen Film reiten lernen musste, und dass er dabei mehr Angst als alles andere gehabt habe. Und er räumte auch mit dem Mythos auf, dass er der erste Nachrichtensprecher des DDR-Fernsehens war.  „Das steht zwar überall, aber das stimmt nicht“, erzählte er den Gästen des Filmgesprächs im Anschluss an die Filmvorführung.

Als das DDR-Fernsehen anfangen wollte zu senden, habe man sich Schauspieler geholt, um die unterschiedlichen Sendeformate zu testen. So sei es passiert, dass   er mal die Aktuelle Kamera gesprochen habe. Erstmals hatten ihn die Zuschauer am 21. Dezember 1952 als Sprecher gesehen. Aber das war offenbar nur ein kurzes Gastspiel.
Köfer hatte als Theaterschauspieler begonnen. Nach der Wende ist er wieder auf die Bretter, die die Welt bedeuten, zurückgekehrt. 40 Jahre lang hat er davor höchst erfolgreich in Defa-Filmen gespielt. Zur Zeit und zur Arbeit in der DDR gefragt, sagte Köfer: „Ich bereue es nicht, dass ich 40 Jahre lang in diesem Land gelebt habe.“

„Ein toller Schauspieler“

„Den Mann muss man einfach mal live gesehen haben“, lächelt Birgit Hartmann aus Bad Dürrenberg und macht im Foyer des Domstadtkinos noch schnell ein Foto von Herbert Köfer. „Das ist wirklich ein toller Schauspieler.“ Das meinten auch viele andere und warteten geduldig, um sich zum Beispiel Köfers Memoiren „Nie war es so verrückt wie immer“ signieren zu lassen. Auch Köfers Freund Harald Kretzschmar, Karikaturist und Publizist, war unter den Gästen, zückte im Anschluss noch den Zeichenstift und porträtierte einige Gäste - unter anderem Günter Zorn, der extra aus Halle nach Merseburg gekommen war.

„Das konnte ich mir doch nicht entgehen lassen. So ein toller Karikaturist. Ich kenne seine Zeichnungen aus dem Eulenspiegel, und jetzt habe ich gleich drei Originale von ihm. Einfach toll.“ Er sei noch nie bei den Defa-Filmtagen gewesen, gesteht der 67-Jährige. „Aber vielleicht komme ich nächstens Jahr wieder.“

„Über sieben Brücken musst du gehen“

Eine Premiere gab es auch für Viola Schweizer, die Hauptdarstellerin im Film „Über sieben Brücken musst du gehen“ von 1978. Im Filmgespräch gesteht die Frau, die 1971 in Leuna Chemiefacharbeiterin gelernt hatte, dass sie diesen Film jetzt in Merseburg zum ersten Mal gesehen hat. Im Beisein von Helmut Richter, der nicht nur die Liebesgeschichte für den  Film, sondern auch den Text zum Karat-Hit  geschrieben hatte, erzählte die  61-Jährige, dass man  die Jungs von Karat  nur schwer überzeugen konnte, das Lied für den Film zu spielen.

„Die sagten Nö, wieso sollten wir das machen, wir verdienen doch richtig gut, wenn wir hier durch die Lande ziehen und Konzerte geben“, erinnerte sich Schweizer. Erst als man der Band einen Plattenvertrag bei Amiga versprach, hätten die Musiker zugestimmt. „Ich wusste sofort, dass das ein Hit werden würde“, erzählte Helmut Richter. Das habe er auch gleich gesagt, als  Karat-Komponist Ulrich „Ed“ Swillms das Demo-Band mit dem Song erstmals vorstellte. und wo ist das Demo-Band eines der berühmtesten deutschen Hits abgeblieben? Ein Fahrer, der  damals bei den Dreharbeiten gearbeitet hat,  hat es offenbar für 5.000 oder 8.000 Euro verkauft.  (mz)