Saalekreis

Saalekreis: Nicht nur ihr Alter bleibt ein Rätsel

BRANDERODA/MZ. - Die Kopflindenreihe dort ist alt und selten und vielleicht in dieser Art einmalig. Früher wurden diese Bäume sogar bewirtschaftet. Der Branderodaer Gärtnermeister Klaus Popko hat jetzt versucht, ihnen auf die Spur zu ...

Von DIANA DÜNSCHEL 15.11.2011, 18:41

Die Kopflindenreihe dort ist alt und selten und vielleicht in dieser Art einmalig. Früher wurden diese Bäume sogar bewirtschaftet. Der Branderodaer Gärtnermeister Klaus Popko hat jetzt versucht, ihnen auf die Spur zu kommen.

"Die Bemerkung über die Bewirtschaftung, die ich im kleinen Geschichtsexkurs zum Ort auf der Speisekarte des Wirtshauses fand, machte mich neugierig", bekennt Klaus Popko. Außerdem kenne doch jeder nur Kopfweiden. "Die Branderodaer Kopflinden sahen etliches kommen und gehen und könnten uns eine Menge erzählen, tun das aber leider nicht", bedauert er - und begann zu recherchieren.

Was der Branderodaer nun in seinem Vortrag vor über 85 Interessierten vorstellte, war das Ergebnis monatelanger Arbeit. Denn bekannt ist zwar, dass die "Drei Linden" das Wahrzeichen der Gemeinde sind und es sich bei ihnen nur um einen Teil einer ehemaligen Kopflindenreihe auf dem Distelberg handelt. Kenner wissen auch, dass heute nur noch der Rest von vier Kopflinden steht, der Kopf einer fünften vor einigen Jahren abbrach und heute neben der Lindenreihe im Gras liegt. Doch wie alt sind die Bäume, und aus welchem Grund wurden sie einst gepflanzt?

Um es vorwegzunehmen, mit exakten Antworten auf diese Fragen konnte der Gärtnermeister am Ende nicht dienen. Unter anderem hatte er von der umgestürzten Linde ein Stück Ast von oberhalb des Kopfes abgesägt und versucht, die Jahresringe zu zählen. Nur war der Ast hohl, das Vorhaben misslang. Klaus Popko konnte so nur eine Schätzung wagen und sprach von 150 bis 250 Jahren.

Immerhin fand er viele mögliche Gründe, warum die Bäume dort stehen. "Sie könnten eine Wegmarkierung gewesen sein oder man schätzte ihren Nutzen als Rohstoffquelle", meinte der Branderodaer. Denn zumindest über die Bewirtschaftung fand er eine Menge Material, unter anderem auch in einem Lehrbuch seines Großvaters, der einst als Förster im Gut angestellt war. Er nannte nicht nur die Verwendung als Brennholz, das Sammeln der Blüten oder das Laub als Futter für die Ziegen. Klaus Popko erzählte auch vom Lindenholz als begehrtes Flechtmaterial, aus dem selbst Ötzi seine Schuhe fertigte. Um immer wieder für natürlichen Nachschub zu sorgen, wurden die Linden regelmäßig an einer bestimmten Stelle geköpft. So entstand nach und nach ihre einzigartige von Menschenhand gemachte Form.

"Mein Wunsch wäre eine intensivere Untersuchung zu den Kopflinden von Branderoda", betont Klaus Popko abschließend. Da ihm persönlich aber die Zeit fehle und auch die materiellen Mittel für eine umfassendere Erforschung nicht zur Verfügung stünden, wäre es schön, wenn man das Projekt gemeinsam mit anderen Interessierten, möglicherweise Studenten, Universitäten oder Landesämtern, verwirklichen könne, ist seine Überlegung.

Klaus Popko ist zu erreichen per Mail: info@gaertnermit4p.de