Projekt „Kreuzweise“

Nach der Idee einer Merseburgerin entsteht ein Film über Vorurteile

Das Projekt „Kreuzweise“ suchte Themen, die junge Menschen im Wahljahr beschäftigen. Nach der Idee einer Merseburgerin entsteht nun ein Film über Vorurteile.

Von Robert Briest
An drei Drehtagen setzte das Team die Filmidee von Jasmin Bauch um.
An drei Drehtagen setzte das Team die Filmidee von Jasmin Bauch um. (Foto: Robert Briest)

Merseburg/MZ - „Kamera läuft und Klappe“, gibt Regisseur Markus Schwennigcke die Order. Dann hebt die junge Darstellerin vor dem grünen Hintergrund langsam ihren Kopf und blickt direkt in das Objektiv. Und gleich noch mal und noch mal. Es läuft der dritte und letzte Drehtag im Studio des Offen Kanals in Merseburg. Die Aufnahmen werden Teil eines fünfminütigen Kurzfilms für das Projekt „Kreuzweise“, das der Landesverband der offenen Kanäle gemeinsam mit weiteren Partnern ausgerufen hat. Junge Menschen sollten Ideen für „umgekehrte Wahlspots“ liefern, erklärt Philipp Schüller, der Regionalkoordinator des Projekts: „Was sind eigentliche die Themen von jungen Menschen im Wahljahr?“

Eine Jury bewertete im Frühjahr die eingereichten Ideenskizzen und wählte zehn aus, die gefördert und verfilmt werden. Zwei davon stammen aus Merseburg, eine aus der Feder von Jasmin Bauch. Die Studentin der Kultur- und Medienpädagogik sagt, sie habe eigentlich gar nicht bewusst nach einer Idee für den Wettbewerb gesucht. Trotzdem kam ihr des Nachts eine.

Kreuzweise-Workshop mitgemacht

In ihrer nun von Schwennigcke verfilmten Geschichte geht es um Schubladendenken: In einer dystopischen Gesellschaft wetten die Leute darauf, in welche Schublade junge Menschen, in diesem Fall die junge Protagonistin vom Einstieg, gesteckt werden. Der andere Hauptdarsteller spielt einen Mann, der ein wenig spät ins Wettbüro kommt und so den Betrieb dort durcheinander bringt.

Sie habe bei dem Kreuzweise-Workshop mitgemacht. Da sei auch der Wahlwerbespot einer jungen Frau gezeigt worden, die sich in den USA um ein Amt beworben hat, erzählt Bauch den Hintergrund: „Ich habe dann überlegt, wie ich das machen würde, was in meiner Kindheit und Jugend vorgefallen ist.“ Sie berichtet von klassischen Geschlechterstereotypen und dass sie als Fußballerin auch gleich in eine Schublade gesteckt wurde. „Ich habe dann überlegt, welche Vorurteile man selbst ungewollt hat. Dass man, wenn man eine Frau mit Kopftuch sieht, gleich denkt, das muss eine Geflüchtete sein.“

„In dem Film geht es um die Relevanz der Kultur für die Gesellschaft.“

Ihre Skizze sei schon recht detailliert gewesen, berichtet die Studentin. Koordinator Schüller habe für die Umsetzung dann einen Regisseur gesucht, der habe aus der Skizze ein Drehbuch gemacht. Von der Umsetzung konnte sich Bauch nun an zwei der drei Drehtage selbst überzeugen. „Ich habe da überall mal mit reingeschnuppert. Die haben mir viel gezeigt. Dann habe ich mich vor allem um den Ton gekümmert.“ Die Erfahrung habe bei ihr Lust auf mehr geweckt: „Aber ich habe auch gesehen, wie anstrengend es ist. Ich hätte nicht gedacht, wie viel Aufwand da drin steckt.“

Denn allein die Crew am dritten Drehtag umfasst sechs Leute. Hinzu kamen im Laufe der Filmarbeiten die beiden Hauptdarsteller und eine Reihe von Komparsen. Sie alle können sich voraussichtlich am 28. August das erste Mal auf der Leinwand sehen. Dann sollen alle zehn Kurzfilme des Projekts in der Sixti-Ruine in Merseburg laufen.

Unter ihnen wird dann auch die zweite Idee aus der Domstadt sein, die von Lea-Marie Körner. Die werde in den kommenden Tagen verfilmt, erzählt Regionalkoordinator Schüller. Die Dreharbeiten würden allerdings in Halle stattfinden. „In dem Film geht es um die Relevanz der Kultur für die Gesellschaft.“