Merseburger Defa-Filmtage

Merseburger Defa-Filmtage: Klebeband für 35-Millimeter-Filme

Merseburg - Das Merseburger Domstadtkino hat als eines von wenigen Filmtheatern noch die Technik, auch nicht digitalisierte Streifen zeigen zu können.

Von Diana Dünschel

Vom 17. bis 19. März finden die zwölften Merseburger Defa-Filmtage mit dem Thema „Mannsbilder“ statt. Und im Domstadtkino haben längst die Vorbereitungen dafür begonnen. Denn eine Aufgabe des Teams um Kinobetreiber Ulrich Jacobi ist es, die vom Förderverein Kino Völkerfreundschaft als Veranstalter ausgesuchten Filme zu bestellen und vorführgerecht zu machen.

Das ist bei zwei, drei Streifen aufwendiger als normal. Gemeint sind jene 35-Millimeter-Filme, die noch nicht digitalisiert sind wie beispielsweise „Verzeihung, sehen Sie Fußball?“, der am 17. März um 14 Uhr läuft. „Heutzutage kommen die Filme auf Festplatte an. Was wir hier machen, ist total ungewöhnlich“, erklärt Ulrich Jacobi.

35-Millimeter-Filme: Das Ende von Rolle eins wird mit ganz normalem durchsichtigen Klebeband mit dem Anfang von Rolle zwei verbunden

Denn in diesem Fall liegen zu Füßen von Kino-Mitarbeiter Denis Hahndorf eine Handvoll sogenannte Akten. Die haben nichts mit Papier und Büro zu tun. Der Begriff kommt vielmehr von den Akten, in die ein Theaterstück unterteilt ist. Eigentlich aber sind es einfach Kunststoffrollen, die jeweils Teile des Films enthalten.

Die müssen vor Ort zu einem in diesem Fall 2.345,9 Meter langen Film zusammengeklebt werden. Denis Hahndorf lässt sie dazu über eine Spule laufen. Das Ende von Rolle eins wird dann mit ganz normalem durchsichtigen Klebeband mit dem Anfang von Rolle zwei verbunden. Ein zweiter dünner weißer Klebestreifen an der Außenseite markiert diese Stelle. Das ist wichtig, damit sie Denis Hahndorf anschließend wiederfindet.

35-Millimeter-Filme: Was man beim Filmegucken bemerkt, sind die Qualitätsunterschiede zu den modernen Werken

Denn ist der auf einer Art Riesenteller aufgespulte Film über die Leinwand geflimmert, entfernt er den Klebestreifen wieder, packt die Rollen in die Akten und schickt diese zum Filmverleih zurück. Zwischendurch hat der normale Kinobesucher übrigens nichts von den Klebestellen bemerkt, versichern Ulrich Jacobi und Denis Hahndorf. Bei 24 Einzelbildern pro Sekunde wäre das auch schon eine Meisterleistung des Gehirns.

Was man beim Filmegucken natürlich bemerke, seien die Qualitätsunterschiede zu den modernen Werken, gibt Ulrich Jacobi aber zu. Altersspuren könne man nun mal nicht entfernen. Und „Verzeihung, sehen Sie Fußball?“ ist mit seinen 33 Jahren dabei noch ein relativ junger Defa-Film. „Tilman Riemenschneider“, ebenfalls ein nicht digitalisierter 35-Millimeter-Film, der am 19. März um 14 Uhr auf dem Programm steht, wurde im Vergleich dazu 1958 gedreht.

35-Millimeter-Filme können nur noch in wenigen Kinos wie im Merseburger Domstadtkino gezeigt werden

Beide können so nur noch in wenigen Kinos wie eben im Merseburger Domstadtkino gezeigt werden. Grund: Die meisten anderen haben inzwischen ihre komplette Ausrüstung auf Digitalisierung umgestellt und die alte Technik rausgeschmissen. Das habe was mit Platzverhältnissen zu tun, erklärt Ulrich Jacobi. Der sei in Merseburg zum Glück vorhanden. Ein anderes Problem für das Vorführen von 35-Millimeter-Filmen ist ihm zufolge, dass die meisten Kino-Mitarbeiter die Technik des Zusammenklebens gar nicht mehr beherrschten. Denn das gehöre zur Ausbildung nicht mehr dazu, wie es den Beruf des Filmvorführers so nicht mehr gebe.

Dafür ist mit modernster Computertechnik ganz schnell ein Werbeclip für die Defa-Filmtage fertiggestellt. Andreas Möhwald vom Kino-Förderverein hat sich um den Trailer gekümmert, der ab sofort vor allen Vorstellungen läuft. Sogar das gemalte Strichmännchen ist von ihm. (mz)