Integration

Merseburger Bündnis ist noch weit vom Ziel entfernt

Der Zusammenschluss für Vielfalt und Zivilcourage besteht seit zehn Jahren. Wer die Mitglieder sind, wofür sie kämpfen und was sie künftig vorhaben.

Von Diana Dünschel 10.05.2022, 15:00
Sebastian Striegel (vorn), Landtagsabgeordneter von B90/Die GRÜNEN, bei einem vom Bündnis organisierten Seifenkistenrennen, denn es geht den Mitgliedern nicht nur um Politik, sondern auch um das Zusammenbringen von Menschen aller Kulturen.
Sebastian Striegel (vorn), Landtagsabgeordneter von B90/Die GRÜNEN, bei einem vom Bündnis organisierten Seifenkistenrennen, denn es geht den Mitgliedern nicht nur um Politik, sondern auch um das Zusammenbringen von Menschen aller Kulturen. Foto: Bündnis Merseburg für Vielfalt und Zivilcourage

Merseburg/MZ - Demokratie, Vielfalt, Integration, Dialogbereitschaft, Zivilcourage und solidarisches Miteinander sind Ziele, die für das Zusammenleben in der Region Merseburg 2022 noch genauso aktuell sind wie vor zehn Jahren. Das wird deutlich, wenn man die Gründe für die Bildung des „Bündnisses gegen Rechts“ 2012 mit dem vergleicht, was sich das heutige „Bündnis Merseburg für Vielfalt und Zivilcourage“ auf die Fahnen geschrieben hat.

Bei einer Festveranstaltung anlässlich des zehnjährigen Jubiläums Sonntag im Domstadtkino wurde einerseits zurückgeblickt und andererseits darauf verwiesen, dass die Arbeit der Ehrenamtler auch weiter notwendig ist. „Warum? Wir erleben seit 2015 eine Spaltung der Gesellschaft. Integration ist bis heute nicht zu sehen.

Es muss doch ein friedliches Zusammenleben möglich sein. Stattdessen werden die Ausländer beleidigt, ausgeschlossen und ausgegrenzt. Es gibt Fake News und Verleugnung, und es gibt nach wie vor hier rechte Kräfte“, sagt Jens Voigt, der als Mitglied des Koordinierungskreises des Bündnisses einer der Ansprechpartner nach außen ist.

Um entsprechend dem 2017 geänderten Bündnis-Namen für mehr Vielfalt und Zivilcourage einzustehen und zu werben, organisieren Jens Voigt und seine Mitstreiter Aktionen wie die Menschenkette gegen die Demo der Impfgegner vor dem Merseburger Klinikum im Januar.

Aber es soll nicht nur um Politik gehen. Deshalb lädt das Bündnis beim diesjährigen Merseburger Kultursommer wieder zum Seifenkistenrennen ein. „Wir möchten Vorurteile abbauen, Verständnis schaffen, Vielfalt zeigen. Wir sind schließlich eine gemeinsame Stadtbevölkerung“, sagt er.

Dem Bündnis gehören aktuell Parteien wie die Linke, die SPD und die Grünen an. Dazu kommen Vereine wie „KLinke“ (Kulturelle Linke) und „Sowas“, der ehemalige Domstraßenverein. Initiativen wie die vom „12. August“ gehören ebenfalls dazu und weiterhin Gewerkschaften und Einzelpersonen. Einmal im Monat treffen sie sich, um aktuelle Themen und die Tagespolitik zu besprechen.

Jens Voigt wünscht sich künftig noch mehr Mitstreiter. „Wir müssen uns breiter aufstellen. Die Bereitschaft zur Mobilisierung wie vor zehn, 15 Jahren ist so nicht mehr gegeben. Das möchten wir wieder ändern.“ Er freut sich über die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Bündnissen wie dem Verein Miteinander, dem Bündnis „Querfurt für Weltoffenheit“ oder dem Bündnis „Halle gegen Rechts“.

Auch durch die Mitgliedschaft bei „Unteilbar Sachsen-Anhalt“ hätten sich viele Kontakte ergeben. Luft nach oben gebe es beim Bündnis, was das Aktivsein in den sozialen Medien betreffe, schätzt er ein. „Wir sind zwar stark auf Facebook, müssen jedoch stärker werden.“

Dass man gemeinsam etwas erreichen kann, davon berichtet Bündnis-Mitglied Marlies Schmädeke. Sie erinnert sich an die Anfänge, an das Auflehnen von Stadträten, Kirchen und Parteien gegen die Neonazi-Aufmärsche jährlich am 17. Juni in Merseburg und an den Aufruf „Deine Stunde für Demokratie“ 2011. Zwischen 300 und 400 Protestierende hätten daran teilgenommen. Das sei ausschlaggebend für die Gründung, den offiziellen Zusammenschluss, gewesen.

Sie war selbst bei einer Sitzblockade, die einen der Aufzüge stoppte und zum Rückzug zwang. Sie ist überzeugt, dass dieser Widerstand dazu führte, dass es irgendwann keine solchen Aufzüge mehr gab. Dafür nahmen die Angriffe gegen Migranten zu. Deshalb hat sie immer weiter gekämpft und ist bis heute eine der Mitstreiterinnen des Bündnisses.