Jugendliche wollen mitreden

Jugendliche wollen mitreden: Wird es bald ein Jugendparlament für den Saalekreis geben?

Merseburg - Die Jugendlichen im Saalekreis wollen nicht nur Gehör finden, sondern auch mitreden. Erstmals wollen vier Jugendliche aus Merseburg, Schkopau und Bad Dürrenberg ein Jugendparlament aufbauen und haben schon sehr konkrete Ideen. In den vergangenen Monaten haben die Jugendlichen einen Fahrplan erarbeitet, den sie nun einigen politischen Vertretern in einer Diskussionsveranstaltung in Merseburg vorgestellt haben. Gekommen waren aber längst nicht alle geladenen ...

Von Melain van Alst 28.10.2019, 16:11

Die Jugendlichen im Saalekreis wollen nicht nur Gehör finden, sondern auch mitreden. Erstmals wollen vier Jugendliche aus Merseburg, Schkopau und Bad Dürrenberg ein Jugendparlament aufbauen und haben schon sehr konkrete Ideen. In den vergangenen Monaten haben die Jugendlichen einen Fahrplan erarbeitet, den sie nun einigen politischen Vertretern in einer Diskussionsveranstaltung in Merseburg vorgestellt haben. Gekommen waren aber längst nicht alle geladenen Gäste.

Jugendlichen gründen eine Arbeitsgruppe mit der Hochschule Merseburg 

„Ziel ist, dass wir Antragsrecht bekommen“, sagt Niklas Oliver Steinhoff selbstbewusst stellvertretend für das Team. Die Jugendlichen möchten auf Kreisebene in der Politik eine Stimme haben. Der Vorschlag: 39 Kinder und Jugendliche zwischen 13 und 21 Jahren sollen ein Parlament stellen, das sich mit Themen ihrer Altersgruppe beschäftigt und ihre Interessen vertritt. Gewählt werden soll online, erklärt Moritz Eichelmann, Mitglied des Organisationsteams.

„Jeder bekommt einen Code, der nur einmal nutzbar ist.“ Um eine solche Online-Wahl zu realisieren, wollen die Jugendlichen eine Arbeitsgruppe mit der Hochschule Merseburg gründen, dies hätten sie bereits angeschoben. Um die Zahl der wahlberechtigten Kinder und Jugendlichen zu ermitteln, sei man allerdings auf die Zuarbeit der Einwohnermeldeämter der Städte angewiesen. Geplant seien 16 Wahlkreise im gesamten Kreisgebiet.

Antrags- und Rederecht in den politischen Gremien auf Kreisebene durchsetzen

Auch die Zusammensetzung des Parlamentes hat sich das Team schon überlegt. Je nach Größe der Stadt werden die Sitze verteilt. Merseburg und Landsberg könnten etwa vier Sitze erhalten, Teutschenthal und Schkopau drei, Bad Dürrenberg und Petersberg zwei. Das Weida-Land würde aufgrund von weniger dort wohnender Jugendlichen zwei Sitze bekommen, einen für das nördliche und einen für das südliche Weida-Land. „Wir wollen nicht nur Mitglieder aus dem Ballungsraum, sondern alle Ecken des großen Saalekreises beteiligen“, begründet Steinhoff die Entscheidung.

Den Wunsch, die Jugend aktiv zu beteiligen, will das Team zum einen durch Rederecht in den politischen Gremien auf Kreisebene durchsetzen, aber vor allem wollen sie ein Antragsrecht, um ihre Ideen in den Kreis-Ausschüssen einbringen zu können. Mit all der Vorbereitung legen die vier Jugendlichen ein hohes Tempo an den Tag. Sie haben sich erstmals im August getroffen und wollen nächstes Jahr mit der Arbeit beginnen.

Politiker im Saalekreis wollen Vorhaben der Jugendlichen unterstützen

Ihr Vortrag endet daher mit einem Antrag für den Kreistag, den Lucas-Leon Essel verliest. Darin fordern sie, dass das Jugendparlament als kommunalpolitisches Organ anerkannt wird und der Kreis nach einer Möglichkeit zur Finanzierung suchen soll. Auch einen Ansprechpartner im entsprechenden Dezernat der Verwaltung wünschen sich die Jugendlichen in ihrem Antrag.

Geduldig hören die Gäste zu, zu denen Mitglieder des Kreistags, einige Vorsitzende von Stadträten aus den Gemeinden und der Kreistagsvorsitzende Andrej Haufe (CDU) zählen. Sie wollen anschließend vor allem eines: das Vorhaben unterstützen. Der direkte Weg, so Haufe, führe jedoch über die Kreisverwaltung.

Jugendparlament im Saalekreis nicht so schnell, wie gedacht

„Die hatten wir auch eingeladen“, fügt Essel hinzu und nennt den Landrat sowie den Sozialdezernenten. Haufe schlug vor, einen Termin im Schloss zu machen, damit ein entsprechender Antrag von der Verwaltung in die politischen Gremien eingebracht werden könne. Wenig Hoffnung machte er den Organisatoren jedoch, dass das Jugendparlament bereits im März gewählt und ab 1. April arbeitsfähig sein könnte.

Das sieht der Zeitplan der Jugendlichen vor. Die Mühlen mahlen langsamer in der Politik und er gehe eher vom dritten oder vierten Quartal aus. Den Vorstoß wolle er, wie auch die anderen politischen Vertreter, unterstützen. Michael Finger (Die Linke) sagte, dass das Team bei ihm offene Türen einlaufe und er selbst ein solchen Parlament als notwendig erachte. (mz)