Schwingender Trend

Hula Hoop - Merseburgerin über ihre Leidenschaft für den Reifen

Hula Hoop wurde durch die Pandemie so beliebt wie schon lange nicht mehr. Auch die Merseburgerin Susann Gesell entdeckte ihre Leidenschaft für den Reifen.

Von Laura Nobel
Susan Gesell hat vergangenes Jahr ihre Leidenschaft für Hula Hoop entdeckt und ist nun sogar Trainerin.
Susan Gesell hat vergangenes Jahr ihre Leidenschaft für Hula Hoop entdeckt und ist nun sogar Trainerin. (Foto: Laura Nobel)

Merseburg - Wenn jemand Susann Gesell vor einem Jahr erzählt hätte, dass sie mal Hula-Hoop-Kurse geben wird, hätte sie denjenigen wohl für verrückt erklärt. Bis dato hatte die Merseburgerin nämlich nichts mit den Reifen am Hut. Nicht mal als kleines Mädchen konnte sie sich für Hula Hoop begeistern, was viele aus ihrer Kindheit kennen. „Ich konnte es damals überhaupt nicht“, erinnert sich Gesell. Heute sieht das ganz anders aus, wenn die 34-Jährige gekonnt ihren Reifen um ihre Taille kreisen lässt, sich dabei dreht und Boxbewegungen nach rechts und links macht.

Erst im vergangenen Herbst packte Gesell das Hula-Hoop-Fieber. Durch die sozialen Netzwerke war sie auf den Sport aufmerksam geworden. Dort war während der Pandemie ein regelrechter Hype um das sogenannte „Hullern“ ausgebrochen. „Ich wollte es einfach mal ausprobieren und habe mir einen Reifen bestellt“, erzählt Gesell. Am Anfang habe sie Probleme gehabt, den Reifen oben zu behalten, der immer wieder herunterfiel. Doch nach vier Tagen habe es funktioniert. Und die Merseburgerin wollte gar nicht mehr aufhören. „Ich habe schnell gemerkt, dass es viel Spaß macht und man den Kopf freibekommt. Jegliche Sorgen sind wie weggeblasen.“ Außerdem stärke es den Körper: Hula Hoop trainiere die vorderen, seitlichen sowie unteren Bauchmuskeln und den Beckenboden. „Ich bin dadurch schon viel agiler geworden und habe weniger Rückenschmerzen.“

Nicht zum ersten Mal ist das Hullern so beliebt wie aktuell.

Ihre Begeisterung für diese Sportart wollte Gesell weitergeben. Zunächst steckte sie ihre Freundinnen mit dem Huller-Fieber an und gab ihnen per Videotelefonie Kurse. Dann begann sie, mit ihren Kollegen in der Mittagspause zu hullern. Gesell ist an der Hochschule Merseburg im Dezernat Liegenschaftsverwaltung und Technik tätig. Schnell sprach sich herum, dass die Merseburgerin kleine, private Hula-Hoop-Kurse gibt. Auch das Hochschulsportzentrum bekam Wind davon. „Der Leiter hat mich dann gefragt, ob ich einen Kurs geben möchte. Meine Antwort war erstmal: Nein.“ Doch Gesell überlegte es sich noch einmal und entschied sich dafür, es einfach auszuprobieren. Und das mit Erfolg - der Kurs, der überwiegend online stattfindet, sei beliebt bei den Studenten und Hochschulmitarbeitern. „Man merkt, dass der Trend da ist.“ Das zeigt sich auch im Online-Handel. Oft haben Hula-Hoop-Reifen aufgrund der hohen Nachfrage wochenlange Lieferzeiten oder sind ausverkauft.

Nicht zum ersten Mal ist das Hullern so beliebt wie aktuell. Schon Ende der 1950er Jahre entstand der Trend, als ein amerikanischer Spielzeughersteller den ersten Hula-Hoop-Reifen aus Plastik herstellte und innerhalb eines Jahren 100 Millionen Stück verkaufte.

„Davon hatte ich auch erstmal wieder viele blaue Flecken“

Die Reifen, die heute im Trend sind, sind allerdings keine Spielware. Sie sind deutlich schwerer als der Plastikreifen und in mehrere Einzelteile zerlegt, die man zum Reifen zusammenstecken kann. Anfängermodelle wiegen zwischen einem und 1,5 Kilogramm. Wer das Hullern noch nicht gewöhnt ist, sollte mit fünf Minuten am Tag beginnen, rät Susan Gesell, da sich durch den Reifenkontakt schnell blaue Flecken bilden können. Gesell selbst hat sich kürzlich einen 2,2 Kilo schweren Reifen zugelegt. „Davon hatte ich auch erstmal wieder viele blaue Flecken“, sagt sie über das Modell für Fortgeschrittene, das die Bauchmuskeln stärker beanspruche.

Dass Hula Hoop nun wieder zum Trend geworden ist, könne mit der Pandemie zusammenhängen, vermutet Gesell. Denn Kurse und zahlreiche Sportarten waren plötzlich nicht mehr möglich. Da besticht der Hula-Hoop-Reifen mit seiner Unkompliziertheit: „Man braucht nur sich und den Reifen, muss sich nicht unbedingt Sportsachen anziehen und benötigt nicht viel Platz“, schildert die Merseburgerin. Und Hula Hoop ist sowohl in der Wohnung als auch unter freiem Himmel möglich. „Ich habe immer einen Reifen im Auto und halte manchmal nach der Arbeit am See, um eine Runde zu hullern. Die Leute gucken dann zwar, aber das bin ich schon gewohnt.“ (mz)