Ein Herz für Kunst und Kultur

Ein Herz für Kunst und Kultur: Gründerin des Merseburger Studienkreises gestorben

Merseburg - „Eigentlich wollten wir uns jetzt zusammensetzen und über die Vorbereitungen für die Siegfried-Berger-Ehrungen 2021 sprechen, doch dazu kam es leider nicht mehr“, sagt Michael George, Vorstandsvorsitzender der Merseburger Siegfried-Berger-Stiftung, erschüttert. Vor einigen Tagen habe man die Nachricht erhalten, dass Katrin Gittel (78), die stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung, überraschend verstorben sei. Das war Ende ...

Von Undine Freyberg

„Eigentlich wollten wir uns jetzt zusammensetzen und über die Vorbereitungen für die Siegfried-Berger-Ehrungen 2021 sprechen, doch dazu kam es leider nicht mehr“, sagt Michael George, Vorstandsvorsitzender der Merseburger Siegfried-Berger-Stiftung, erschüttert. Vor einigen Tagen habe man die Nachricht erhalten, dass Katrin Gittel (78), die stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung, überraschend verstorben sei. Das war Ende Mai.

Ihr Herz brannte für Kunst und Kultur

Karin Gittel lagen Kunst und Kultur immer am Herzen. Sie mochte die Malerei und sie mochte die Worte Siegfried Bergers. „In seinen Dichtungen benutzte er eine Sprache, die einfach zauberhaft war. Er sprach zum Beispiel von ,Mittellande' wenn er Mitteldeutschland meinte. Ist doch toll oder“, sagte sie mal in einem MZ-Interview.

„Ich bin sehr froh, dass wir uns in diesem Jahr nochmal gesehen haben“, sagt Maler und Schriftsteller Danilo Pockrandt. Gemeinsam mit seinem Bruder Danny Pockrandt, Fotograf, hatte der 38-Jährige Karin Gittel Anfang des Jahres den neuen, gemeinsamen Merseburg-Kalender vorbeigebracht. „Und sie hat sich sehr gefreut.“ Danilo Pockrandt hatte eine besondere Beziehung zu der Kunst- und Kulturfachfrau.

Karin Gittel tat viel für den kulturellen Austausch zwischen Merseburg und der Partnerstadt Bottrop 

Als 18-Jähriger war er nämlich von ihr auf der Kunstmeile in der Gotthardstraße entdeckt worden, bei der er mit der Kunst-AG des Domgymnasiums vertreten war. Sie lud ihn ein, in den Räumen des Studienkreises auszustellen, den sie leitete. „Da hatte ich dann meine erste öffentliche Ausstellung“, erinnert sich der 38-Jährige, der damals schon die Zusage für sein Grafik- und Buchkunststudium an der Hochschule Burg Giebichenstein in Halle in der Tasche hatte.

„Es ist traurig, dass etwas, das einen mit jemandem verbindet, irgendwann verschwindet. Aber ich habe schöne Gedanken und Erinnerungen an sie, die man gut erzählen kann.“ Da Karin Gittel viel dafür tat, den kulturellen Austausch zwischen Merseburg und der Partnerstadt Bottrop aufrecht zu erhalten, konnten auch die Gebrüder Pockrandt 2014 in Bottrop ausstellen.

1991 hatte Karin Gittel in Merseburg den Studienkreis gegründet

„Zur Vernissage las sie das Gedicht ,Die Muse mit der bunten Bluse’ aus meinem Buch ,Der Kopf ist für das Denken rund’. Und hinterher erzählte sie mir, wie aufgeregt sie war“, erinnert sich Pockrandt lächelnd. Ihre Art sei einzigartig gewesen, und viele hätten ihr gern zugehört. Karin Gittel habe ein Stück seines Lebens begleitet. „Sie spielt in meiner Vita eine wichtige Rolle und es wirkt unreal, dass sie nicht mehr da ist.“

1991 hatte Karin Gittel in Merseburg den Studienkreis gegründet, wo Schüler aus Merseburg und Umgebung Nachhilfeunterricht erhalten konnten. Zuvor hatte sie 16 Jahre als Lehrerin gearbeitet, weitere 16 als Verantwortliche für Kultur beim damaligen Rat des Kreises. „Es war mir immer wichtig, mich ins gesellschaftliche Leben der Stadt einzubringen“, sagte sie 2006, als sie nach 15 Jahren Studienkreis in den Ruhestand ging. 

Ausstellung anlässlich des 75. Todestages von Siegfried Berger

Dafür hatte sie ihre kleine Galerie im Studienkreis geschaffen, in der sie ungefähr 50 Ausstellungen organisierte. Das „schöne Nebenbei“ wie sie es nannte. Dort fand sich häufig ein Anlass, auch mit den Schülern über Bilder, die Kunst und das Leben überhaupt ins Gespräch zu kommen.

An die Gespräche mit ihr erinnert sich auch Danilo Pockrandt gern. „Es ist schade, dass es kein Haus mehr gibt, wo man klingeln kann und sie die Tür öffnet.“ Beim letzten Besuch habe man sich noch umarmt und gesagt: „Tschüss bis zum nächsten Mal“ - ohne zu wissen, dass es kein nächstes Mal geben würde.

Karin Gittels Idee, anlässlich des 130. Geburtstages und des 75. Todestages von Siegfried Berger eine Ausstellung mit Werken verschiedenster Künstler zu organisieren wird dennoch umgesetzt. „Das sind wir ihr schuldig“, sagt Merseburgs früherer Kulturamtsleiter Michael George. (mz)