Domstraßengalerie in Merseburg

Domstraßengalerie in Merseburg: Comeback für ein Kunstprojekt

Merseburg - Nach einem Jahr Pause soll die Domstraßengalerie wiedereröffnen. Diesmal mit sechs statt zwei Bildern. Es sollen künftig mehr werden, sagen die Organisatoren.

Von Robert Briest

Die Löcher fallen dem unbedarften Passanten nicht auf. Nur etwa einen Zentimeter messen sie im Durchmesser und sind noch dazu in gut fünf Metern Höhe. Mitarbeiter einer Leipziger Schlosserei haben sie am Freitag in die historischen Fassaden getrieben. Sie sind die Vorbereitung eines Kunstprojektes, das hier in dieser Woche sein Comeback erleben soll.

Am Freitag wird die Domstraßengalerie wiedereröffnet. Dafür werden dann Stahlseile in den Löchern befestigt und über die namensgebende Straße in der Merseburger Altstadt gespannt. An ihnen sollen drei anderthalb mal zwei Meter große Bilderrahmen mit Platz für je zwei Arbeiten von Künstlern angebracht werden.

Domstraßengalerie Merseburg: Bereits vor zwei Jahren gab es einen ersten Anlauf für das Projekt

Bereits vor zwei Jahren gab es einen ersten Anlauf für das Projekt. Statt ursprünglich angedachter neun hängten die Organisatoren vom in der Domstraße ansässigen Verein Kunsttanke damals allerdings nur einen Rahmen mit zwei Fotografien der Initiatorin Ute Richnow auf. Die zweite Auflage im vergangenen Jahr fiel dann gänzlich aus. Stadt und Kreis bewilligten zwar letztlich Fördermittel, aber aus Sicht von Richnow und ihrem Mann und Mitstreiter Andreas Dorn zu spät, um das Projekt noch umzusetzen.

So konzentrierten sich beide auf 2019 und machten sich frühzeitig auf Sponsorensuche für die Freiluftgalerie, deren Vorbild eine seit vielen Jahren laufende Ausstellung in Radolfzell ist. „Wir haben bewusst Sponsoren aus der Region angesprochen“, berichtet Dorn.

Domstraßengalerie in Merseburg: Kunsttanke benötigt 6.500 Euro

Neben den Geldgebern aus der Wirtschaft tragen vor allem Kreis und Stadt mit Zuschüssen entscheidend dazu bei, dass die Kunsttanke die notwendigen 6.500 Euro zusammenbekommen hat, um in der Domstraßengalerie in diesem Jahr sechs Werke zeigen zu können. Sie stammen von drei Künstlern. Eine davon ist wieder die Merseburgerin Ute Richnow.

Die anderen beiden, Daniela Hussel und Karl Anton, leben und arbeiten in Leipzig. Eine Jury habe sie ausgewählt, erklärt Dorn. Man habe bewusst gestandene Künstler ausgesucht. Es habe auch Bewerber gegeben, deren Arbeiten nicht zum Ausstellungsort gepasst hätten. „Wir wollten den Kontrast zwischen der gegenwärtigen Kunst und den historischen Gebäuden“, erörtert der Initiator. Außerdem müssten die Bilder „miteinander sprechen“, also farblich zusammenpassen.

Domstraßengalerie in Merseburg: Bilder sollen bis April 2020 hängen bleiben

Wie die zwei Fotografien und vier Zeichnungen konkret aussehen, will der Verein erst bei der Vernissage am Freitag ab 16 Uhr zeigen. Die Bilder, die derzeit noch zum Rahmen in Leipzig stehen, sollen laut Dorn auch erst an diesem Tag aufgehangen werden. Zur Eröffnung werde die Domstraße dann für den Verkehr gesperrt. Direkt vor dem neu erworbenen Gebäude der Kunsttanke in der Domstraße 5 wolle man ein Klavier aufstellen, blickt der Organisator voraus. Die Galerie soll anschließend die Stadt beleben und auch Touristen anlocken.

Dafür hat sie nach aktuellen Planungen fast ein Jahr Zeit. Die Bilder sollen bis April 2020 hängen bleiben, sagt Dorn, zumindest sofern man sie nicht wegen eines anstehenden „Megasturms“ abnehmen müsse. Einen Monat später soll dann nach Vorstellungen der Organisatoren bereits die dritte Auflage starten – nach Möglichkeit dann mit noch einem Bildrahmen mehr über der Straße. „Die Domstraßengalerie ist ein langfristiges Projekt. Wir gehen davon aus, dass sie von Jahr zu Jahr wächst“, erklärt Dorn. Die Kosten seien dann auch geringer, weil Rahmen und Seile wiederverwendet werden können. (mz)