„Seit ich drei Jahre alt bin“

„Der sanfte Weg“ zu Boden - Warum junger Landesmeister die Olympiasportart Judo liebt

Der 14-jährige Henry Mittas betreibt Judo schon lange und mit Erfolg, er ist mehrfacher Landesmeister.

Von Julia Bachmann
Henry Mittas (rechts) und Lukas Hillenbrand vom PSV Merseburg im Trainingskampf
Henry Mittas (rechts) und Lukas Hillenbrand vom PSV Merseburg im Trainingskampf (Foto: Katrin Sieler)

Merseburg/MZ - Die Hände von Henry Mittas umgreifen fest das Revers seines Gegners, während er mit den Füßen versucht, diesen zu Fall zu bringen. Er selbst muss zudem den Beinen seines Gegenübers ausweichen, dessen Hände seinen weißen Judoanzug ebenfalls fest im Griff haben. Es ist ein Kampf auf Augenhöhe. Eine kleine Unachtsamkeit kann über Sieg und Niederlage entscheiden, denn bereits ein einziger Punkt reicht zum Gewinnen.

„Ich mache Judo schon, seit ich drei Jahre alt bin“, erzählt Henry Mittas. „Ich habe auch den ein oder anderen Sport ausprobiert, aber beim Judo war ich immer dabei. Ich möchte gar keine andere Sportart mehr machen.“ Und der 14-Jährige ist erfolgreich: Mehrfach konnte er Landesmeister in seiner jeweiligen Kategorie werden.

Judo ist eine japanische Kampfsportart

Judo ist eine japanische Kampfsportart und bedeutet übersetzt so viel wie „Der sanfte Weg“. Es geht darum, den Gegner ohne große Kraftaufwendung, sondern vor allem durch Technik zu Boden zu bringen. Dafür gibt es Würfe und Festhalten. Bewertet wird mit halben und ganzen Punkten, sogenannten Waza-ari und Ippon. Sobald einer der Kämpfer einen Punkt erzielt hat, ist der Kampf beendet, beispielsweise durch einen Wurf, bei dem der Gegner auf dem Rücken landet oder durch das Festhalten am Boden für 20 Sekunden. In der Altersklasse U15, in der Henry antritt, darf ein Kampf maximal drei Minuten dauern. Unterteilt wird dabei noch mal in unterschiedliche Gewichtsklassen, so dass man gegen einen Gegner mit ähnlichem Gewicht kämpft.

Im Training spielt das Gewicht keine Rolle; hier tritt auch mal Klein gegen Groß an. Dabei ist gut zu sehen, dass es in der japanischen Kampfkunst tatsächlich weniger auf die Kraft als auf die Technik ankommt, denn auch die kleineren und leichteren Kinder besiegen ihre größeren Gegner gelegentlich. „Am meisten Spaß machen die Wettkämpfe. Das Training auch, aber da muss man schon aufpassen, dass man niemandem wehtut“, meint Henry Mittas. Der 14-Jährige möchte noch lange mit dem Sport weitermachen, wieder bei Wettkämpfen antreten und besser werden: „Ich möchte nicht vor dem schwarzen Gürtel aufhören“, meint der Judoka, der bereits einen blauen Gürtel umgebunden hat.

Farbsystem für die Gürtel

Wie in anderen Kampfsportarten gibt es auch im Judo ein Farbsystem für die Gürtel, die den Grad des Könnens anzeigen. Die niedrigste Stufe ist der weiße Gürtel; der höchste zu erlangende ist der schwarze. Henry ist nur noch eine Zwischenstufe, braun, von seinem Ziel entfernt. „Mit jedem Gürtel erlernt man andere Techniken. In einer Prüfung muss man zeigen, dass man diese beherrscht, um den entsprechenden Gürtel zu bekommen“, erklärt er. Und selbst wenn er sich irgendwann, wie sein Trainer, den schwarzen Gürtel umbinden kann, möchte er mit dem Sport nicht aufhören: „Ich möchte auf jeden Fall weitermachen. Ich meine, was wäre ich ohne den Sport? Er zeichnet mich aus.“