AfD spricht von „Coronakrieg“

AfD spricht von „Coronakrieg“: Protest gegen Corona-Maßnahmen ruft Gegenprotest hervor

Merseburg - Provokation gehört zum Handwerkszeug eines professionellen AfD-Politikers. So begrüßte der Organisator und Landtagsabgeordnete Daniel Wald am Montagabend auf dem Merseburger Entenplan nicht nur die Demoteilnehmer unter den Augen von Polizei und Versammlungsbehörde per Handschlag, sondern bot diesen auch der Presse ...

Von Robert Briest 11.05.2020, 18:15

Provokation gehört zum Handwerkszeug eines professionellen AfD-Politikers. So begrüßte der Organisator und Landtagsabgeordnete Daniel Wald am Montagabend auf dem Merseburger Entenplan nicht nur die Demoteilnehmer unter den Augen von Polizei und Versammlungsbehörde per Handschlag, sondern bot diesen auch der Presse an.

Der Merseburger Fraktionschef ließ keinen Zweifel daran, was er von Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus hält: nichts.

Wald: AfD an Spitze des Widerstandes gegen Corona-Maßnahmen

Hatte sich die Saalekreis-AfD am Anfang der Coronakrise, als die große Mehrheit der Bevölkerung hinter den Coronamaßnahmen stand, mit öffentlichen Verlautbarungen zurückgehalten, ist sie seit einigen Wochen in ihre gewohnte Rolle zurückgekehrt: die Opposition.

In seinem Redebeitrag vor gut 50 Zuhörern postierte Wald die AfD „an der Spitze des Widerstandes“ gegen die Coronamaßnahmen. Ohnehin ließ es die AfD an Pathos nicht mangeln: Der Protest lief unter dem Label „Montagsdemo“. „Erhalt der Demokratie“ lautete das Thema. Auf dem Haupttransparent wurde Brecht abgewandelt: „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“

AfD spricht von einem „Coronakrieg“

Die drei Redner stellten in ihren Redebeiträgen die Echtheit und Gefährlichkeit der Coronapandemie infrage. So nannte die Merseburger AfD-Stadträtin Manuela Krause Corona „eine medial befeuerte Panik“. Sie klagte: „Die Demokratie ist in Vollnarkose und der Rechtsstaat betäubt.“ Ihr Fraktionskollege Rüdiger Abitzsch sprach gar von einem „Coronakrieg“.

Er warf dem Robert-Koch-Institut und Kanzlerin Angela Merkel vor, Fallzahlen nach oben zu manipulieren. Unter Berufung auf den Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel, der nach der Untersuchung von Covid19-Toten die These vertritt, die meisten Betroffenen seien durch den Virus nur etwas früher gestorben, verkündete Abitzsch, dass in Hamburg kein einziger nur an Corona gestorben sei.

Gegenprotest durch „Merseburg für Vielfalt und Zivilcourage“

Gegen die AfD-Kundgebung hatte das Bündnis „Merseburg für Vielfalt und Zivilcourage“ einen Protest mit etwa 15 Teilnehmern organisiert. Sie hängten zahlreiche Plakate mit Slogans wie „Wirr ist das Volk“ und „Hand in Hand für Vielfalt“ auf.

Ein Sprecher begründete die Aktion damit, dass man nicht einverstanden sei mit den „verschwurbelten Theorien“ der AfD-Demo: „Wir sind auch nicht damit einverstanden, dass sie jetzt schon Lockerungen fordern, wo der Reproduktionsfaktor wieder nach oben geht.“ (mz)