70 Mitarbeiter vor dem Aus?

70 Mitarbeiter vor dem Aus?: Aqualeuna plant Produktionsanlage in Leuna zu schließen

Leuna - Es ist ein schwerer Schlag, den die rund 70 Mitarbeiter des Unternehmens Aqualeuna nur wenige Wochen vor Weihnachten verkraften müssen: Ihr Arbeitgeber plant offenbar die baldige Schließung der Produktionsanlage am Chemiestandort Leuna. Wann genau die Herstellung von Textilgarnen eingestellt werden soll, ist noch unklar. Doch nicht nur deshalb stehen die Beschäftigten vor einer unsicheren Zukunft. Die Industriegewerkschaft (IG) Metall versucht ihnen nun den Rücken zu ...

Von Michael Bertram und Melain van Alst 16.11.2019, 07:00

Es ist ein schwerer Schlag, den die rund 70 Mitarbeiter des Unternehmens Aqualeuna nur wenige Wochen vor Weihnachten verkraften müssen: Ihr Arbeitgeber plant offenbar die baldige Schließung der Produktionsanlage am Chemiestandort Leuna. Wann genau die Herstellung von Textilgarnen eingestellt werden soll, ist noch unklar. Doch nicht nur deshalb stehen die Beschäftigten vor einer unsicheren Zukunft. Die Industriegewerkschaft (IG) Metall versucht ihnen nun den Rücken zu stärken.

Gewerkschaft will, dass Aqualeuna eine Transfergesellschaft bildet

Wie die Gewerkschaft am Donnerstag mitteilte, sei den Beschäftigten bereits Ende September offenbart worden, dass der Standort in Leuna vor dem Aus stehe. „Dies hat der Betriebsrat zwar befürchtet, jedoch gehofft, dass mit der Überbrückung durch Kurzarbeit und der Erarbeitung von Alternativkonzepten eine Kehrtwende erreicht werden kann“, sagte Almut Kapper-Leibe, Geschäftsführerin der IG Metall Halle-Dessau. „In den bisherigen Verhandlungen zu einem Interessenausgleich und Sozialplan wurde deutlich, dass die Geschäftsführung auf stur stellt, null Interesse hat, über Alternativen nachzudenken und die jetzt von der Schließung betroffenen Beschäftigten zu wesentlich schlechteren Bedingungen gehen sollen“, sagte sie.

„Diese Haltung ist absolut inakzeptabel.“ Noch an diesem Freitag sollen Verhandlungen mit Hilfe einer Einigungsstelle stattfinden. Ziel der Gewerkschaft ist es, Aqualeuna beziehungsweise den italienischen Mutterkonzern Aquafil dazu zu bewegen, eine Transfergesellschaft zu bilden, um den Beschäftigten so zumindest vorübergehend zu helfen. Ein erfahrener Arbeitsrichter wird laut Gewerkschaftsangaben die Verhandlung leiten.

Textilproduktion der Aqualeuna bereits seit den 90er Jahren am Standort Leuna

Das Unternehmen selbst wollte sich am Donnerstag noch nicht zu den Schließungsplänen äußern. Christof Günther, Geschäftsführer des Standortdienstleisters Infra Leuna, bestätigte, bereits Kenntnis von den Schließungsplänen zu haben. „Für die Mitarbeiter ist das eine ganz bedauerliche Sache“, erklärte er am Donnerstag. Für den Standort selbst würde die Schließung derweil keine großen Auswirkungen haben.

„Die Garnfertigung steht ganz am Ende der Produktionskette, so dass die Schließung keine Folgen für den Chemieverbund haben wird“, betonte der Infra-Chef. Ganz so überraschend kommt die beabsichtigte Schließung von Aqualeuna unterdessen nicht. Zwar existiert die Textilproduktion bereits seit den 90er Jahren am Standort Leuna. Für Schlagzeilen sorgte das Unternehmen Aqualeuna aber vor allem seit dem Jahr 2013.

Mit Schließung der Produktionsanlage ostdeutsche Textilbranche unter Druck

Damals fungierte der Garnhersteller noch unter dem Namen Xentrys und gehörte als Tochter zum Chemieriesen Domo, der die Sparte an die italienische Aquafil-Gruppe verkaufte. Mit dem Kauf wollten die Südeuropäer zum Marktführer aufsteigen. Dank des Know-hows, der Stellung am Markt und der modernen Produktionsanlagen von Xentrys würde man diesem Ziel einen Schritt näher kommen, hieß es noch vor sechs Jahren. In den folgenden Jahren wurden die damals noch 250 Arbeitsplätze in dann jedoch mehreren Schritten abgebaut. Erst vor gut einem Jahr hatte das Unternehmen weitere 30 Beschäftigte entlassen, mit dem Ziel, sich zu stabilisieren. Dies wurde aber offenbar verfehlt.

Die ostdeutsche Textilbranche steht unter Druck. Erst an diesem Dienstag hatte der Branchenverband das Klimapaket des Bundes kritisiert. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit sei angesichts steigender Energiekosten und des geplanten Emissionshandels gefährdet, hieß es. „Wir wissen nicht, ob dies bei Aqualeuna der entscheidende Grund war“, sagte Gewerkschaftsfunktionärin Almut Kapper-Leibe. „Es wäre schön, mal etwas zu erfahren.“ (mz)