Unter einem Dach mit Bach

KÖTHEN/MZ. - Greiner, vom Atelier für Architektur und Design (AAD) als Erläuterer in den Ausschuss gesandt, hat auf alles eine Antwort, ob direkt vor Ort im Obergeschoss des Marstalls oder eine Etage tiefer, wo eine Präsentation über Beamer ...

Von MATTHIAS BARTL 24.09.2009, 16:54

Greiner, vom Atelier für Architektur und Design (AAD) als Erläuterer in den Ausschuss gesandt, hat auf alles eine Antwort, ob direkt vor Ort im Obergeschoss des Marstalls oder eine Etage tiefer, wo eine Präsentation über Beamer läuft.

Die Sicherheit darüber, wie man baulich vorgehen will, ist auch notwendig. Vor nicht einmal zwei Wochen hat Landeskultusminister Jan-Hendrik Olbertz den Fördermittelbescheid für den Umbau der Musikschulräume im Köthener Schloss in die Kreisstadt gebracht. Ein froher Gruß aus dem Konjunkturpaket II im Umfang von ganz präzisen 997 500 Euro. Damit übernimmt das Land 87,5 Prozent der Kosten, die restlichen, immer noch ansehnlich großen 12,5 Prozent steuert der Landkreis aus Eigenmitteln bei.

Eingang im Torbogen

Wenn man den Marstall vom Köthener Schlossplatz aus betritt, wird sich der Eingang zur neuen Musikschule rechts im Torbogen befinden. Dort werden Lehrerzimmer, Verwaltung, sanitäre Einrichtungen, Teeküche und anderes installiert, nicht zuletzt ein Abstellbereich für Kinderwagen. Von dort aus muss auch eine Treppe ins Obergeschoss gebaut werden. Zwar gab es an selber Stelle vor vielen Jahren eine Treppe, die das Obergeschoss erschloss, die ist aber - wie vieles andere auch im Marstall - längst abgebrochen worden.

Die künftige Musikschule findet sich im Obergeschoss des Marstalls auf voller Breite. Neben dem Zugang über den Torweg wird es auch einen Zugang über die Schnittstelle zur einstigen Reithalle des Schlosses geben. Dort befindet sich der Friedemann-Bach-Saal des Veranstaltungszentrums - ein akustisch ausbalancierter großer

Raum, der eigentlich, so erinnerte Ausschusschef Ronald Mormann (SPD), nur als Probensaal für die Künstler gedacht war, die im benachbarten Johann-Sebastian-Bach-Saal auftreten. "Aber der Saal ist viel zu schade, um nur als Probenraum genutzt zu werden", gab Mormann die allgemeine Meinung wieder.

Eine clevere Lösung wird es nun im Zuge der Umbauarbeiten des Marstalls möglich machen, diesen Raum auch behindertengerecht zu erschließen, in dem ein Lift installiert wird, der sowohl in Richtung Musikschule als auch in Richtung Friedemann-Bach-Saal verlassen werden kann. Der Saal kann auch von der Musikschule genutzt werden, für Konzerte und anderes mehr - eine weitere Synergie, die sich ergibt.

Das Obergeschoss ist derzeit noch komplett entkernt, nur die alten Balken stehen noch und einige Kreuzbalken, die die Statik verbessern. Die Anordnung der alten Balken gebe auch das Raster der Räume vor, erklärt Greiner. Alles in allem erweitert sich die Größe der Musikschule auf etwa 1000 Quadratmeter Nutzfläche. Die Bauarbeiten erfolgen in Trockenbauweise, wobei es jedoch keine Probleme damit gebe, die Räume akustisch voneinander "abzukoppeln".

"Im Winter wollen wir planen und ausschreiben", sagt Heinfried Stuve, Chef der AAD. Im Frühjahr soll dann gebaut werden, damit man Ende 2010 das neue Domizil fertig gestellt hat. Hinter letzteren Termin will Stuve jedoch ein Fragezeichen setzen. Was nicht zuletzt an einer jetzt erst vollzogenen grundlegenden Änderung der Rahmenbedingungen liegt. Bis vor wenigen Tagen war man davon ausgegangen, dass die landeseigene Stiftung Dome und Schlösser als Eigentümerin des Gebäudes auch Bauherr sein wird. Entsprechende Bauanträge waren auch schon geschrieben, aber noch nicht eingereicht worden - denn inzwischen hat das Objekt einen neuen Bauherren. Armin Schenk von der Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (EWG) des Landkreises teilte auf der Ausschusssitzung mit, dass die EWG die Bauträgerschaft übernimmt. Ein entsprechender Vertrag sei vorbereitet. "Die EWG hat mit solchen Dingen Erfahrung", unterstrich Schenk.

Zeitnahe Entscheidungen notwendig

Stuve könnte der Bauherr eigentlich egal sein. Wäre da nicht der Umstand, dass man mit der Stiftung alle anfallenden Probleme am grünen Tisch hätte regeln können, während man nun auch die parlamentarischen Wege stärker beachten muss. Sachlich ist das völlig problemlos, wenn man notwendige Entscheidungen zeitnah treffen kann. Stuve weiß: "Wir müssen uns alle sehr beeilen."

Das ist auch Georg Heeg klar. Der Köthener Unternehmer ist Chef des Fördervereins der Musikschule. Dieser hat sich eine besonders schwierige Aufgabe gestellt, die mit der fünfprozentigen Kürzung der Fördermittel zusammenhängt. Diese kurzfristige Maßnahme des Landes (die MZ berichtete) hatte dazu geführt, dass im Finanzierungskonzept für den Musikschulbau plötzlich 60 000 Euro fehlten. Diese Summe will, jedenfalls möglichst viel davon, der Förderverein zusammenbringen. "Etwa zehn Prozent davon haben wir schon angespart", sagt Georg Heeg. Jetzt wolle man massiv an potentielle Großspender herantreten. Besonders gefreut hat sich Heeg über einen Anruf aus Bitterfeld-Wolfen. Cornelia Toaspern, Leiterin der Bitterfelder Musikschule, habe ihm angekündigt, dass man dort Benefizkonzerte zugunsten der Köthener Schule veranstalten wolle. "Das", freut sich Heeg, "ist ein ganz tolles Signal."

Ein Erfolg des Fördervereins würde den Gesamteindruck noch abrunden. Zu Recht bezeichnete Mormann es als Erfolg des Ausschusses, dass Köthen im Schloss eine neue Musikschule bekäme. Der Ausschuss habe im November vorigen Jahres den Anstoß dazu gegeben, nachdem man sich vor Ort über die Situation der Musikschule informiert hatte. "Wir können alle miteinander sehr stolz sein", fand Mormann, der auch das Engagement des Fördervereins, des Elternrates und der "Helfer im Land" würdigte.

Dadurch habe man eine "Win-Win-Situation" erreicht: Köthen profitiere, das Land profitiere, denn es investiert letztlich in eine eigene Immobilie, und auch der Landkreis gewinnt, da er seinen Eigenanteil an der Finanzierung quasi mit der Miete an die Stiftung verrechnen kann. Bisher zahlte der Landkreis alljährlich 23 000 Euro Miete für die Unterkunft der Musikschule an die Stiftung. Vielleicht kommt man in diesem Punkt sogar zu einer Einsparung...