Umzug in luftiger Höhe

Umzug in luftiger Höhe: Mitnetz Strom leisten in Lausigk Nisthilfe für ein Storchenpaar

Lausigk - Mitarbeiter von Mitnetz Strom leisten in Lausigk Nisthilfe für ein Storchenpaar. Die Einwohner verfolgen das Ereignis im kühlen Schatten.

Von Karl Ebert 30.05.2018, 05:00

In Lausigk, einem Teil der Ortschaft Scheuder, war am Dienstagmorgen zeitiges Aufstehen angesagt. Ab 9 Uhr sollte ihnen der Strom abgeschaltet werden und sich dort etwas abspielen, was die rund 100 Einwohner wohl so schnell nicht wieder erleben werden.

Einem Storchenpaar, das sich vor drei Wochen auf einem Strommast mitten im Ort niedergelassen hatte, wollten Mitarbeiter von Mitnetz Strom Nisthilfe leisten. Sprich: das Pärchen auf einen anderen, weniger gefährlichen Mast umquartieren.

Um 9 Uhr waren Matthias Hölzke und Bernd Fritsche mit ihrem Steiger Lkw angerückt und machten sich auch umgehend ans Werk. Unterstützt vom Akener Ornithologen Ingolf Todte und seinem Dessauer Kollegen Günter Röger und genauestens beobachtet von einem Dutzend Lausigker Einwohner, die es sich auf einer Bank und Stühlen im Schatten bequem gemachte hatten, nahmen sie das von den Störchen bereits zusammengebaute Nistmaterial von einem Strommast und legten es auf den Boden.

„Wir kämpfen um jedes Storchenpaar in unserer Region“

Das war nötig, weil von diesem Mast Stromleitungen in verschiedene Richtungen abgingen und an ihm zudem eine Straßenlaterne hing. „Die Bewohner haben uns vor drei Wochen auf das Pärchen aufmerksam gemacht. Danach habe ich mich mit der Unteren Naturschutzbehörde und Mitnetz in Verbindung gesetzt, um Abhilfe zu schaffen“, erzählt Röger. „Ein Nest auf diesem Mast hätte für Menschen wie auch Tiere gefährlich werden können. Und wir kämpfen um jedes Storchenpaar in unserer Region.“

Während Todte sich daran machte, das Nistmaterial auf ein Geflecht von Weidenästen, das aus dem Storchenhof Loburg angeliefert worden war, zu legen, versahen Hölzke und Fritsche den Mast mit einem Vogel-Abweiser, damit künftig Besuch ausbleibt. Wieder am Boden angekommen, versetzen die Mitnetz-Mitarbeiter ihren Lkw um 50 Meter, um sich nun jenem Strommast zu widmen, der das Nest künftig halten soll.

Monteure trotzten der Hitze, um die Nisthilfen zu befestigen

Als sich Hölzke und Fritsche in ihrem Korb in etwa acht Meter Höhe gehoben hatten, begannen allerdings die Probleme. Die alten Isolatoren waren im Beton verwittert und angerostet und ließen sich nicht entfernen. Also wieder absteigen und sich mit Stromaggregat, Verlängerungsschnur und Flex bewaffnen.

Obwohl die Sonne erbarmungslos brannte und die Hitze immer größer wurde, ließen sich die beiden Monteure nicht aus der Ruhe bringen. „Zum Glück hatten wir ein wenig Wind. Aber es stimmt, die Isolatoren waren das größte Problem“, gab Hölzke, der im Gegensatz zum Kollegen Fritsche, erstmals Nisthilfe leistete, zu.

Im Gegensatz dazu waren das Anbringen der ebenfalls aus Loburg gelieferten Metallkonstruktion und das Auflegen des Nestes ein Kinderspiel. Beides wurde mit unzähligen schwarzen Kabelbindern versehen, damit auch alles hält. Nach exakt zwei Stunden war die Operation gelungen.

Zwei 13 Meter hohe Masten sollen noch mit Nisthilfen versehen werden

Es soll übrigens nicht die Einzige in Lausigk gewesen sein, wie Sebastian Lutz von Mitnetz Strom später verrät. „Wir haben die Absicht, hier noch zwei 13 Meter hohe Masten zu errichten und sie mit Nisthilfen zu versehen, damit die Tiere von den für uns wichtigen Masten Abstand nehmen. Aber das müssen wir erst noch mit der Stadt besprechen, die bei der Auswahl der Standorte das letzte Wort hat“, sagt Lutz.

Vogelexperte Röger hat das mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen. Er ließ die Monteure ihre letzten Vogel-Abweiser allein montieren und wollte lieber am Abend mit seiner Frau noch einmal vorbeikommen, um zu sehen, ob das Storchenpaar im neuen Heim angekommen ist. (mz)

Insgesamt 19 Storchennester gibt es im Altkreis Köthen. Wenn das Pärchen in Lausigk es annimmt, sind elf belegt.

Belegt: Aken I, Löbitzsee, Chörau, Kühren, Susigke, Libbesdorf, Görzig, Radegast, Meilendorf, Elsnigk, Lausigk

Nicht belegt: Diebzig, Reppichau, Piethen, Aken II, Mennewitz, Gölzau, Kleinzerbst, Osternienburg