Traum von neuer Schule

Traum von neuer Schule: Vier Mütter wollen im Altkreis Köthen freie, alternative Grundschule gründen

Kleinpaschleben - Vier Mütter wollen im Altkreis Köthen eine freie, alternative Grundschule gründen. An diesem Mittwoch werden sie ihre Pläne vorstellen.

Von Stefanie Greiner 04.12.2018, 13:24

Eine Grundschule, die ihren Vorstellungen entspricht. Die vermissen im Altkreis Köthen die Mütter Melanie Lahmann, Mandy Postelmann, Christina Olejnicki und Christiane Olejnicki (die Gatten der beiden Olejnickis sind Cousins). Die Mütter wollen deshalb eine eigene - eine freie, alternative - Grundschule gründen.

Dass sie es ernst meinen, haben sie schon bewiesen: Sie haben dafür im Februar einen Verein „FreiMut“ gegründet, der derzeit sieben Mitglieder hat. An diesem Mittwoch, 17 Uhr, wollen Sie einen Schritt weiter gehen: Sie haben ins Kleinpaschlebener Pfarrhaus eingeladen, um der Öffentlichkeit ihr Konzept vorzustellen Im Vorfeld haben sie ihre Vorstellungen der MZ erläutert. Welche Hürden es bei einer privaten Schulgründung gibt, beschreibt der Artikel unten.

„Wir brauchen keine Schüler, die irgendwelche Fakten auswendig können“, kritisiert Christiane Olejnicki das deutsche Schulsystem. Das könne alles nachgelesen werden. Die Frauen wollen, dass Kinder sich vielmehr intensiv und aus eigener Begeisterung heraus mit Themen auseinandersetzen, kreativ sind, Verantwortung übernehmen und in einer wertschätzenden Atmosphäre das soziale Miteinander erleben.

Eröffnung der Privatschule in Kleinpaschleben für 2020 geplant

Bis Januar 2020 wollen die jungen Frauen beim Land das Konzept für ihre Schule einreichen. Und wenn alles klappt, noch im selben Jahr eröffnen. Wo, das wissen sie noch nicht. Sie suchen derzeit nach einem passenden Objekt - in Köthen und im Osternienburger Land. Kennengelernt haben sich die Frauen über ihre Kinder. Sie besuchen eine gemeinsame Spielgruppe. Sie treffen sich zwei Mal pro Woche und tauschen sich aus.

Je älter ihre Kinder werden, umso mehr beschäftigt die Mütter das Thema Schule. Sie stören sich an einem, wie sie sagen, stetig steigenden Leistungsdruck und am sogenannten Bulimie-Lernen. Also daran, dass Schüler vor einer Klassenarbeit wie verrückt lernen, ihr Wissen zu Papier bringen und dann schnell wieder vergessen. „Es geht uns um nachhaltige Bildung“, sagt Christina Olejnicki. Darum, dass Kinder nicht nur für Arbeiten lernen, sondern weil sie sich für ein Thema interessieren und mehr darüber wissen wollen.

„Wir wollen die Kinder dazu anregen, eigenständig zu lernen“

Die Frauen wollen fördern, dass sich Kinder für Dinge begeistern können. Dabei helfen sollen Lernorte außerhalb der Schule und sogenannte Lernbegleiter. Ein Imker zum Beispiel, der Kindern zeigt, wie Bienen leben und ihnen erklärt, warum sie so wichtig sind. Und ihnen in diesem Zusammenhang noch viel mehr Wissen vermittelt.

„Wir wollen die Kinder nicht unterrichten“, sagt Mandy Postelmann. „Wir wollen die Kinder dazu anregen, eigenständig zu lernen.“ Die Mütter setzen darauf, dass Menschen lernen, weil sie etwas interessiert, und nicht, weil sie dazu wegen einer Klassenarbeit angehalten werden.

Das bedeutet nicht, dass die Schüler machen können, was sie wollen, heben die Mütter hervor. Die Erwachsenen organisieren und strukturieren den Tagesablauf in der Schule. Sie wollen aber, dass jeder in seinem eigenen Tempo und auf seine eigene Art lernen kann. „Dazu ist ein veränderter Blick auf Kinder und ihre Entwicklung notwendig“, sagt Christina Olejnicki.

„Die Entwicklungspsychologie, Bindungstheorie und Neurobiologie bieten dazu viele interessante Ergebnisse und das schon seit vielen Jahren.“ Im Alltag der Schulen hätten diese Erkenntnisse bisher nur keinen Einzug gefunden. Das wollen die Frauen ändern. Frontalunterricht lehnen sie ebenfalls ab - und sie wollen möglichst ohne Noten auskommen. (mz)

Am Mittwoch, 5. Dezember, um 17 Uhr wollen die Frauen im Pfarrhaus der evangelischen Gemeinde in Kleinpaschleben, Im Bauerndorf 7, den Verein und ihr Schulkonzept erläutern.