Amtsgericht Köthen

Streit um Ex-Freundin eskaliert - 28-Jähriger schlägt Bekannten gegen den Kopf und ringt ihn zu Boden

Nach einem Streit mit einem Bekannten muss sich ein 28-Jähriger wegen Körperverletzung verantworten.

Von Susann Salzmann
Ein Mann ballt die Hand zur Faust (Symbolbild)
Ein Mann ballt die Hand zur Faust (Symbolbild) (Foto: IMAGO / STPP)

Köthen - Der Gang zur Anklagebank ist für Samuel A. (Name geändert) ein gewohnter. Als mehrfach Verurteilter führten den 28-Jährigen zwei Justizbeamte mit Fußfesseln und Handschellen in den Verhandlungssaal des Köthener Amtsgerichts. Der Vorwurf der Dessauer Staatsanwaltschaft lautete auf Körperverletzung. Doch die Worte der Anklageschrift waren nach seiner Ansicht „viel zu drastisch formuliert“.

Die Staatsanwältin warf dem gebürtigen Dessauer vor, am 29. Juli 2018 ausgerastet zu sein und seine Wut an einem Bekannten ausgelassen zu haben. Tatort: der Netto-Parkplatz in Dessau. Dort lief ihm der Bekannte über den Weg. Das Verhältnis der Männer war zu diesem Zeitpunkt angeknackst. „Er dachte, ich hätte eine Beziehung mit seiner Ex“, sagte der Angeklagte. „Das stimmte nicht.“ Um dieses Missverständnis aus dem Weg zu räumen, habe er den Geschädigten an jenem Tag von hinten an der Schulter gepackt und diesen zu sich herumgedreht. Samuel A. wollte nach eigenen Angaben klarstellen. Doch eine Eskalation ließ nicht lange auf sich warten.

Mit der Faust soll der Angeklagte dem Opfer gegen die linke Kopfhälfte gedroschen, ihn danach zu Boden gerungen und mit seinem Schuh derart ins Gesicht getreten haben

Mit der Faust soll der Angeklagte dem Opfer gegen die linke Kopfhälfte gedroschen, ihn danach zu Boden gerungen und mit seinem Schuh derart ins Gesicht getreten haben, dass dieser eine Nasenschwellung erlitt. Beim Verlesen der Anklage schüttelte der Vorbestrafte den Kopf. Als das Opfer ihn habe schlagen wollen, „habe ich einen Polizeigriff angewendet“, erzählte er.

Das sei aus seiner Sicht nötig gewesen, damit der Bekannte überhaupt mit sich reden ließe. Doch während des Griffs sei das Opfer gestolpert. Und überhaupt sei vielmehr er das Opfer. Der Bekannte habe ihn gegen den Brustkorb geschlagen und ihn so in diese Situation „gedrängt“. Der Tritt mit dem Schuh sei nicht ins Gesicht gegangen, sagte der Beschuldigte, sondern gegen die Schulter. Ob sich die Auseinandersetzung tatsächlich so zutrug, blieb ungewiss.

Zwar nutzt er die Zeit hinter Gittern, um einem Job nachzugehen, doch von dem Geld zahle er Raten aus vorherigen Verfahren ab

Die Verhandlung zahlte sich für Samuel A. aus. Im Gerichtssaal begann das große Rechnen. Immerhin waren sich die Prozessbeteiligten schnell einig, dass nur eine Geldstrafe in Frage kommt. Ein großes Einkommen hat der Angeklagte zurzeit nicht. Das ist seinem Aufenthalt in der Jugendanstalt Raßnitz geschuldet. Dort sitzt er seit August 2020. Ein gutes Jahr hat er dort noch vor sich.

Zwar nutzt er die Zeit hinter Gittern, um einem Job nachzugehen, doch von dem Geld zahle er Raten aus vorherigen Verfahren ab. Und davon gab es einige. Der Bundeszentralregisterauszug wies fünf Eintragungen auf. Das Absitzen seiner Strafe wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs sorge nun aber dafür, dass er von monatlich nicht einmal 100 Euro nur ein kleines Taschengeld behalte. Hinzu kommt eine Geldstrafe in Höhe von 1.680 Euro aus einem Verfahren wegen eines Fahrraddiebstahls. Damals war die finanzielle Situation noch besser bei Samuel A.

Weil die Geldstrafe den Vermögensumständen angepasst wird, „spart“ er nun fast die Hälfte. Beide Geldstrafen wurden zusammengefasst - statt 1.680 Euro für eine Straftat, muss er nun insgesamt 850 Euro für zwei Straftaten zahlen. Ein Urteil, mit dem der 28-Jährige einverstanden war. (mz)