Serie - Hochschule Anhalt

Serie - Hochschule Anhalt: Gründungsdirektor Klaus Hertwig blickt auf 25 Jahre zurück

Köthen - Der Köthener war Gründungsdirektor der heutigen Hochschule Anhalt. Vor 25 Jahren, am 1. Oktober 1991, wurde die Fachhochschule Anhalt (FH) in Köthen gegründet.

Von Katrin Noack 03.05.2016, 18:15

„Es waren schon turbulente Jahre“, sagt Klaus Hertwig und lächelt. Der Köthener war Gründungsdirektor der heutigen Hochschule Anhalt. Vor 25 Jahren, am 1. Oktober 1991, wurde die Fachhochschule Anhalt (FH) in Köthen gegründet. Eine praxisorientierte Einrichtung zur Ausbildung des Nachwuchses für die Wirtschaft. Mit drei Standorten: Bernburg, Köthen und Dessau. „Das war damals etwas Neues“, erinnert sich der heute 74-Jährige.

Im Jahr 1991 bekam der Professor und Prorektor an der Technischen Hochschule Köthen vom damaligen Landesminister für Wissenschaft und Forschung Rolf Frick die Aufgabe, eine FH in der Region aufzubauen. „Wir wollten die Hochschultraditionen in Anhalt fortsetzen. Und es war im Interesse der Region und des Landes, dass Dessau Teil der Fachhochschule werden sollte“, schildert der Gründungsdirektor.

Die Hochschule Anhalt mit drei Standorten und der Verwaltung in Köthen ist Studenten, Mitarbeitern und Menschen der Region vertraut. Diese Strukturen haben sich erst entwickelt. Dass Köthen Verwaltungssitz wurde, hat mehrere Gründe. Zum einen hatte die Technische Hochschule Köthen eine hundertjährige Tradition der Ingenieurausbildung. Zum anderen hatte die Einrichtung die meisten Beschäftigten der Standorte.

Die offizielle Gründung der FH fand im März 1992 im Spiegelsaal des Köthener Schlosses statt. Zu dem Zeitpunkt lief der Betrieb schon ein halbes Jahr.

Die Technische Hochschule Köthen bestand bis September 1993 parallel zur FH mit ihrem Rektor Kurt Gramlich. Er hatte sein Büro neben dem von Klaus Hertwig, wie dieser erzählte. Die Studenten der Technischen Hochschule sollten ihr Studium abschließen können und auch die Möglichkeit haben, ihren Doktor noch zu machen. Dies war bis 1993 möglich, weil die Technische Hochschule Außenstelle der Universität Magdeburg war.  

In Köthen gab es an der Technischen Hochschule eine hundertjährige Tradition der Ingenieurausbildung, viele Fachkräfte und um die 900 Beschäftigte. „Damals gehörte noch das Zivilverteidigungslager für den Kriegsfall in Aderstedt (heute Landkreis Harz) dazu“, berichtet der studierte Verfahrenstechniker.

In Bernburg gab es an der Hochschule für Landwirtschaft „Thomas Müntzer“ auch zahlreiche Professoren und Mitarbeiter - etwa 400 Beschäftigte. In Dessau war nichts dergleichen. Kein Personal, keine Expertise, keine Räume „Es gab keine Ausbildungsstätte“, erzählt Hertwig. Doch es gab das Bauhaus. Es sollte die Grundlage des Standorts werden. Im Bauhaus und dem früheren sowjetischen Lazarett nahe des Bahnhofs hatte die FH in Dessau zuerst ihren Sitz.

„Es gab Stasi-Überprüfungen - und es wurde die persönliche Eignung geprüft“

Die groben Strukturen für die FH legte die Gründungskommission des Landes fest: drei Standorte mit zehn Fachbereichen. Sie bestimmte, wo welche Fächer unterrichtet werden sollten. Und sie gab vor, dass es insgesamt nicht mehr als 500 Beschäftigte geben dürfe. Eine schwierige Aufgabe für Hertwig. Einerseits gab es zu viele Angestellte, andererseits fehlte gerade in Dessau Personal.

Viele Mitarbeiter wurden entlassen und neu eingestellt - allerdings nicht alle. „Es gab Stasi-Überprüfungen - und es wurde die persönliche Eignung geprüft. Alle Professoren mussten neu berufen werden“, beschreibt der Gründungsdirektor unruhige Zeiten. Zum Glück habe es kaum Gerichtsverfahren gegeben.

Gute Kontakte genutzt

Zugleich war der Gründungsdirektor im Bundesgebiet unterwegs und das fast jedes Wochenende. „Manchmal ging es morgens nach Bonn und abends zurück“, erinnert sich Hertwig. Er war Mitglied der Hochschulrektorenkonferenz des Bundes und suchte außerdem Mitarbeiter. „Ich wollte erfahrene Leute von FHs, die auch Fachleute waren“, beschreibt der emeritierte Professor.

Bei den Verhandlungen nutzte der gebürtige Görlitzer seine guten Kontakte, etwa zur FH Aachen (Nordrhein-Westfalen). Von dort holte Hertwig drei Professoren als Gründungsdekane an die FH. Sie lebten zunächst schlicht.

„Zwei wohnten in einer Wohngemeinschaft im Studentenwohnheim“, schildert Hertwig. Ein anderer sei mit dem Wohnwagen in Dessau angereist. Mit zehn Fachbereichen und Fachpersonal startete die FH zum Wintersemester 1991/1992.

Bis 1996 lenkte Hertwig die Geschicke der FH, dann stellte er sich nicht mehr zur Wahl. „Ich wollte wieder stärker wissenschaftlich arbeiten“, begründet er seine Entscheidung. Auch für die Familie blieb dann wieder mehr Zeit.

Doch bis heute verfolgt der Professor das Geschehen an der Hochschule und die Arbeit seines Nachfolgers, Präsident Dieter Orzessek, den er häufiger trifft. „Die Hochschule steht sehr gut da. Hr. Orzessek hat das ganz prächtig gemacht“, lobt er.