Der Schwamm muss raus

Sanierung der Kirche in Weißandt-Gölzau wird teurer und aufwändiger als geplant

In der Weißandt-Gölzauer Kirche St. Germanus sollen in dieser Woche die Arbeiten an der Decke und am Dach weitergehen.

Von Sylke Hermann
Pfarrerin Anke Zimmermann schaut besorgt auf die Schäden an den Dachbalken von St. Germanus in Weißandt-Gölzau.
Pfarrerin Anke Zimmermann schaut besorgt auf die Schäden an den Dachbalken von St. Germanus in Weißandt-Gölzau. (Foto: Ute Nicklisch)

Weißandt-Gölzau/MZ - Zwischenzeitlich hatte Anke Zimmermann das Gefühl, ein Traum könnte platzen. Was 2020 noch zügig gestartet war, geriet plötzlich arg ins Stocken. St. Germanus in Weißandt-Gölzau ein echter Sanierungsfall. Doch nun blickt die Pfarrerin wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Wenn alles gut läuft, soll in dieser Woche endlich weiter an der Dachsanierung der Kirche gearbeitet werden.

Ursprünglich sieht der Plan ein wenig anders aus. „Wir hatten eigentlich vor, den Turm zu sanieren. Das Dach war gar nicht geplant.“ Inzwischen ist der Turm zweitrangig geworden. Das Dach hat oberste Priorität. Das Denkmal ist in Teilen einsturzgefährdet. Nur der Chorraum dürfte über die Sakristei noch betreten werden. Alle anderen Bereiche der Kirche sind gesperrt. Und das seit vielen Monaten.

Die Schäden wiegen schwerer als gedacht und die Kosten sind immens gestiegen

Dass die Sanierung der Dachkonstruktion und der Decke nicht so vorangehen konnte, wie gedacht, ist der Tatsache geschuldet, dass die Schäden schwerer wiegen als gedacht und die Kosten immens gestiegen sind. Mehr als 330.000 Euro soll die Instandsetzung von St. Germanus insgesamt kosten.

Wie der Köthener Architekt Dietmar Sauer erklärt, habe das in Auftrag gegebene Holzschutzgutachten durchaus Anlass zur Sorge geboten.

„Die im Bericht aufgeführten, teilweise alarmierenden Zustände im Decken- und Dachtragwerk bis hin zu einsturzgefährdeten Bereichen fordern umgehende Maßnahmen“, informiert er. Am Dachtragwerk lässt sich eine Schädigung von Sparrenfüßen durch Braunfäule - besser bekannt als Echter Hausschwamm - erkennen. Und die Verbindungen zwischen tragenden Bauteilen sind gelöst. In der Konsequenz lässt sich das mit einem Wort zusammenfassen: Einsturzgefahr. Ähnlich kritisch der Zustand des Deckentragwerks.

Inzwischen sind die neuen Erkenntnisse bewertet - und das Holz bestellt

Im Bericht sind unter anderem diese Erkenntnisse dokumentiert: Schädigung der Mauerlatte durch Fäulnis und Nässe, Schädigung von Deckenbalken durch Braunfäule und ein fehlender Verbund zwischen Balkenkopf und Sparren. Die gute Nachricht: keine grundsätzlichen Organismenschäden, wie die Experten das Bild beschreiben.

Doch all das ändert auch in diesem Bereich der Kirche nichts an einer verheerenden Zustandsbewertung. Seit dem Frühjahr ist eine temporäre Stützkonstruktion aufgebaut, die Orgel geschützt, auch die Baugerüste stehen. Doch dann muss der Holzschutzgutachter - bevor überhaupt weitergearbeitet werden könnte - weitere Schäden bewerten und auch der Tragwerksplaner erneut zu Rate gezogen werden.

Inzwischen sind die neuen Erkenntnisse bewertet - und das Holz bestellt, um St. Germanus weiter sanieren zu können. Allerdings geht es dem Projekt wie vielen anderen: „Die gegenwärtige Material- und Liefersituation lässt keine zuverlässige Aussage zu Preisen und Lieferzeiten von Baumaterialien zu“, formuliert Dietmar Sauer.

Glück im Unglück bei der Hiobsbotschaften über die Kirche in Weißandt-Gölzau

Dachsanierung an der Kirche Weißandt-Gölzau
Dachsanierung an der Kirche Weißandt-Gölzau
(Foto: Ute Nicklisch)

Entsprechend unsicher auch, ob es tatsächlich in dieser Woche weitergehen kann. Die entscheidende Frage bleibt, ob das Material bis dahin zur Verfügung steht. Aber: „Im Moment gehen wir davon aus“, bleibt der Architekt zuversichtlich.

Anke Zimmermann hat sich sagen lassen, dass man bei all den Hiobsbotschaften über die Kirche in Weißandt-Gölzau sogar noch Glück im Unglück habe. Immerhin seien von den Holzbalken Teile noch verwendbar, „weil man früher so großzügig gebaut hat“. Damit sei der Kern erhalten und nicht geschädigt.

Trotzdem bereite ihr der momentane Anblick Kopfzerbrechen. „Man kann von unten bis in die Dachspitze durchgucken. Das ist schon gruselig.“

„Geplant ist, die Baumaßnahme Ende September 2021 zu beenden“

Bis Mitte, Ende August wollen sich die Zimmerer nun um die Tragwerksteile kümmern, anschließend stünde die Schwammsanierung der Holz-Gewölbedecke an. Und dann sollte eigentlich bis Mitte September die Dacheindeckung erfolgen. Dietmar Sauer erklärt dazu: „Geplant ist, die Baumaßnahme Ende September 2021 zu beenden.“

Für die Pfarrerin sind das ungeahnt positive Aussichten. Das würde ja bedeuten, „dass wir das Dach vor dem Winter dicht haben“, freut sie sich. Und natürlich auch, „dass wir unsere Kirche Weihnachten wieder nutzen können“. Ein Ausblick, der Anke Zimmermann wie die gesamte Gemeinde immens freut. Vorausgesetzt, das Holz kommt wirklich in dieser Woche und die Baufirma kann dann wieder loslegen.

Marode Balken im Dachstuhl - ein erschreckendes Bild
Marode Balken im Dachstuhl - ein erschreckendes Bild
(Foto: Ute Nicklisch)