Musikschule

Musikschule: 570 Euro für Tatatataaa

köthen/MZ. - Es ist eines der bekanntesten Motive der Musikgeschichte: Tatatataaa - drei Achtel auf g, eine Halbe auf es. Der Beginn von Beethovens 5. Sinfonie dürfte kaum jemanden unbekannt sein. In der Köthener Musikschule "Johann Sebastian Bach" gleich gar nicht. Dort kann man sogar ausrechnen, was das Motiv kosten würde - 570 Euro. Freilich ist dies eine rein theoretische Betrachtung, weil man einen Ton schließlich nur einmal erwerben ...

Von matthias bartl 29.06.2012, 18:19

Es ist eines der bekanntesten Motive der Musikgeschichte: Tatatataaa - drei Achtel auf g, eine Halbe auf es. Der Beginn von Beethovens 5. Sinfonie dürfte kaum jemanden unbekannt sein. In der Köthener Musikschule "Johann Sebastian Bach" gleich gar nicht. Dort kann man sogar ausrechnen, was das Motiv kosten würde - 570 Euro. Freilich ist dies eine rein theoretische Betrachtung, weil man einen Ton schließlich nur einmal erwerben kann.

Als Taste nämlich. In der Musikschule hat man der Jakobskirche einen Weg abgeschaut, wie - eventuell - Sponsorenmittel einzuwerben sind. Während in St. Jakob Turmstufen-Patenschaften erworben werden konnten, kann in der Musikschule quasi der Förderer einer Taste Pate werden. Oder auch mehrerer, versteht sich. Immerhin hat ein Flügel 88 Stück, da könnte schon einiges zusammenkommen.

Hoffen jedenfalls Georg Heeg als Vorsitzender des Fördervereins für die Musikschule und Musikschullehrerin Regina Baufeld. Es geht um einen Steinway-Flügel (Neuanschaffungswert: runde 160 000 Euro), der sich im Besitz der Musikschule befindet, "allerdings unbespielbar" sei, wie Georg Heeg informiert. Der Flügel stammt ursprünglich aus dem Besitz des Musiklehrers Kurt Brandt, der ihn aber schon zu DDR-Zeiten an den Landkreis verkaufte, wo er im Theater genutzt wurde. Als der Flügel dann etwas zu sehr ramponiert war, landete er im Courzimmer des Museums, wo er zugedeckt die Jahre verbrachte. Im Zuge der Umstrukturierung der Kulturstätten landete der Flügel bei der KKM, die ihn aber nicht benötigte und bei der Musikschule nachfragte, ob die Interesse an dem Instrument habe.

Sie hatte. Allerdings muss nun der Flügel erst so weit restauriert werden, dass er auch tatsächlich klingen kann. Und da kommt schon einiges für den Fachmann zusammen: "Der Resonanzboden ist gerissen", zählt Georg Heeg auf, die Saiten, die Mechanik und der Korpus bedürften einer Generalüberholung. Kostenpunkt: runde 22 000 Euro. Davon hat der Förderverein schon etwa die Hälfte zusammengebracht - aber bis die Kasse wirklich hinreichend gefüllt ist, ist es schon noch ein Stück Weg.

Und angesichts dessen kam Eike Papesch, ebenfalls Mitglied des Fördervereins, auf die Idee, Sponsoren für die Restaurierung zu finden - mit Hilfe einer "Tasten-Patenschaft".

Für die sich der Informatiker Heeg auch noch einen gestaffelten Modus ausgedacht hat, nachdem die Tasten, die öfter als andere benutzt werden, den Paten auch teurer kommen. Mit 150 Euro zum Beispiel kann man Pate für eine c,d,e,f,g,a,h-Taste werden. Andere wiederum, weniger oft angeschlagen, sind für 120, 99 und 77 Euro zu haben. Klanglich kaum Gebrauchtes wie B2 oder cis4 , steht schon für 66 Euro zur Patenschaft, die Mitte ist teurer als links und rechts außen, Weiß ist wertvoller als Schwarz. Insgesamt, so hofft man im Förderverein, könnten auf die Weise etwa 8 500 Euro eingeworben werden.

So sehr man auch auf Helfer von außen hofft, so sehr arbeiten die Musikschüler selber daran, den Steinway konzerttauglich zu bekommen. Die erste Taste hat das Musikschulorchester "Saitenwind" selbst erworben, mit Einnahmen aus dem jüngsten Orchesterkonzert. Die reichten gut für die Taste a1, die für ein Orchester ohnehin am besten geeignet ist - immerhin ist sie der Kammerton (ziemlich genau 443 Hertz), nach dem sich alle Orchester vom Nordpol zum Südpol einstimmen. Logisch, dass man den selbst gern für sich verbuchen wollte. Für 150 Euro immerhin. Und auch die nächsten zwei Tasten haben schon die Besitzer gewechselt - jedenfalls auf dem Papier. Bei einem Klassenvorspiel, das in dieser Woche stattfand, machten sich Musikschullehrerin Sophie Auerbach (für die Taste a) und Ideengeber Eike Papesch (für das c) als Paten erbötig. Immer mit der Hoffnung, dass sie nicht die letzten bleiben werden, deren Namen auf der Paten-Tafel stehen werden.

Denn natürlich will man in der Musikschule den Geldgebern auch öffentlich Dank abstatten. Nur hinsichtlich der Form ist man sich noch nicht ganz schlüssig. Und auch nicht darüber, bis wann man denn die Spendenaktion umgesetzt haben möchte. "Wir wollen schon noch dieses Jahr fertig werden", sagt Georg Heeg und Regina Baufeld träumt: "Zu Weihnachten auf dem Steinway spielen zu können, das wäre schön." Beide sind aber Realisten genug, um Spekulationen nicht zu sehr ins Kraut schießen zu lassen. Spätestens zum Bachwettbewerb 2013 soll der alte Flügel wieder fit sein für das Temperament junger Pianisten.

Und das hat, bei aller Emotion, die sich mit solchem Instrument immer verbindet, auch eine ganz nüchtern-ökonomische Komponente. Die Bach GmbH in Gestalt von Brigitte Drange müsse dann für dieses Ereignis keinen Flügel mehr ausleihen. Das kommt teuer, weiß man in Kennerkreisen: "Allein der Transport eines guten Instruments schlägt schon mit 500 Euro zu Buche." Dafür könnte man locker Pate für das h, das g und das f werden. Legt man noch ein paar Euro drauf, reicht es auch noch für das fis.