Mundartgruppe aus Dessau-Rosslau in Köthen

Mundartgruppe aus Dessau-Rosslau in Köthen: „Ich habbe de Herzögin nakkich gesän“

Köthen - Mit einer Premiere ist die Regionalgruppe Köthen des Vereins für Anhaltische Landeskunde aus ihrer Sommerpause zurückgekehrt. Im Hotel „Stadt Köthen“ war dieses Mal die 2011 gegründete Dessau-Roßlauer Mundartgruppe unter den Leitung von Erhardt Berner zu ...

Von Michael Schramme

Mit einer Premiere ist die Regionalgruppe Köthen des Vereins für Anhaltische Landeskunde aus ihrer Sommerpause zurückgekehrt. Im Hotel „Stadt Köthen“ war dieses Mal die 2011 gegründete Dessau-Roßlauer Mundartgruppe unter den Leitung von Erhardt Berner zu Gast.

Ins Leben gerufen im 200. Geburtsjahr des Dessauer Originals „Hobusch“, engagieren sich im Laienensemble bis zu 30 Mitstreiter, von denen derzeit zwölf in wechselnder Besetzung bei öffentlichen Veranstaltungen auftreten. In Köthen brillierten Hobusch-Darsteller Karsten Lückemeyer und Hobusch-Karikaturist Manfred Bartels sowie Jürgen Schönfeldt, Christa Gillich, Kristina Schlansky und die als „Bewwersch-Änne“ bekannte Angelika Pannier.

Das begeisterte Publikum folgte ihnen bereitwillig in die possierlichen, teils mühsam recherchierten oder persönlich erlebten Geschichten. Viel Schmunzeln und noch mehr Lachsalven waren zu erleben, als „von ne Mosigkauer Saftditscher“, „Göthes ,Faust’ - was freilich nach en Hobusch - aus däm Leben eines Boxers heeßen müsst“, „vons Schlabberwasser und vons hemliche Sparbuch“, „de Sache mitt´n Ontarioappel“, „de Säcke vons Rathaus“ und „dor olle Vorelbeerboom“ die Rede war.

Das Ensemble ist längst über die Grenzen Anhalts bekannt und in ganz Sachsen-Anhalt unterwegs. Jahr für Jahr findet sich das umfangreiche Repertoire im Veranstaltungskalender von Dessau wieder. Darüber hinaus beteiligen sich einige Mitglieder des ehrenamtlichen Ensembles mit Vorträgen an Wettbewerben des Landesheimatbundes in der regional variierenden mitteldeutschen Mundart.

Mundart-Lyrik von Hobusch und Wäschke

Den Abend in Köthen sah Erhardt Berner auch als Dankeschön-Veranstaltung an die Kreisstadt für die gelungene Durchführung des Sachsen-Anhalt-Tages und als Geschenk zum 900-jährigen Stadtjubiläum. „Gern nehmen wir auch Einladungen von Vereinen oder sonstigen Veranstaltern an“, so Erhardt Berner weiter, „nur mehr als 20 Leute solltn’s schon sinn, sonst machst kein Sinn“.

Neben den eigenen Texten werden auch die von dem in Großpaschleben geborenen Lehrer, Historiker und bekanntesten Mundart-Dichter Anhalts, Hermann Wäschke, und dem vor 140 Jahren gestorbenen Dessauer Original, Christoph Gottlieb Leopold Hobusch, genannt Friedrich, gesammelt, bearbeitet und vorgetragen.

Erwähnt werden müssen auch die sehenswerten Illustrationen sequenzieller Bilderfolgen von Manfred Bartels, die Einblicke in die Lebenssituationen des Dessauer Originals gewährten und zur Veranstaltung ausgestellt wurden. In der Touristen-Information Dessau-Roßlau können einige Geschichten auch schon als Publikationen erworben werden.

Der Sommer ging für Hobusch mit einem schönen Erlebnis zur Neige: „Ich habbe de Herzögin nakkich gesän.“ Na klar, denn als dieselbe in ihrer Kutsche über die Mulde fuhr stand er „nakkich“ darin und badete. Die mit viel Applaus bedachten Aufführungen in Köthen gaben allesamt einen Einblick in die jüngere Traditionspflege der mitteldeutschen Mundarten. (mz)