Mit den Pfoten tief im eigenen Kot

Mit den Pfoten tief im eigenen Kot: Tierheim Köthen rettet Hündin und ihre acht Welpen

Köthen - Das Tierheim in Köthen hat eine Hündin und acht Welpen von einem verwahrlosten Grundstück geholt. Sechs kleine Hunde stehen noch zur Vermittlung.

Von Stefanie Greiner

Ohne Futter. Ohne Wasser. Pfotentief im eigenen Kot. Unter diesen erbärmlichen Zuständen haben eine Hündin und ihre acht Welpen auf einem Grundstück in einem Dorf im Südlichen Anhalt gehaust. Die Hündin und zwei ihrer Welpen - eine Mischung aus Terrier, Beagle und Schnauzer - haben inzwischen ein neues Zuhause, sechs Welpen warten im Tierheim in Köthen darauf, vermittelt zu werden.

Im Juli hatten Anwohner das Ordnungsamt informiert. Sie sorgten sich um die kleinen Hunde, die auf der Straße herumliefen. Der Bereitschaftsdienst informierte das Tierheim in Köthen, das auch für das Südliche Anhalt zuständig ist. Die Halter der Hunde waren nicht vor Ort. Der Versuch, die Welpen zurück auf das Grundstück zu bringen, misslang. Was daran lag, dass es nicht ausreichend gesichert war.

„Das Grundstück war mit Kot überflutet“

Das Tierheim musste die Tiere mitnehmen. Damit ihnen nichts passiert. Und weil die Zustände auf dem Gelände katastrophal waren. Was Marco Mittelbach, leitender Mitarbeiter des Tierheims, durch das offen stehende Hoftor sehen musste, entsetzte ihn. „Das Grundstück war mit Kot überflutet.“ Unhaltbare Zustände für Tiere. Dass die Hunde kein Wasser hatten, findet er unverantwortlich. Zumal es ein heißer Tag war. „Bei Hitze dehydrieren Welpen schnell“, sagt er.

Die Zustände wurden dokumentiert und dem Veterinäramt des Landkreises Anhalt-Bitterfeld vorgelegt. Das prüfte den Fall und sprach auf Grundlage des Tierschutzgesetzes ein sogenanntes Haltungs- und Betreuungsverbot aus.

Gleich vermittelt werden durften die Hündin und ihre Welpen nicht. „Wir mussten vier Wochen warten. Denn so lange konnten die Besitzer noch Einspruch gegen den Einzug einlegen“, erklärt Marco Mittelbach. Nur einmal habe sich jemand erkundigt, wo die Hunde sind. Mehr nicht.

Die Hündin hat bereits ein neues Zuhause gefunden, zwei Welpen auch

Die Hündin hat bereits ein neues Zuhause gefunden. Zwei Welpen auch. Einen davon wollte eigentlich Marco Mittelbach nehmen. Daraus wurde jedoch nichts, da sich Besucher des Tierheims regelrecht in die kleine Hündin verliebt hatten. Der leitende Mitarbeiter hatte das Gefühl, dass „seine“ Hündin bei ihnen gut aufgehoben ist. Einem der Welpen ein neues Zuhause geben, will er trotzdem. „Ich nehme den, den keiner haben will.“

Marco Mittelbach hofft, dass auch die anderen Welpen - alle sind entwurmt, gechipt und geimpft - schnell ein neues Zuhause finden. Zum einen, weil der Winter vor der Tür steht und er da so wenige Hunde wie möglich im Tierheim haben möchte. Die Vierbeiner leben in Außenzwingern. Zum anderen, weil die Welpen mit ihren 19 Wochen gerade in der Prägezeit sind. „Da wird das Band zwischen Halter und Hund geknüpft“, sagt er.

Die Mitarbeiter des Tierheims stehen für Interessenten mit Rat und Tat zur Seite

Was die neuen Halter mitbringen müssen? Vor allem Zeit und Geduld, macht Marco Mittelbach deutlich. „Hundeerfahrung ist wünschenswert, aber keine Pflicht.“ Die Mitarbeiter stünden mit Rat und Tat zur Seite. Er empfiehlt noch eine Hundeschule.

Auf eine Anbahnungsphase legt der leitende Mitarbeiter des Tierheims großen Wert. Die künftigen Halter sollen dafür zwei Wochen lang jeweils dreimal vorbeikommen, damit Hund und Mensch sich kennenlernen können. (mz)