Köthen

Köthen: Verliebt in die deutsche Sprache

Köthen/MZ. - "Kyrill" lieferte die Begleitmusik. Als sich die Neue Fruchtbringende Gesellschaft (NFG) vor fünf Jahren, am 18. Januar 2007, im Köthener Schloss gründete, saß man dort sicher wie in Abrahams Schoß, während draußen ein heftiger Sturm die Region durcheinanderwirbelte. Zwar hat die NFG als Gesellschaft zur Bewahrung und Förderung der deutschen Sprache seitdem keinen Sturm ausgelöst, aber für frischen Wind und damit für Belebung in ihrem selbst gewählten Aufgabenbereich hat sie seitdem allemal gesorgt. "Wir können, auch wenn es Höhen und Tiefen gab, über die vergangenen fünf Jahre hinweg ein positives Resümee ziehen", findet Prof. Uta Seewald-Heeg, die auf der Gründungsversammlung zur 1. Vorsitzenden gewählt wurde und diese Funktion seitdem ununterbrochen ...

Von Matthias Bartl

"Kyrill" lieferte die Begleitmusik. Als sich die Neue Fruchtbringende Gesellschaft (NFG) vor fünf Jahren, am 18. Januar 2007, im Köthener Schloss gründete, saß man dort sicher wie in Abrahams Schoß, während draußen ein heftiger Sturm die Region durcheinanderwirbelte. Zwar hat die NFG als Gesellschaft zur Bewahrung und Förderung der deutschen Sprache seitdem keinen Sturm ausgelöst, aber für frischen Wind und damit für Belebung in ihrem selbst gewählten Aufgabenbereich hat sie seitdem allemal gesorgt. "Wir können, auch wenn es Höhen und Tiefen gab, über die vergangenen fünf Jahre hinweg ein positives Resümee ziehen", findet Prof. Uta Seewald-Heeg, die auf der Gründungsversammlung zur 1. Vorsitzenden gewählt wurde und diese Funktion seitdem ununterbrochen bekleidet.

Die Tiefen im praktischen Sinne festzumachen, an misslungenen Veranstaltungen etwa, fällt schwer. Da hat die NFG im Gegenteil binnen fünf Jahren eine Vielzahl von neuen Marksteinen für Köthen gesetzt - vom Sprachtag bis zum Schülerwettbewerb. Tiefen mit Tiefschlägen zu umschreiben, fasst es wohl besser, denn nach wie vor werden die Bemühungen der Gesellschaft um einen pfleglichen Umgang mit der deutschen Sprache immer wieder konterkariert - im Alltag, in den Medien. Wenn jüngst die Frau des Ministerpräsidenten im Interview von sich sagte, sie sei keine "Couch-Potato", dann sind nicht wenige NFG-Mitglieder alles andere als erbaut von solchem Umgang mit der deutschen Sprache. Es sei schade, dass nicht wenigstens Journalisten sich intensiver mit ihrem Handwerkszeug auseinandersetzen, findet Uta Seewald-Heeg, stattdessen "a la mode" zu Anglizismen greifen, "manche mögen wohl denken, damit die Menschen anzusprechen, wobei ich glaube, dass es an vielen Stellen schon umgekehrt ist." Dabei ist die NFG-Vorsitzende beileibe keine Sprach-Fundamentalistin, "denn Einflüsse auf die deutsche Sprache hat es zu allen Zeiten gegeben, aus dem Latein, dem Griechischen, dem Französischen". Sie seien aber in der Gegenwart durch das Maß der Vernetzung massiv geworden, "und immer weniger machen sich die Mühe, über Sprache zu reflektieren". Dies sei bedauerlich, denn es führe zur Verarmung, "dass, was ich denke und fühle, nicht in der eigenen Sprache darzustellen". Hier gelegentlich warnend den Finger zu heben, sei nicht nur Aufgabe und Angelegenheit einzelner Personen.

Zahlreiche Bemühungen

Und die Frage ist immer, wie man das macht. In diesem Punkt hat sich die NFG verschiedene Varianten einfallen lassen, um ihr Gesellschafts-Ziel zu befördern und nach außen zu tragen. Da reicht die Bandbreite von den Bemühungen, die deutsche Sprache im Grundgesetz zu verankern und für die Rettung der Schreibschrift Unterschriften zu sammeln, bis hin zu einer Vielzahl von öffentlichen Veranstaltungen in Köthen, dem Sitz der Gesellschaft, die bundesweit, aber auch in Österreich und der Schweiz, um die 300 Mitglieder hat.

Von besonderem Erfolg gekrönt ist von Anfang an der Schreibwettbewerb "Schöne deutsche Sprache", den man gemeinsam mit der Theo-Münch-Stiftung veranstaltet und der sich an Schüler der Klassen 3 bis 13 wendet und inzwischen bundesweit Teilnehmer findet. Die Verleihung der Preise erfolgt am Tag der deutschen Sprache, dem zweiten Sonnabend im September. Ein Höhepunkt der festlichen Veranstaltung ist die "Rede zur deutschen Sprache", die in diesem Jahr vom Ex-Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer gehalten wird.

In diesem Jahr muss man im übrigen mit der Tradition brechen, Preisverleihung und Rede am Tag der deutschen Sprache zu präsentieren. "Wir wollen nicht mit den Bachfesttagen in Terminkollision kommen, die an diesem Wochenende stattfinden, und haben unseren Termin daher um eine Woche nach hinten verlegt", erläutert Seewald-Heeg. Die Nachfrage zum Schüler-Wettbewerb "...auch Steine können sprechen", sei bemerkenswert rege und erneut bundesweit. Einsendeschluss ist der 31. März.

Weiterhin findet jährlich der Köthener Sprachtag statt, der in diesem Jahr unter der Überschrift "800 Jahre Anhalt" u.a. ein einzigartiges Gesprächskonzert anbietet. Regelmäßig wird zu den Köthener Gespräche eingeladen, auf denen sprachpolitische Themen mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und anderen Bereichen des öffentlichen Lebens diskutiert werden, in diesem Jahr das Thema "Die Kirche und die Sprache". Dazu kommt das Köthener Sprachforum.

Straße der deutschen Sprache

Viel Arbeit für die überschaubar große Mannschaft der NFG - und dennoch sind dies noch längst nicht alle Vorhaben, an denen die Sprachpfleger arbeiten. Ganz vornan steht die Fortsetzung des Aufbaus der "Straße der deutschen Sprache". Diese Idee von Vorstandsmitglied Thomas Paulwitz hat in den drei einbezogenen Bundesländern Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen schon zahlreiche Interessenten und Mitstreiter gefunden. Auch wenn einige sich noch abwartend verhalten, ist man aber schon "sehr aktiv dabei". "Im Laufe des Jahres wollen wir möglichst zu einem einheitlichen Auftritt mit Logo und Faltblatt kommen", beschreibt Seewald-Heeg den momentanen Stand der Dinge.

Im Sommer soll der Auftrag ausgeschrieben werden - gesetzt, die Finanzierung steht. Dann wird man in Köthen wieder einen Schritt weiter dahin kommen, die Ziele der NFG voranzutreiben. Die zwar primär im sprachlichen Bereich zu finden sind. Aber nicht nur: Die Gesellschaft hat auch touristische Ambitionen, den Wunsch, mehr Gäste nach Köthen zu ziehen. Da erhält das Motto der Fruchtbringenden Gesellschaft des Barock eine sehr gegenwärtige Bedeutung: "Alles zu Nutzen - allen zu Nutzen!"