Im September starb Markus B.

Köthen: Stand der Ermittlungen nach Tod von deutschem Markus B.

Köthen - Knapp drei Monate nach den mehrfachen Demos von rechtsgerichteten Bündnissen, Rechtsextremen und Gegenprotestanten in Köthen ermittelt die Polizei in 70 Verfahren.

26.12.2018, 07:49

Knapp drei Monate nach den mehrfachen Demos von rechtsgerichteten Bündnissen, Rechtsextremen und Gegenprotestanten in Köthen ermittelt die Polizei in 70 Verfahren.

Die Liste der Vergehen reicht nach bisherigem Stand von Volksverhetzung und Beleidigung über Sachbeschädigung bis hin zu Körperverletzung, wie das Magdeburger Innenministerium mitteilte. Die Ermittlungen richteten sich gegen 78 Verdächtige, von denen neun noch ermittelt werden müssten, hieß es.

Ebenso viele Beschuldigte sind der Polizei wegen politisch motivierter Taten bekannt, acht wegen Rechtsextremismus und einer wegen linksextremer Vorfälle.

Köthen war im September von einer ganzen Welle an Demonstrationen heimgesucht worden. Mehrfach reisten rechtsgerichtete Bündnisse, Hunderte Rechtsextreme und Gegenprotestanten an, die nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes aus dem Umland und halb Deutschland kamen.

Auch die Stadt und die Hochschule organisierten bunte Gegenaktionen mit Kultur, Musik und Kreide.

Anlass war der Tod eines herzkranken Deutschen in der Nacht zum 9. September in Köthen. Der 22-Jährige erlitt auf einem Spielplatz einen Herzinfarkt. Nach allem, was die Ermittler sagen, mischte sich der junge Mann in einen Streit zwischen mehreren afghanischen Staatsbürgern ein. Er wird geschlagen, geht zu Boden, stirbt. Schwere sichtbare Verletzungen sind nicht zu erkennen und ergibt auch die Obduktion nicht.

Weil ein tödlicher Streit zwischen Deutschen und Asylbewerbern in Chemnitz kurz zuvor Spontandemos mit Gewaltausbrüchen verursachte, bereiten sich Polizei und Stadt auf Märsche vor.

Zu dem tödlichen Streit sind schnell viele Spuren zusammengetragen. Zunächst sprechen die Ermittler von 18 und 20 Jahre alten Männern aus Afghanistan, die in dem Streit zugeschlagen haben sollen, später korrigieren sie sich: Der vermeintlich 20-Jährige ist doch erst 17 Jahre alt. Noch im Spätherbst gibt die eigens gebildete Ermittlungsgruppe „Köthen“ die Akten an die Staatsanwaltschaft. Die erhebt Anklage - im neuen Jahr wird sich das Landgericht Dessau-Roßlau mit dem Fall beschäftigen. (mz/dpa)