Köthen

Köthen: Försters Flügel ist der schwerste Brocken

KÖTHEN/MZ. - 350 Kilo? 400 Kilo? Wie gewichtig der Förster-Flügel tatsächlich ist, der an diesem Montagvormittag in das obere Stockwerk des Marstalls gewuchtet werden soll, niemand weiß es zuverlässig genau. Auf alle Fälle ist das schwarzglänzende Instrument der schwerste Brocken auf der Umzugsliste vom Schloss ins Schloss. Von der alten Musikschule in die neue Musikschule. Am 17. Dezember war die offizielle Einweihung der Einrichtung im Marstall, am 10. Januar soll der erste komplette Schultag ...

Von MATTHIAS BARTL 03.01.2011, 18:47

350 Kilo? 400 Kilo? Wie gewichtig der Förster-Flügel tatsächlich ist, der an diesem Montagvormittag in das obere Stockwerk des Marstalls gewuchtet werden soll, niemand weiß es zuverlässig genau. Auf alle Fälle ist das schwarzglänzende Instrument der schwerste Brocken auf der Umzugsliste vom Schloss ins Schloss. Von der alten Musikschule in die neue Musikschule. Am 17. Dezember war die offizielle Einweihung der Einrichtung im Marstall, am 10. Januar soll der erste komplette Schultag sein.

Bis dahin, weiß Musikschulleiter Andreas Hardelt, ist noch einiges zu tun. Einiges an Schleppen, Einräumen, an Hin- und Herschieben. Die wichtigste Aufgabe fällt dabei der halleschen Umzugsfirma Schimke zu. Schimke, Spezialist für das Transportieren von Klavieren, Tresoren und Maschinen, ist mit sechs Leuten angetreten, um eine durchaus ansehnliche Armada von Tasteninstrumenten die Treppe im Johann-Georg-Bau herunterzubugsieren und auf der anderen Seite des Schlossteiches die Treppe im Marstall wieder hinaufzubringen. Letzteres gilt freilich nur für die sechs großen Flügel; die passen nicht in den Fahrstuhl, mit dem man die elf Klaviere und die Cembali nach oben schafft. Wenn der Fahrstuhl mitspielt: Die neu eingebaute Technik benötigt kurz nach der Inbetriebnahme noch einmal die kundige Hand, denn nicht immer will die Tür des Lifts aufgehen, ohne dass man nachhelfen muss. Zwei Schimke-Leute fahren mit einem Cembalo ein-, zweimal auf und ab, ehe die Tür sich dank physischer Nachhilfe doch noch öffnet.

Andreas Hardelt nimmt das Ganze mit Aufmerksamkeit, aber auch mit Gelassenheit zur Kenntnis. "Das muss man natürlich abstellen", sagt er. Auch an anderen Ecken in der neuen Musikschule kommen jetzt die kleinen Reibungsflächen zum Vorschein, machen sich Nachbesserungen notwendig - von den Wasserhähnen in der Damen-Toilette bis zum Teppich im Raum für die frühmusikalische Erziehung. Auch dass die Musikschule noch keinen Briefkasten hat, muss geändert werden. Aber Hardelt hat Erfahrung mit dem Hartnäckigsein - drei Wochen lang hat er mit verschiedenen Telekom-Mitarbeitern telefonisch versucht, für die neue Schule einen Anschluss zu bekommen; erst als tatsächlich jemand in Fleisch und Blut auftauchte, ließ sich das Problem lösen.

Die Zuordnung der Klaviere in die 19 Räume der Musikschule funktioniert dagegen auf Anhieb. Hardelt hat in Alex Glatz einen Helfer an der Seite, der sich um das Organisatorische kümmert. Auf einem Klemmbrett sind die künftigen Standorte der Instrumente vermerkt, und wenn doch mal eine Endplatzierung unklar ist, wird per Befragung detektivisch nachgeforscht, aus welchem Raum das Klavier stammt. Alles muss letztlich seine Ordnung haben, schon deswegen, weil die Anordnung der Probenräume von laut nach leise ihren Sinn hat. Wenn am 10. Januar der Unterricht erstmals komplett stattfindet, wird man sehen, inwieweit es bautechnisch und organisatorisch gelungen ist, dass die Musiker sich nicht gegenseitig bei der Arbeit stören.

Dann freilich werden immer noch nicht alle Instrumente und alle Möbel in der neuen Schule vorhanden sein. Zwei der Musikschul-Flügel sind derzeit noch bei der Firma Hoffmann in Chemnitz, wie sie grundlegend überholt werden. "Das wird wohl bis Ende März, Anfang April dauern", denkt Andreas Hardelt. Der aber dennoch froh darüber ist, dass man sich dieses fachmännische Eingreifen leisten kann. Dafür gebühre dem Förderverein der Musikschule großer Dank, denn die Arbeit der Chemnitzer Firma wird aus den Mitteln finanziert, die der Förderverein eigentlich für den Bau des Hofkapellensaals zusammengetragen hatte - ein Einsatz, der am Ende nicht notwendig wurde, weil das notwendige Geld für den Saal doch noch vom Land zur Verfügung gestellt wurde. Für Hardelt heißt das auch, in einigen Wochen noch mal die Umzugsprofis zu ordern, damit der Marstall seine letzten Flügel erhalten kann.