Keine Neuaufnahmen, keine Futterspenden

Keine Neuaufnahmen, keine Futterspenden: Corona legt auch Köthener Tierheim lahm

Köthen - Vereinsvorsitzende Regina Minasch verkündet die Schließung des Asyls für Hunde und Katzen ab jetzt. Besucher kommen nicht mehr auf den Hund.

Von Frank Jungbluth 19.03.2020, 09:21

Die ältere Dame, die am Mittwochnachmittag mit drei Säcken Trockenfutter auf dem Gepäckträger Einlass begehrte, hat Regina Minasch dann doch nicht abweisen können. Aber nun gilt auch dort, im Tierheim in der Fasanerie, der Stillstand. Niemand kommt mehr hinein, den man nicht seit Jahren kennt.

Fundtiere werden noch geholt, aber keine Tiere mehr angenommen. Hund’ und Katz’ und alles das, was dem Menschen Freude macht, vor allem dem älteren, ist quasi unter Quarantäne, wie die Vorsitzende des Tierschutzvereins Köthen/Anhalt und Umgebung traurig berichtet.

Was wird, wenn ein Tierhalter unter Quarantäne ist, das Haus nicht mehr verlassen darf? Wer geht mit dem Hund? „Das ist die gute Frage, denn streng genommen ist es dem Hundehalter untersagt, selbst Gassi zu gehen“, weiß Regina Minasch. Findet sich also kein Freund, kein Nachbar, kein Angehöriger, dann pressiert es dem Vierbeiner. Eine vertrackte Lage, denn das Corona-Virus befällt zwar, soweit man bis heute weiß, Tiere nicht, aber es bringt auch dramatische Einschränkungen. Minasch hat das Tierheim schließen lassen.

Futterspenden werden im TIerheim Köthen auch nicht mehr angenommen

Prophylaktisch, aber es muss sein, zu groß ist die Sorge, dass sich irgendjemand ansteckt beim Kontakt. Futterspenden werden also auch nicht mehr angenommen, obschon man mit Blick auf das schmale Budget darauf angewiesen ist. Sehr sogar, denn mit den knapp 3.000 Euro, die jedes Jahr im Schnitt gespendet werden, geht nicht viel. Die besseren Jahre sind, was das angeht, lange vorbei.

Damit der Betrieb und die Versorgung der 40 Katzen und acht Hunde, die derzeit einen Platz im Tierasyl haben, nicht stillsteht, denn wer sollte sich um die Tiere kümmern, dürfen die Betreuer und Pfleger, die Gassi-Geher und Fütterer nicht krank werden.

Zwei Teams, die zu unterschiedlichen Zeiten im Einsatz sind

„Wir haben unsere Mitarbeiter und Ehrenamtlichen deshalb jetzt in zwei Teams aufgespalten, die zu unterschiedlichen Zeiten im Einsatz sind“, erklärt Minasch. Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, die nachvollziehbar ist, denn sollte nur einer derer, die im Tierheim den Betrieb am Laufen halten, infiziert sein, dann müssten auch alle anderen in Quarantäne. Das Tierheim wäre ohne Aufsicht und die Tiere ohne Futter. Nicht auszudenken.

200 Mitglieder hat der Tierschutzverein und die Vorsitzende Regina Minasch hofft auf noch mehr Solidarität. Kommen darf aber vorerst niemand zum Tierheim. Marco Mittelbach und Christian Woyczeszik, die sich dennoch rührend um die Tiere kümmern, bitten in diesen Tagen um Verständnis. Anrufen kann man im Tierheim nach wie vor, unter der 03496/555820 ist die Einrichtung erreichbar. Alles andere, was noch kommt, weiß niemand. Man bereitet sich intensiv vor. (mz)